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12. Dezember 2018

Illegale Vitamine mit gentechnisch veränderten Bakterien in Tierfutter gelangt – Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde warnt vor Gesundheitsgefahren für Verbraucher



Berlin/Amsterdam/Paris, 30. November 2018. Verbotene Vitaminpräparate aus China, die gentechnisch veränderte, lebensfähige Bakterien enthalten, sind über einen niederländischen Importeur in großem Umfang in Tierfutter und damit in die Nahrungsmittelkette in Europa gelangt. Auch Deutschland ist betroffen. Das geht aus Daten des Europäischen Behörden-Schnellwarnsystems RASFF hervor, die von Belgien veröffentlicht wurden. Bei der verbotenen Substanz handelt es sich um Vitamin B2, auch bekannt als „Riboflavin 80%“, das als Zusatzstoff in Futtermittel für Nutztiere eingesetzt wird. Die in dem Vitamin enthaltenen gentechnisch veränderten Organismen sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher, weil sie unter anderem antibiotikaresistente Gene enthalten.

Deutsche und britische Behörden hatten bereits 2014 ähnliche Belastungen von B2-Vitaminen mit nicht in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und die EU informiert. Die EU-Kommission hat den Einsatz des Vitamins jedoch erst im September 2018 offiziell verboten – zugleich erlaubt die EU es Landwirten jedoch, die bereits mit dem belasteten Vitamin-Gemisch hergestellten Futtermittel noch für weitere sechs Monate, bis April 2019, an ihre Tiere zu verfüttern. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte das Vorgehen der EU als klaren Verstoß gegen das europäische Gentechnikrecht und das im Lebensmittelrecht verankerte Vorsorgeprinzip.

„Es ist erschütternd, wie die EU-Kommission nicht nur die gesundheitlichen Risiken gentechnisch veränderter Organismen ignoriert, sondern auch die völlig unnötige Verbreitung von Antibiotikaresistenzen durch illegale Futter-Zusatzstoffe jahrelang billigend in Kauf nimmt – obwohl sich die EU offiziell als Vorkämpferin gegen Antibiotikaresistenzen inszeniert. Wenn es ums Geld geht, hat die EU-Kommission trotz ausdrücklicher Warnung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde offenbar kein Problem damit, dass vermehrungsfähige gentechnisch veränderte Bakterien, die noch dazu gegen antibiotikaresistent sind, an Europas Viehherden verfüttert werden“, erklärte Matthias Wolfschmidt, Kampagnendirektor von foodwatch International.

Nach Informationen von foodwatch sind in diesem Jahr mindestens acht Tonnen des mit gentechnisch veränderten Bakterien belasteten und damit illegalen Vitamin-B2-Präparates aus China über den niederländischen Futtermittelhersteller Trouw Nutrition nach Europa gelangt. Damit konnten Hunderttausende Tonnen Tierfutter produziert werden. Die Behörden in den betroffenen EU-Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und die Niederlande, rufen derzeit stillschweigend die Bestände der belasteten Futtermittel zurück. Die Öffentlichkeit wurde indes nicht informiert, wie foodwatch kritisierte.

Der Vorgang könnte weit zurückreichen: Behörden in Deutschland und England hatten bereits 2014 eine ähnliche Kontamination von Vitamin B2 mit illegalen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und andere Mitgliedstaaten über das europäische Behörden-Warnsystem RASFF davor gewarnt. Im Oktober 2016 führten Experten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und andere EU-Behörden eine gemeinsame Untersuchung durch, die zu dem Schluss kam, dass das betreffende Futtermittel nicht hätte verkauft werden dürfen. Damals wurden jedoch keine Maßnahmen ergriffen, um das Vitamin-B2-Präparat oder damit hergestellte Futtermittel vom Markt zu nehmen. Die Europäische Kommission hatte stattdessen im August 2016 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer neuen Stellungnahme zur Sicherheit von Riboflavin 80% beauftragt. Am 7. März 2018 kam die EFSA zu dem Schluss, dass der Zusatzstoff ein Risiko für „die Zieltierart, die Verbraucher, die Verwender und die Umwelt“ darstellt. Die EU-Kommission hat den illegalen Vitamin-Zusatz offiziell erst am 19. September 2018 verboten. Die Verfütterung des damit hergestellten und somit  belasteten Tierfutters – vermutlich viele tausend Tonnen – erlaubt sie jedoch bis April 2019.

Das verunreinigte Futtermittel wurde laut dem Europäischen Schnellwarnsystem in 20 europäische Länder geliefert. Nach Informationen von foodwatch dauerte es mehrere Wochen, bis niederländische Behörden die Lieferwege zurückverfolgen konnten. Die französische Tageszeitung Le Monde schätzt, dass mindestens 150 Tonnen Futtermittel alleine in Frankreich mit dem gefährlichen Vitamin-Zusatzstoff verunreinigt wurden.



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