Gesellschaft

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Miniröcke und E-Gitarren, Comedy-Shows, 3D-Zeichentrickfilme und TV-Serien: All das gibt es jetzt auch in Nordkorea. Ein Blick hinter den Eisernen Vorhang zeigt: Im abgeschotteten Land vollzieht sich ein richtiger Kulturwandel – von der übrigen Welt weitgehend unbemerkt.

Professor Kim Hyuk von der Academy of Korean Studies klärt in einem Sputnik-Gespräch über die wichtigsten Wandlungen der letzten Jahre und neue Gegebenheiten in Nordkorea auf.

Liebe

Bis zur Mitte der 2000er waren die Nordkoreaner in punkto Liebe äußerst konservativ. Auf der Straße Händchen zu halten, galt als anstößig und sogar als beschämend. Heute hält das Konzept der freien Liebe in dem Land zunehmend Einzug. Immer mehr Jugendliche zelebrieren ihre Liebe gerne öffentlich. Intime Berührungen und Zärtlichkeiten von Paaren werden allmählich zu Selbstverständlichkeit.


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AFP 2018 / Ed Jones

Ein Paar in Pjöngjang. Im Hintergrund: Militärtechnik

Wohnung

Der Boom auf dem Immobilienmarkt hat die Preise ins Astronomische getrieben. Weniger bemittelte Familien können sich keine eigene Wohnung geschweige denn ein Haus leisten. Dafür schenken betuchte Eltern ihren Kindern immer öfter zur Hochzeit ein eigenes Domizil. Dies kennzeichnet die Abkehr von der Tradition einer großen Familie, in der Kinder, Eltern und Großeltern zusammen unter einem Dach leben.


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Sputnik / Ilja Pitalew

Blick auf Wohnviertel in Pjöngjang

Bildung

Bereits unter dem früheren Machthaber Kim Jong-il (1941-2011) kam Nachhilfeunterricht für nordkoreanische Schüler langsam in Mode. In den letzten Jahren wurde er wirklich eine Massenerscheinung. Nordkoreanische Familien legen immer mehr Wert auf die gute Bildung ihrer Kinder. Sowohl Vermögende als auch Binderbemittelte bezahlen für ihre Sprösslinge Nachhilfe. English und Chinesisch sind mit Abstand die populärsten Fächer. Als Traumarbeitgeber gelten in Nordkorea Firmen, die sich mit dem Export von Arbeitskraft beschäftigen und Devisen ins Land holen. Fremdsprachenkenntnisse sind für so einen Job ein absolutes Muss.


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Sputnik / Witalij Belousow

Schüler in Pjöngjang

Feiertage

Erst vor wenigen Jahren war es in Nordkorea üblich, Feiertage im Kreise der Familie zu zelebrieren. Heute gehen Jugendliche gerne aus, um Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Waren früher alkoholische Getränke und Zigaretten das beste Geschenk für einen Klassenleiter zu einem Feiertag, ist es heute Geld. Ein durchschnittlicher Pädagoge kassiert zum Lehrertag etwa 50 Yuan (60.000 nordkoreanischer Won) und kann sich dafür etwa 20 Kilo Reis kaufen.


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Sputnik / Ilja Pitalew

Menschen in Pjöngjang

Unterhaltung

Während in der Provinz das Kulturangebot noch immer sehr beschränkt bleibt, erfährt die Unterhaltungsindustrie in der Stadt eine stürmische Entwicklung. Freizeitparks, Zoos und Spielautomatenhallen schießen wie Pilze aus dem Boden. Computerclubs, Billard- und Tischtennisräume kommen hinzu und prägen zusammen mit Karaokebars und 3D-Kinos die neue Jugendkultur.

  • Zoo in Pjöngjang

    Zoo in Pjöngjang


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    Sputnik / Ilja Pitalew

  • Im Zoo von Pjöngjang

    Im Zoo von Pjöngjang


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    Sputnik / Ilja Pitalew

  • Im Zoo von Pjöngjang

    Im Zoo von Pjöngjang


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    Sputnik / Ilja Pitalow

  • Ein Kinderfreizeitpark in Pjöngjang

    Ein Kinderfreizeitpark in Pjöngjang


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    Sputnik / Witalij Belousow

  • Hochzeit in Nordkorea

    Hochzeit in Nordkorea


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    Sputnik / Maria Sidibe

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Sputnik / Ilja Pitalew

Zoo in Pjöngjang

Körperpflege

Heimische Kosmetik kommt in Nordkorea allmählich aus der Mode: Einfache Menschen wechseln immer öfter zur chinesischen Importware. Kosmetische Artikel aus Südkorea sind formal verboten, lassen sich jedoch auf dem schwarzen Markt finden. Insbesondere Abdeckcremes aus dem Süden erfreuen sich hoher Nachfrage.


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Sputnik / Maria Sidibe

Ein Kosmetikstudio in Pjöngjang





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Von Veritatis

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