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22. May 2019

„Leichen an Mauern von Europa gespült“ – Wie schafften es diese Buben in Bundestag?




Mit dem 26-jährigen Philipp Amthor aus der CDU hat der deutsche Bundestag den jüngsten Abgeordneten. Amthor gilt als Posterboy des konservativen Flügels, sein Antagonist Markus Frohnmaier von der AfD dabei als „Kampfzwerg“. Woran liegt ihr Erfolg? Sputnik über Anpassung und Populismus als Erfolgskonzept der Jungpolitiker.

„Der Schein-Alte“, so nannte den jüngsten Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor kürzlich der „Spiegel“. 26 ist er nur, wirkt aber wie ein 62-Jähriger, der den Körper eines jungen Mannes angenommen hat. Trachtenjanker, Altherrenwitze, alles ist da drin. Wer ihn begleitet, soll etwas über die Sehnsucht der Deutschen nach Stabilität, über die Müdigkeit vieler Junger in Bezug auf Neuordnungen und über die Anpassung als Instrument lernen, mit dem man in Deutschland politisch erfolgreich wird.

„Merkels Bubi’ gibt der AfD Saures“

Der junge Mann steht seit gut einem Jahr in den Schlagzeilen. Im Februar 2018 zerfetzte er einen Antrag der AfD um das Thema Burkaverbot wegen juristischer Formfehler. Mit erhobenem Zeigefinger schimpfte Amthor in seiner Bundestagsrede: Der AfD-Antrag strotze von falschen Behauptungen. Der Auftritt endete mit dem Satz: „Hören Sie mir mal zu, dann können Sie noch was lernen über die Verfassung!“ Die „Bild“ freute sich über den neuen Medienstar, denn „Merkels Bubi’ gibt der AfD Saures!“

Einige Monate später wurde Philipp Amthor in den Bundestag gewählt, im Dezember 2018 hat er schon wieder eine Rede im Plenarsaal gehalten, diesmal zum Brexit. Das Grundübel sei die Entscheidung für den Brexit, die Briten könnten nicht erwarten, eine falsche Grundentscheidung zu treffen und dann als Gewinner vom Platz zu gehen. „Die Bundesregierung ist vorbereitet, wir werden auf die neuen Entwicklungen reagieren, wir werden hier im nationalen Interesse agieren“, plädiert Amthor leidenschaftlich und wird großzügig beklatscht, als wäre er schon Regierungsmitglied.

Wenn er vom seinem Schwindelerfolg spricht, erinnert er sich an den Wahlkampf 2017 als seine persönliche Gewinnergeschichte. „Ich druckte auf Plakate meine Handynummer und den Slogan: ‘Reden wir über Ihr Anliegen. Sie kochen Kaffee, ich bringe Kuchen mit“. Es waren die zentralen Sätze seines Wahlkampfs. Wahnsinnig. Die Stimmen der älteren Herren, der Hausfrauen, der Pensionäre: So sieht der Weg in den Bundestag aus. Die Bevölkerung altert zwar, die guten alten Werte bleiben. Philipp Amthor, ein Produkt der Rentnerrepublik? Über Horst Seehofer spricht er, als wären sie längst Kumpels. Der habe seinen einzigen Termin nördlich der bayerischen Grenze bei ihm gemacht. Bei ihnen sei es nicht um geschlechtergerechte Toiletten und den Veggie-Day gegangen, sondern um die Feuerwehr, die Infrastruktur des ländlichen Raums und das Erntefest. Abends habe er mit „dem Horst“ gemeinsam Hirschbraten gegessen. „Alter ist keine entscheidende Kategorie für die Politik, es sind die Inhalte, für die man steht“, bestätigt Amthor gegenüber Y-Kollektiv Reporter David Donschen.

„Multikulti funktioniert in der Realität nicht“ 

Dann gibt es noch Markus Frohnmaier, den 27-jährigen Abgeordneten der AfD. „Wer etwas verändern will, muss sich einbringen“, kommentiert er gegenüber Sputnik seinen beruflichen Werdegang. Sein frühes Schlüsselerlebnis sei die Erfahrung gewesen, dass Multikulti in der Realität nicht funktioniere. „Zur AfD kam ich, weil sie die einzige Partei war, die sich jenseits von politisch korrekten Denk- und Sprechverboten sachlich auch mit diesem Problem auseinandersetzte“, so Frohnmaier. Doch sein Weg „in der noch sehr jungen AfD“ unterscheide sich deutlich von der „stromlinienförmigen Ochsentour der jungen Kollegen in den Altparteien“.

Er begann als Sprecher von Spitzenpolitikern der AfD und hatte vor allem mit den Medien zu tun. „In der heutigen Mediengesellschaft sehe ich gezielte Provokationen als ein politisches Stilmittel, um damit inhaltliche Debatten anzustoßen und sich Gehör zu verschaffen“, kommentiert er weiter. Von den immer wichtiger werdenden digitalen Medien würden besonders sie, die Jungpolitiker, profitieren. In den sozialen Medien zeigt er sich aktiv, mal stellt er sich hinter die „Zyniker“, mal repostet er einfach die Botschaften der Spitzenpolitiker, wie er es auch als Pressesprecher machte. Er wirkt gelassen, provoziert, lässt sich aber nicht aus dem Gleichgewicht bringen und — macht sich das typische AfD-Instrumentarium zunutze: „Ihr seid das Volk, ihr seid mein Arbeitgeber“.

Das Brexit-Abkommen sei laut ihm darauf angelegt, das britische Volk für seine demokratische Entscheidung zu bestrafen.

Er bedauert, dass zuletzt wieder weniger junge Abgeordnete in den Parlamenten vertreten seien. Den jungen Menschen würde er nur raten, sich für Deutschland zu engagieren.

„Schmeißen Sie diesen Seehofer endlich raus“

Anders als mit „Merkels Bubi“ hat der „Horst“ mit dem jüngsten Linken-Politiker, dem 28-jährigen MdB Michel Brandt, wohl eine Bedrohung seiner politischen Existenz. Im Juni 2018 sorgte Brandt für viel Aufsehen, indem er dem guten Wahlergebnis der Wahl in Bayern die menschlichen Opfer der Flüchtlinge im Mittelmeer unterstellt hatte. Ganz rot im Gesicht vor Wut rief er die Bundeskanzlerin auf: „Veranlassen Sie die bedingungslose Aufnahme dieser Menschen, beenden Sie die rechte Irrfahrt und schmeißen Sie diesen Seehofer endlich raus.“ Übrigens: „Sie reden von europäischen Werten und Menschenrechten, während Leichen an die Mauern von Europa gespült werden, das ist ein politischer Skandal und eine Bankrotterklärung dieser Bundesregierung.“

Er kommt da an, wo die heiklen Themen auftauchen. In seinen Reden im Bundestag hört man von ihm nur: Wir fordern, wir fordern, wir fordern, als hätte er sich von den Klimabewegungen der Fridays vor Future radikal anstecken lassen. Die Bewegungen unterstützt er übrigens, schlägt aber genauso wie die Jugendlichen nichts Konkretes vor. 

So hat Sahra Wagenknecht laut ihm mit ihrem Projekt Aufstehen viel Schaden in der Linke angerichtet. Geht sie — dann soll sie vor ihren Misserfolgen fliehen. „Wer ist Michel Brandt? Ach, einer jener, der sein Bundestagsmandat ausschließlich der Popularität von Sahra Wagenknecht zu verdanken hat“, schreibt einer seiner Leser, Jens Schwarz.

Globalisiert, hochmütig, kritikfreudig und laut — so sieht das Post-Bild eines modernen Linken aus. „Wir führen hier eine Debatte über die Menschenrechte, gehen Sie einfach raus“, überfällt er einen fast verachtend. Bei Debatten sind normalerweise fremde Meinungen willkommen. In dem Wahlprogramm der Linken fordert er offene Grenzen für alle: Die inneren Probleme scheinen nicht sein Thema zu sein. #NazisRaus aber schon — der junge Mann fühlt sich mit den Antifaschisten vertraut. Ist das wohl in solcher Form nicht auch eine Art Populismus?





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