Zweimal im Jahr ist es soweit und das seit nunmehr 39 Jahren. In Deutschland wird die Zeit nach wie vor umgestellt. Von Sommerzeit auf Winterzeit und wieder zurück auf die Sommerzeit. Das EU-Parlament will heute über die Abschaffung der Zeitumstellung abstimmen. Aber was ist daran so wichtig, dass sich die EU damit beschäftigt?

Zeitumstellung ist schädlich für Körper und Geist

Die Zeitumstellung gibt es in Deutschland nun seit 1980. Zweimal im Jahr stellen wir Deutschen die Zeit um, mal eine Stunde vor (Sommerzeit), dann wieder eine Stunde zurück (Winterzeit). Für unsere Gesundheit ist das schlecht, warnen Schlafmediziner schon seit längerer Zeit. Laut Schlafmedizin und Schlafforschung kann die Zeitumstellung gar zu psychischen und physischen Krankheiten führen. Am häufigsten vertreten seien hierbei Einschlafprobleme oder aber ausgeprägtere Schlafstörungen.

Professor Peter Young ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Er ist auch Leiter der Schlafmedizin am Universitätsklinikum Münster. Für ihn ist die Zeitumstellung vor allem eines: überflüssig. „Es gibt keinen medizinischen Grund für eine Zeitumstellung“, sagt er. Vielmehr komme es für den Körper bei jeder Zeitumstellung zu einem „Mini-Jetlag“, was „erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden“ für den Menschen hätte. Wir können das nachempfinden, wenn wir jemals einen Flug in eine andere Zeitzone unternommen haben. Je mehr Zeitunterschied wir dabei erleben, desto heftiger fällt das sog. „Jetlag“ aus.

Widerstand aus der Bevölkerung wächst – Mehrheit gegen Zeitumstellung

Laut Professor Young dauere es „bis zu drei Tage“, bis unser Körper die Zeitumstellung bewältigt habe. Drei Tage, wegen einer Stunde hin oder her? Ja, sagt der Schlafmediziner und -forscher. Die Bevölkerung in Deutschland sieht womöglich die medizinischen Folgen der Zeitumstellung weniger, nichtsdestotrotz wächst der Widerstand dagegen. Die Krankenkasse DAK machte eine repräsentative Umfrage und kam zu dem Ergebnis, dass nur noch 18 Prozent aller Befragten die Zeitumstellung befürworten. Letzten Sommer gab es zudem eine Online-Umfrage in der gesamten Europäischen Union (EU), wobei sich 84 Prozent aller Befragten gegen die Zeitumstellung aussprachen.

Die Medizin und Forschung warnt vor der Zeitumstellung. Die Bevölkerung will auch nicht mehr an den Uhren drehen müssen, zweimal im Jahr. Gibt es wirtschaftliche Gründe die Zeitumstellung beizubehalten? Nein, das ist schon lange bekannt. Und den Mythos vom Energiesparen räumt das Umweltbundesamt aus dem Weg. „Die Zeitumstellung spart keine Energie“, heißt es von offizieller Stelle. Ganz im Gegenteil, denn für viele Unternehmen bedeutet die Zeitumstellung einen hohen Aufwand.

Wirtschaftsexperten warnen vor „Flickenteppich“ an Zeitzonen der EU

Der Dekan für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Korbinian von Blanckenburg, forscht zum Thema Zeit. Auch für ihn ist eie Zeitumstellung eine unnötige Sache. Er warnt die EU aber for einem „Flickenteppich“ an Zeitzonen. „Hätte jedes europäische Land seine eigene Zeitzone, wäre das fatal.“ Blanckenburg spricht sich klar für maximal drei Zeitzonen in der EU aus. Denn: „Würden nun beispielsweise Frankreich, Deutschland, Belgien und die Niederlande in verschiedenen Zeitzonen liegen, hätte das einen spürbar negativen Effekt auf den Handel“, erklärt der Akademiker.

Deswegen sieht er es als fraglich, ob das EU-Parlament einer Abschaffung der Zeitumstellung überhaupt zustimmt. Wenn, dann müsse dies aber bindend für alle Mitgliedstaaten sein. Denn nur so könne verhindert werden, dass Frankreich, Deutschland, Belgien und die Niederlande (um bei Blanckenburgs Beispiel zu bleiben), auch ohne an den Uhren zu drehen, noch immer in derselben Zeitzone liegen und der Handel – und damit auch die Wirtschaft – nicht beeinträchtigt werden.

Autor: Thomas Schmied

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Von Veritatis

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