Taktgefhl

Nicht dick, nur schwere Dunkle Materie: die Milchstrae gehrt in der Lokalen Gruppe zusammen mit der Andromedagalaxie zu den massereichsten Galaxien (Bildnachweis NASA).

Mit neuen Daten des Hubble Weltraumteleskops und der Raumsonde Gaia konnten Astronomen die Masse der Milchstrae genauer bestimmen. Der neue Wert liegt mit 1,5 Billionen Sonnenmassen etwa in der Mitte zwischen frheren Abschtzungen und
bezieht sowohl die sichtbare als auch die Dunkle Materie, die sich im optischen Bereich nicht bemerkbar macht, mit ein.

Wie alt, wie schwer, welche Nachbarn? Die Milchstrae hat auf mindestens einem bewohnten Planeten Lebewesen hervorgebracht, die von Diskretion nicht allzu viel halten. Mit kombinierten Daten des Hubble
Weltraumteleskops und der Gaia-Raumsonde konnte jetzt die Masse der Milchstrae mit verbesserter Przision
bestimmt werden. Dazu wurde die (dreidimensionale) Bewegung von Kugelsternhaufen vermessen, die das Zentrum der
Galaxie umkreisen. Neben der sichtbaren Materie, die nur einen verhltnismig kleinen Teil der Masse ausmacht, ist
es die Dunkle Materie, die sich gravitativ bemerkbar macht und die Bewegung der galaktischen Objekte beeinflusst:
Je massereicher eine Galaxie ist, umso strker also die Gravitationskraft wirkt, desto schneller bewegen sich Sternhaufen.
Bisher wurde hauptschlich jene Geschwindigkeitskomponente von Kugelsternhaufen vermessen, die auf der Sichtlinie zur
Erde liegt, also ob sich ein Objekt auf und zu oder von uns wegbewegt. Mit Gaia wurde es mglich, die komplette Bewegung
zu vermessen, also auch wenn sich ein Kugelsternhaufen ‘seitwrts’ bewegt, was einen erheblich prziseren Wert seiner
Geschwindigkeit bedeutet. Komplementr dazu konnte Hubble auch solche Sterne vermessen, die weiter entfernt liegen, leuchtschwcher
sind und damit fr Gaia nur eingeschrnkt zu beobachten sind. Fr die neue Studie wurden zusammengenommen Beobachtungsdaten von
34 Kugelsternhaufen bis zu einer Distanz von 65.000 Lichtjahren und 12 Kugelsternhaufen bis zu 130.000 Lichtjahren
analysiert. Mit den Hubble und Gaia-Daten konnte so die Masseverteilung der Milchstrae in einem Umkreis von einer Million
Lichtjahre von der Erde bestimmt werden. Der so ermittelte Wert bringt die Masse in den Bereich von 1,5 Billionen Sonnenmassen,
was etwa ‘mittig’ zwischen frheren, teils schon jahrzehntealten Abschtzungen, von 500 Milliaren bis 3 Billionen Sonnenmassen liegt.
Nur einen kleinen Prozentsatz machen dabei die Sterne, also der sichtbare Teil der Materie, aus (inklusive dem supermassereichen Schwarzen
Loch im Zentrum), die mysterise, unbekannte Dunkle Materie trgt den Groteil des Gewichts bei (eine Wendung, die man sich fr die ganzen ‘Fit
fr den Frhling’-Ditartikel merken knnte).

Zum Alter unserer Milchstrae wurden im Rahmen dieser Studie zwar keinen neuen Messungen angestellt, der Vollstndigkeit halber sei
aber erwhnt, dass unsere Heimatgalaxie runzlige 13,6 Milliarden Jahre alt ist (Messungen aus dem Jahr 2004). Mit dem Alter des Universums,
das mit 13,8 Milliarden Jahren angegeben wird, gehrt die Milchstrae zu den Galaxien aus der Frhzeit des Universums. Fr die Altersbestimmung
der Milchstrae kann dabei nur eine Untergrenze angegeben werden: so wurde fr den Stern ‘SM0313’ von der Australian National
University ein Alter von eben jenen 13,6 Milliarden Jahren dokumentiert – was ihn zum ltesten bekannten Objekt der Galaxie machte und so
die akzeptierte Alters-Untergrenze festlegte.

Und zu den Nachbarn: die Andromedagalaxie, im Sternbild Andromeda gelegen und in dunklen Nchten freiugig sichtbar, ist
eine der groen Mitspieler in der Lokalen Gruppe, zusammen mit dem Dreiecksnebel und einigen kleineren Galaxien. Nur von
den Sdhalbkugel zu sehen, dort aber vermutlich schon seit prhistorischen Zeiten bekannt, sind zwei ‘irregulre Zwerge’, die
Kleine und Groe Magellansche Wolke. Und wer oder was dort galaktisch indiskret ist, wird sich vielleicht/ hoffentlich irgendwann
in der Zukunft noch zeigen…
11.03.2019

  

11.03.2019 00:30 Uhr, Ilka Petermann



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Von Veritatis

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