Kalte Planeten-Bagel

Dnn und dunkel wie Kohle: was bei einem Hefeteigkringel wenig absatzfrdernd wre, ist fr jene, die das Ringsystem des Uranus untersuchen, ein astronomischer Leckerbissen (mode_list/Adobe Stock, NASA).

Mit Hilfe zweier Teleskope, dem Atacama Large Millimeter Array (ALMA) und dem Very Large Telescope (VLT), ist es Astronmen erstmalig gelungen, die Temperatur der Uranus-Ringe direkt zu bestimmen. Frhere Aufnahmen der Ringstruktur nutzten ausschlielich reflektiertes Licht und warfen Fragen zu
Entstehungsweg und Zusammensetzung auf.

Die 1970er waren ein gute Zeit fr Ringe – sowohl aus Teig als auch aus Staub. Die einen seit dem 17. Jahrhundert aus jdischen Quellen in Krakau bekannt, dann von osteuropischen Einwanderern in die USA mitgebracht und seit den 70ern beliebt gemacht: Bagel, am besten noch warm. ber die anderesn stolperten drei
US-amerikanische Astronomen eher zufllig, als sie eine Sternbedeckung beobachten wollten, fr die der vorbeiziehende Uranus verantwortlich war. Dabei stellte
sich heraus, dass der Stern nicht nur einmal, sondern mehrfach ganz kurz verschwand. Sie schlossen auf ein Ringsystem, dem Saturn hnlich. Aufnahmen von
Voyager 2 besttigten in mehreren Aufnamen die Vermutung, als die Sonde 1986 den ueren Planeten passierte. Die Uranus-Ringe sind aus feinen Teilchen und
groen Brocken aufgebaut, wobei im Vergleich zu den Saturn-Bageln weniger, aber grere Bestandteile vorliegen. Auffllig ist, dass die Ringe des Uranus
schmal und scharf begrenzt sind, durch groe Leerrume voneinander getrennt – und manchmal ziemlich ‘schief’ sind: nicht alle sind demnach kreisfrmig oder
liegen in der quatorebene des Planeten.

Mit zusammengefhrten Aufnahmen der beiden Teleskope ALMA und VLT, beide in der chilenischen Atacama-Wste gelegen, konnte nun erstmal die Temperatur der
Uranus-Ringe bestimmt werden: tiefgekhlte 77 Kelvin oder -196 Celsius. Die Datenstze zeigten auch, dass der hellste und dichteste Ring, der sogenannte Epsilon-Ring,
eine ‘Special Edition’ im Sonnensystem ist. Whrend in den Saturnringen alle Grenklassen vertreten sind, vom Mikrometer-Staub bis hin zu ber zehn Meter
groen Brocken, fehlen im Epsilon-Ring die Staubteilchen. Unter ‘Golfball-Gre’ scheint es hier nichts zu geben. Dabei ist es noch ungeklrt, ob die
kleinsten Teile durch einen noch unbekannten Mechanismus ausgesiebt wurden, oder ob sie sich mglicherweise zu den beobachteten greren Objekten
zusammengefunden haben. Wre der Ringe ein Gebck wrde also das Mehl fehlen, dafr gbe es aber massenhaft Rosinen – nicht fr jeden ein Leckerbissen…

Neben der geringen Ausdehnung und scharfen Abgrenzung der Uranus-Ringe ist auch ihre sehr niedrige Albedo (Rckstrahlvermgen) auffllig – sie erscheinen extrem dunkel,
hnlich wie Kohle -auch das unterscheidet sie von jenen des Saturn. Mit Hilfe der neuen Datenstze soll nun untersucht werden, auf welchen Wegen die Ringe entstanden sein knnten
und ob sie alle einen hnlichen Ursprung haben (heute geht man von 13 separaten Ringen aus). Als Mglichkeiten kommen Einfnge von Asteroiden in Frage, die durch die Schwerkraft des Planeten
eingefangen wurden, berreste von Monden, die kollidiert sind oder aber Material, das aus den Entstehungszeiten des Sonnensystems brig geblieben ist.
24.06.2019



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Von Veritatis

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