Schlecht, aber gut

Rntgen- und Infrarot-Aufname des berrests der Typ-Ia Supernova ‘G299’, die, ganz materietrunken, Gas und Strahlung dem Weltraum bergab (NASA/Chandra/Uni. Texas/2MASS/Uni. Massachusetts/Caltech/NSF).

Astronomen haben mit Aufnahmen des Hubble Weltraumteleskops die Umgebung eines Sterns,

der als Supernova des Typs Ia explodiert ist, genauer
untersucht um so Aufschlsse ber

seinen Begleiter zu erfahren.

Das letzte Bier war meistens schlecht – Astronomen sind der Erklrung dieses Phnomens

auf kosmischer Skala nun ein gutes Stck nher gekommen. Im
diesem Falle ging es um

eine Supernova des Typs Ia, bei der in einem
Doppelsternsystem ein weier Zwergstern so

lange Materie von seinem Begleiter bekommt, bis der Zwerg
explodiert und einen groen

Schwall an Sternmaterial und Strahlung ausstt. Jener
Erguss ist aus kosmologischer

Sicht von groem Interesse, da ein Weier Zwerg seine
Obergrenze (die sogenannte

Chandrasekhar-Grenze, benannt nach dem indischen
Astrophysiker, der den Zusammenhang

als erster beschrieb) sehr gut kennt: Oberhalb von etwa 1,3
Sonnenmassen wird er

instabil und explodiert. Aufgrund der stets gleichen Masse
tut er das mit einer

bekannten, vorhersagbaren Energie und Leuchtkraft, deren
Wert man so zur

Distanzbestimmung im Universum nutzen kann. Doch so viel
man auch ber den weien

Konsumenten weiss – was, wieviel und wie schnell er Materie
verdrckt, welche

Eigenschaften somit auch sein Begleiter hat, ist noch zu
groen Teilen unbekannt. Eine

Mglichkeit wre ein instabiler roter Riesenstern, der
wasserstoffreiche Materie

ausstsst, die zu Teilen vom Weien Zwerg absorbiert wird.
Leuchtet die Ia-Supernova

dann auf, erhellt sie ihre Umgebung so intensiv, dass sich
(in verschiedenen

Wellenlngen) zeigen knnte, um welche Art Begleiter es
sich in dem Doppelsternsystem

handelt – wer dem Weien Zwerg also all-you-can-drink
nachfllt.

Genau diese Situation ergab sich fr Astronomen bei der
wiederholten Beobachtung der

545 Millionen Lichtjahre entfernten Supernova ‘SN 2015cp’.
Es zeigte sich, dass die

Supernova-Explosion in berreste des Materie-Ausstoes des
Begleiters krachte (mit etwa

einem Zehntel der Lichtgeschwindigkeit) und diese dabei zum
Leuchten anregte. Mit dem

Hubble Weltraumteleskop und mehreren anderen Teleskopen
(Keck Observatorium in Hawaii,

das Jansky Very Large Array in New Mexico, ESOs Very Large
Telescope) wurde die

Strahlung analysiert, wobei ein hoher Wasserstoffgehalt
festgestellt wurde. Das lsst

den Schluss zu, dass es sich um einen entwickelten Stern
wie etwa einen roten

Riesenstern handelt, der in Intervallen viel Materie der
beobachteten Zusammensetzung

ausstt. Damit konnten Astronomen im Fall von ‘SN 2015cp’
ausschlieen, dass es sich

bei dem Begleiter um einen zweiten Weien Zwerg handelt
(ein anderes gngiges

Szenario), denn dieser htte als sehr alter Stern seinen
Wasserstoffvorrat vollstndig

verbraucht.

Andere Beobachtungsdaten der Durchmusterung (Daten wurden
fr die Supernovae selbst und

ihr Leuchten nach ein bis drei Jahren aufgezeichnet)
zeigten im direkten Vergleich,

dass die Kombination Weier Zwerg plus Roter Riese
allerdings recht selten zu sein

scheint: lediglich sechs Prozent zeigen vergleichbares
Glimmen. Mit dem ‘Large Synoptic

Survey Telescope’ soll in Zukunft der Himmel nach
Supernova-Signaturen und automatisch

deren Nachleuchten gesucht werden, um die Natur der Typ Ia-
Supernovae-Sternsysteme

systematischer zu untersuchen. Ob man die
wasserstofflastigen Ergebnisse auf der Erde

mit H2O oder C2H6O feiert, bleibt aber Geschmackssache…
21.01.2019

  

21.01.2019 01:32 Uhr, Ilka Petermann



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Von Veritatis

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