Querbeet

Knstlerische Darstellung von Sternstrmen, welche die Milchstrae umgeben – einer davon, GD-1, weist einen ‘Stromausfall’ auf, der die Astronomen elektrisiert (NASA).

Der Sternstrom GD-1 zeigt in seiner kreisfrmigen Gleichfrmigkeit eine auffllige Abweichung, die durch den Durchflug eines sehr schweren, ausgedehnten Objekts vor rund einer Milliarde Jahren zustande gekommen sein knnte.

Eben noch blhten die Blmchen in ordentlicher Reihe im Beet – dann kam Nachbars Bello mit dem Ball und hinterlie ganz ungestm eine Lcke im Lavendel. Was schnell zu Zank am Zaun fhrt, sorgt auch in der Astronomie fr Spannung – allerdings
der guten Sorte. So sucht ein Team von Astronomen nach dem ‘kosmischen Hund’, der eine Lcke in den Sternstrom GD-1 der Milchstrae gerissen hat.
Sternstrme sind Gruppierungen von Sternen, die eine Galaxie auf einer schmalen, definierten Bahn mit hnlicher Geschwindigkeit
umkreisen. Sie entstehen zumeist aus Kugelsternhaufen oder Zwerggalaxien, die durch die Gezeitenkrfte zerrissen wurden und deren
Sterne und Gasvorrte auf ihrer Bewegungsbahn verteilt wurden. Bekannte Strme im Milchstraensystem sind etwa der Magellan-Strom,
bestehend aus rund 200 Millionen Sonnenmassen Wasserstoffgas, der mehrfach gewickelte Helmi-Strom aus alten Sternen oder der
Monoceros-Ring aus Sternen mittleren Alters.

Der Sternstrom GD-1, der mittels ESAs Gaia-Observatorium vermessen wurde, zeigt neben seiner ordentlichen Bahnstruktur eben jene
Lcke mit herausgeschleuderten Sternen drumherum, die durch den Durchflug eines extem massereichen Objektes zustandegekommen
sein msste. Theoretische Simulationen zeigten, dass es sich um ein gut 5 Millionen Sonnenmassen
schweres Objekt gehandelt haben knnte, das vor einer Milliarde Jahren mit 800.000 km/h durch das Weltall jagte.
Auf der Suche nach diesem groen kosmischen ‘Hund’ fhrte die Suche nach gngigen Objekten aus normaler Materie, etwa
einem Schwarzen Loch, zu keinem Ergebnis. Eine andere Mglichkeit wre eine Zusammenballung aus Dunkler Materie, deren Eigenschaften
bis heute aber noch kaum verstanden sind. Aus dem Effekt, den jener ‘Ball’ aus der mysterisen Materie auf den Sternstrom hatte, wre es dann aber
indirekt mglich, auf die Charakteristika der Dunklen Materie selbst zu schlieen: demnach wrden sich ihre Komponenten mit nicht-relativistischer
Geschwindigkeit bewegen, htten eine Masse und wren in der Lage, sich zu gewaltigen ‘Klumpen’ zusammenzuballen.

Die Verteilung der herausgeschleuderten Sterne, Ihre Position und Geschwindigkeit, knnte es durch Berechnungen mglich machen, den
jetzigen Ort des Verursachers ausfindig zu machen – so wie die Verteilung der Blumenstngel Auskunft darber gibt, ob die
ausgewachsene Dogge oder der Chihuahua-Welpe durch’s Beet gejagt ist – und auch wo er jetzt sein knnte…
Die Hypothese des Dunklen-Materie-Balls kommt allerdings auch mit einigen Annahmen, die eine endgltige Erklrung erschweren.
Daher soll in Gaias umfangreichen Datensatz (der zweite Katalog Gaia DR2 vom 25. April 2018 enthlt knapp 1,7 Milliarden Objekte und
ist der Allgemeinheit frei zugnglich) nach hnlichen Phnomenen gesucht werden, die zu einer Erklrung beitragen knnten. Ein nchster
Kandidat ist der Sternstrom ‘Jhelum’, der wie GD-1 eine auffllige Struktur aufweist, deren Ursache ebenfalls noch ungeklrt ist.
17.06.2019



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Von Veritatis

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