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18. August 2019

Gewaltsame Proteste im Ural: Putin greift in Kirchenstreit ein




Jekaterinburg kommt nicht zur Ruhe: Hunderte Menschen protestieren seit Tagen in der Ural-Metropole gegen den Wiederaufbau einer in der Stalin-Zeit gesprengten Kathedrale. Es gibt bereits fast ein Hundert Festnahmen und einige Verletzte. Erst nachdem sich Staatschef Wladimir Putin persönlich eingemischt hat, setzen die Behörden das umstrittene Projekt aus.

Die Stadtleitung will in einem Park im Zentrum die St. Katharina-Kirche wiederaufbauen, die von den Bolschewiken im Frühjahr 1930 zerstört worden war. Die neue Kirche soll 2023 anlässlich des 300. Geburtstages der Stadt fertig sein. Weil dabei eine der wenigen Grünflächen in der Industrie-Metropole verschwinden muss, protestieren seit Montag Hunderte Bewohner gegen das Vorhaben. Seit Montag belagern sie den Park und geraten mit Sicherheitskräften und Gläubigen aneinander. 

Das Gotteshaus soll eigentlich einige Hundert Meter entfernt von dem Ort wiederaufgebaut werden, an dem es ursprünglich gestanden hatte: Die Baustelle war bereits 2016 nach Protesten der Öffentlichkeit in den Park am Dramen-Theater verlegt worden.

Hundert Festnahmen

Am Montag durchbrachen Hunderte Demonstranten den Zaun und besetzten die künftige Baustelle. Schon in der Nacht kam es zu Handgreiflichkeiten mit Kirchenanhängern. Letzteren gelang es, die Demonstranten von der Baustelle zu verdrängen. Eine Korrespondentin der Regionalzeitung „Ura“ berichtete, dass Unbekannte Tränengas eingesetzt hätten. Weiteren Berichten zufolge mussten drei Menschen ins Krankenhaus.

Am Dienstag und Mittwoch gab es erneut Proteste. Die Polizei berichtete von 98 Festnahmen. Gegen 26 der Festgenommenen erließ ein Gericht Haftbefehle.

Kreml spricht von Provokateuren

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verteidigte den Polizeieinsatz. Nach seiner Einschätzung gab es während der Proteste Provokationen, die Reaktion der Sicherheitskräfte sei deshalb begründet gewesen. Die Behörden hätten korrekt gehandelt, sagte Peskow. Zugleich sprach er sich für Gespräche der Behörden mit den Bewohnern und dem Bauherrn aus.

In den sozialen Medien machten unterdessen Gerüchte die Runde, dass die Nationalgarde Verstärkungstruppen nach Jekaterinburg verlege, um die Kundgebung gewaltsam aufzulösen. Der Pressesprecher der Nationalgarde, Valeri Gribakin, tat diese Informationen als „Fakes“ ab.

Bürgermeister stoppt den Bau – nach Eingreifen Putins

Am Donnerstag kamen wieder Demonstranten in den Park am Dramen-Theater und forderten erneut, einen anderen Ort für die Baustelle zu finden. Die Behörden und die Kirche teilten mit, sie sähen keine rechtlichen Gründe, warum das Projekt gestoppt werden müsste.

Am Nachmittag nahm Staatspräsident Wladimir Putin erstmals zu dem Konflikt Stellung. Das Tauziehen müsse beendet werden, das Problem müsse „im Interesse aller“ gelöst werden, sagte der Kremlchef während eines Medienforums in der Schwarzmeerstadt Sotschi.

„Die Stadtverwaltung und die regionalen Behörden müssen eine Lösung finden, die für die Bewohner optimal ist“, forderte der Präsident. „Die Meinung der Bewohner muss unbedingt berücksichtigt werden.“ Der beste Weg wäre ihm zufolge eine Volksbefragung.

Kaum eine halbe Stunde später kündigte die Stadtverwaltung von Jekaterinburg an, umgehend eine Volksbefragung zu organisieren. „Die Befragung beginnt morgen“, sagte die Sprecherin der Stadtverwaltung, Jekaterina Kusemki, im Sputnik-Gespräch. 

Bürgermeister Alexander Wyssokinski kam am Donnerstagabend persönlich in den Park am Dramen-Theater. Nach einem Gespräch mit den Gegnern des Projekts ließ er die Bauarbeiten aussetzen.

„Die Bautätigkeit wurde bereits gestoppt. Wir werden auf das Ergebnis des Referendums warten.“





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