Radio-Bonbons

Sammelfreudig: Mehr als 10.000 Radioteleskope haben in Gemeinschaftsarbeit ber 300.000 neue radiolaute Galaxien ausfindig gemacht – Tendenz steigend. Die Abbildung zeigt ‘Abell 1314’ im Groen Bren, Radioemissionen sind rot dargestellt (A. Wilber/LOFAR Surveys Team).

Das internationale LOFAR-Projekt hat ein Viertel des Nordhimmels in seiner neuer Durchmusterung analysiert und dabei eine Vielzahl von Radiogalaxien entdeckt, die bisher den Blicken der Astronomen entgangen waren.

Die Clownsnase sitzt, der Papp-Papagei fr das Piratenoutfit passt. Die Jecken machen sich fr die Rosenmontagsumzge bereit und freuen sich auf das Sammeln der ‘Kamelle’ (= Bonbons fr alle, denen
Karneval astronomisch fern liegt), vieler Kamelle. Und die Astronomen der LOFAR-Durchmusterung sammeln neue Radioquellen. Viele neue
Radioquellen, fast 300.000 um genau zu sein. Das Teleskop-Netzwerk
LOFAR (Low Frequency Array) arbeitet im Radiofrequenzbereich (1080 MHz und 110240 MHz) nach dem Prinzip der Interferometrie, wobei die
Daten vieler Teleskope zur einem einzigen Signal kombiniert werden. So kann eine hohe Winkelauflsung erreicht werden und auch nahe beieinander
liegende Radioquellen knnen registriert werden. Dazu mssen die einzelnen Teleskope einen gewissen Abstand voneinander haben: im Fall von
LOFAR mit seiner Winkelauflsung von (unter) einer Bogensekunde wrde die Flche der Niederlande (Leitung durch ASTRON, dem niederlndischen
Radioastronomie-Institut) nicht ausreichen – die Teleskope erstrecken sich daher weit ber den europischen Kontinent. So gibt es neben
den Stationen in den Niederlanden auch Standorte in Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Polen, Schweden und dem
Vereinigten Knigreich. Im Gegensatz zu den groen, kostenintensiven Parabolantennen, etwa denen des ‘Very Large Array’, sind die Einzelantennen
des LOFAR-Netzwerk kleine (etwa mannshohe) und verhltnismig gnstige Elemente in Form einer ‘Drahtpyramide’. ber 10.000 Stck sind
mittlerweile im Einsatz. Herzstck von LOFAR ist der Hochleistungsrechner, der die gewaltigen Datenmengen auswertet, die ihm
ber ein sehr schnelles Datenkommunikationsnetzwerk bermittelt werden (die Grenordnung der gesammelten Daten bewegt sich im Bereich
von zehn Millionen DVDs.

Fr die aktuelle Durchmusterung kam ein verbessertes Verstndnis der Auswertung interferometrischer Daten hinzu, sodass in weniger als
einem Jahr ausgewertet wurde, wofr ‘normale’ Computer Jahrzehnte gebraucht htten. Die neu gefundenen 300.000 Radiogalaxien sind aber
nur ein erster Schritt. Astronomen erwarten bis zu 15 Millionen Funde von Radioquellen
aller Art – neben Galaxien und aktiven Galaxienkernen knnen das auch Quasare und Supernova-berreste, aber auch Sterne, Planeten und
Monde sein (kosmische Radiostrahlung entsteht ber eine Vielzahl von Mechanismen wie Wrmestrahlung, Synchrotronstrahlung oder ber das Prinzip
des Masers).
03.03.2019

  

03.03.2019 21:51 Uhr, Ilka Petermann



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Von Veritatis

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