Kepler und Cupido

Knstlerische Darstellung einer strmischen Begegnung: wenn Planeten kollidieren, knnten in manchen Fllen neue, sehr dichte Objekte entstehen (NASA/JPL-Caltech).

Astronomen haben mit ‘Kepler-107c’ vermutlich den ersten Exoplaneten entdeckt, der vor langer Zeit eine Kollision mit einem anderen Planeten
berstanden haben knnte, wie seine auergewhnliche Dichte vermuten lsst.

Es muss ein sehr strmisches Valentinstags-Rendezvous gewesen sein, das sich dereinst im Sternsystem Kepler-107 ereignet hat. Von den vier Planeten des Systems Kepler-107, gut 1700
Lichtjahre von der Erde im Sternbild Schwan gelegen, haben zwei einen vergleichbaren Radius
(etwa das anderthalbfache des Erdradius), doch ist einer fast dreimal so schwer wie sein
Nachbar. Der innerste Planet, Kepler-107b, ist mit einer gut dreifachen Erdmasse schon kein
Leichtgewicht. Doch warum Kepler-107c mehr als die neunfache(!) Erdmasse aufweist, ist nur sehr
schwer – oder zumindest schwierig – zu erklren. Whrend der innerste Planet eine erdhnliche
Dichte aufweist (etwa 5.3 g/cm3), sind es bei seinem Nachbarn verblffende 12.6 g/cm3, was
in etwa der Dichte von Metallen entspricht (zum Vergleich: Eisen knapp 8 g/cm3, Nickel 9 g/cm3).

Eine Erklrung knnte nun sein, dass der heie Stern Teile der Planetenatmosphre verdampft
und wegblst: zurck bliebe dann nur der sehr dichte und metallreiche Kern (ganz so als wrde man
vom Salatteller das Grnzeug zur Seite legen und nur den Kse, Speck und die Nsse
behalten…). In diesem Fall wrde man aber gerade die umgekehrte Situation erwarten, da
der innerste Planet der dichtere der beiden sein sollte – was genau nicht der Fall ist und
damit als Erklrung weitgehend ausgeschlossen werden kann.

Bleibt die romantische Version: Zwei Planeten treffen sich und bleiben zusammen (Un-Romantiker
mgen hier auch von einer Kollision sprechen). Durch die extreme Hitzeentwicklung verdampfen
leichtflchtigere Elemente genauso wie Silikat-reiche Schalen und zurck bleibt ein einzelner
metallreicher Kern. Schtzungen nach knnte der Kern im Fall von ‘Kepler-107c’ aus bis zu 70 Prozent
Eisen bestehen. Ein hnliches Szenario wird brigens auch fr unsere sehr unmittelbaren Nachbarschaft diskutiert,
gehen manche Studien davon aus, das auch die junge Erde einst mit einem anderen Planeten zusammenstie
und die Bruchstcke sich zu einem wohlbekannten Nachbarn formten: unserem Mond.
In weiteren Beobachtungsreihen, etwa mit dem James Webb Weltraumteleskop, soll nun untersucht werden, wie hufig kosmische Treffen sind,
bei denen ein planetarer ‘Ironman’ zurckbleibt.
17.02.2019

  

17.02.2019 20:22 Uhr, Ilka Petermann



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Von Veritatis

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