Kurz mal nachzhlen

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2019 und das ist das neue Bild ‘Hubble Legacy Field’ des Hubble Weltraumteleskops, das tiefer als jemals zuvor in das Universum blickt (NASA/ESA/Hubble Legacy Field Team). Faszinierend.

Astronomen haben mit dem Hubble Weltraumteleskop den bisher tiefsten und weitesten Blick in unser Universum hervorgebracht und dazu gut 7.500 Einzelaufnahmen kombiniert.

Die Sonnentage in diesem Jahr lassen sich ja eher schnell abzhlen – was genug Zeit lsst, die Galaxien im neuen Hubble-Bild, dem ’Hubble Legacy Field’ mal schnell nachzuzhlen. Wie schon bei den Vorgngern wurden fr das Bild separate Aufnahmen
in extrem hoher Auflsung in einer einzigen Aufnahme
kombiniert, sodass man am Ende in die Tiefen des Weltalls und damit in eine Zeit blickt, als das Universum noch ganz Big-Bang-frisch (etwa 500 Millionen Jahre alt) war.
Dabei ist eines der Hauptziele ein besseres Verstndnis der Galaxienentwicklung, die gerade in frhen Tagen durch ‘Fressen und
gefressen werden’ (oder etwas physikalischer: Galaxienverschmelzungen- und Kollisionen) beschrieben werden kann. Die 7.500
Einzelaufnahmen, die oft mehrmals mit mehreren Instrumenten beobachtet wurden, entsprechen dabei einem Zeitrum von 250
Beobachtungstagen und bilden Galaxien ab, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Die Aufnahme steht damit in der Tradition des Hubble Teleskops, kleine Himmelsausschnitte mit maximal mglicher Auflsung
aufzunehmen. Den Anfang machte das ‘Hubble Deep Field’ (HDF) aus dem Jahr 1995, das von der Spiegelkorrektur des
Teleskops zwei Jahre zuvor profitierte und ber 3.000 klar erkennbare Galaxien zeigt. Durch den kleinen Bildausschnitt
von 144 Bogensekunden im Bereich ‘Groer Br’ sind nur sehr wenige Sterne der Milchstrae (etwa zehn) abgebildet, sodass
die leuchtenden Objekte weit entfernte Galaxien, Quasare und eventuell auch einige wenige Weie Zwerge darstellen. Das HDF gilt
als Meilenstein der Astronomie und die groe Anzahl rotverschobener Galaxien mit Entfernungen von bis zu 12 Milliarden Jahren
ist dabei eine der bedeutsamsten Entdeckungen. Drei Jahre spter wurde die HDF-Aufnahme um ihr sdliches Pendant ergnzt: das ‘Hubble
Deep Field South’ der sdlichen Hemisphre zeigt eine sehr groe hnlichkeit zum ersten Deep-Field-Bild, was das kosmologische Prinzip
sttzt, dass das Universum in groen Entfernungen die gleiche Beschaffenheit aufweist.

Nachfolger waren das ‘Hubble Ultra Deep Field’ das aus 800 Einzelbelichtungen (September 2003 bis Januar 2004) zusammengesetzt wurde
einen kleinen Ausschnitt des Himmels im Sternbild ‘Chemischer Ofen’ zeigt. Wrde Hubbble den gesamten Himmel in dieser Auflsung
kartographieren, mssten wir uns dafr gut eine Million Jahre gedulden. Die Auswertung der Aufnahme zeigte, dass die durchschnittliche
Galaxiengre mit zunehmender Rotverschiebung abzunehmen scheint und dass die Sternentstehungsrate im jugendlichen Universum (800 Millionen
Jahre nach dem Urknall) deutlich hher war als heute.
Es folgte das ‘Hubble Extreme Field’ aus dem Jahr 2012, das in 2000 Einzelbelichtungen den Blick in weitere Tiefen ergnzte.

Und wenn man nun nach grndlichem Durchzhlen auf (in der Grenordnung) 265.000 Galaxien gekommen ist, dann
ist das schon einen sonnigen Applaus wert – ist es doch auch der Wert, den offizielle Beschreibungen des Bildes angeben.
Aber… ganz sicher, dass Sie die ovale Galaxie oben links nicht vielleicht doch doppelt gezhlt haben…?
13.05.2019



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Von Veritatis

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