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16. Oktober 2019

Sargnagel für die Nato: Warum die USA russische S-400 für die Türkei fürchten




Sanktionsdrohungen, ein mögliches Scheitern der F-35-Kampfjet-Lieferungen und das Versprechen, der Türkei möglichst viele Steine in den Weg zu legen: Die USA setzen alles daran, Ankara vom Kauf russischer S-400-Flugabwehrsysteme abzubringen. Allerdings wird der russisch-türkische Rüstungsdeal bereits schrittweise umgesetzt.

Die ersten S-400-Abwehrraketen soll der Besteller bereits in dieser Woche bekommen. Warum den USA der Raketen-Deal zwischen Ankara und Moskau ein Dorn im Auge ist – das lesen Sie in diesem Artikel.

Vier Divisionen

Die Lieferung der Flugabwehrsysteme S-400 Triumph wurde von Russland und der Türkei bereits im Sommer 2017 vereinbart. Im Dezember 2018 wurden weitere Details bekannt: Die Türkei kauft vier Divisionen der S-400-Komplexe im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte dieser Mittel wird Moskau als Kredit gewähren. Das sorgte für großes Aufsehen in den Medien – ein Nato-Land beschafft sich erstmals russische Flugabwehrsysteme.

Die Reaktion Washingtons folgte prompt. Einer der Gründe des amerikanischen Unmuts ist, dass Ankara russische statt amerikanische Komplexe bevorzugt. Der US-Kongress wollte Ankara unter Druck setzen und erklärte, dass in diesem Fall die Lieferungen der Kampfjets der 5. Generation F-35 eingestellt würden. Im US-Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 ist bereits das Verbot für die Übergabe dieser Flugzeuge enthalten.

Zudem versuchten die US-Medien Moskau damit einzuschüchtern, dass Ankara dem Pentagon angeblich die Analyse der S-400-Systeme vorschlug. Das türkische Außenministerium wies diese Berichte zurück und sicherte zu, dass amerikanischen Offiziellen kein Zugang zu den russischen Flugabwehrsystemen gewährt werde.

„Die Amerikaner können auch dabei unaufrichtig sein“, sagte der russische Militärflieger Wladimir Popow. Das Interesse an S-300- und S-400-Systemen sei in der ganzen Welt sehr hoch. Die USA würden über ein Nato-Mitglied gerne diese Flugabwehrsysteme bekommen, sie detailliert analysieren. Dennoch unterscheide sich die Exportversion stark von den Systemen in der russischen Armee.

Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hob früher hervor, dass der Raketendeal die Nichtverbreitung bestimmter Informationen durch Ankara vorsieht; Moskau vertraue den türkischen Partnern.

Den Himmel sperren

Zudem ist die Nato der Ansicht, dass der gleichzeitige Einsatz von S-400-Systemen und F-35-Kampfjets eine Analyse der Möglichkeiten des Flugzeugs ermöglichen werde. Washington ist eindeutig dagegen.

Laut dem Militärexperten Sergej Sudakow sind die Besorgnisse der Amerikaner gerade damit verbunden, dass die Türkei auf der einen Seite als Nato-Mitglied F-35-Kampfjets kauft und auf der anderen Seite die S-400-Systeme bekommt, die für den Kampf gegen diese Flugzeuge bestimmt sind.

„Die USA positionieren den F-35-Kampfjet als einen der vollkommensten Waffentypen, der die Flugabwehrsysteme S-300 und S-400 vernichten kann“, so Sudakow. Allerdings seien keine Beweise dafür vorhanden. Die Amerikaner befürchteten, dass die Türkei dank den russischen Komplexen ein einzigartiges System schaffen könne, das die Innovationen der F-35 überbieten würde. Ergo: Im Falle eines hypothetischen Konfliktes zwischen der Türkei und der Nato würden die US-Flugzeuge ihre Effizienz verlieren.

Laut dem Experten ist die Türkei zwar seit 1953Nato-Mitglied, das Land habe sich aber bislang nicht in die westliche Welt integriert.

„Das ist ein großer Staat mit imperialen Ambitionen, der sich ziemlich aggressiv verhalten kann, wenn er in die Enge getrieben wird“, sagte Sudakow. „Erdogan machte alles, um Garantien für die Sicherheit zu bekommen. Mit dem Erwerb der russischen S-400-Systeme konzipiert er eine nationale Sicherheitsstrategie für weitere Jahrzehnte. Washington versteht sehr gut, dass es unmöglich ist, ein Land unter Druck zu setzen, das solche Flugabwehrsysteme bekommt. Denn die Strategie der Amerikaner ist sehr einfach – wenn keine Vereinbarung erreicht wurde, wird Stärke eingesetzt“, so der Experte.

Der Abschreckungsfaktor

Die Vorbereitung auf die Lieferung der S-400-Systeme an die Türkei erfolgt planmäßig. Präsident Recep Tayyip Erdogan beauftragte das Verteidigungsministerium und den Generalstab, die Stationierungsorte für die Abwehrsysteme auszuwählen.

Der Vizepräsident der türkischen Gruppe bei der Parlamentarischen Versammlung der Nato, Ahmet Berat Conkar, schloss im Interview für die Zeitung „Iswestija“ nicht aus, dass die Systeme an der Grenze zu Syrien stationiert werden.

„Wir sind von reinen Brandherden umgeben: Irak, Iran, Syrien, Zypern – unsere ganze Region ist ein Pulverfass. Die größte Bedrohung geht vom östlichen Mittelmeergebiet aus, wo sich Nordzypern und Syrien befinden. Deswegen werden wir in erster Linie überlegen, wie man unsere südlichen und östlichen Grenzen sichern kann“, so Conkar.

Der nächste große Käufer der S-400-Systeme ist Indien. Wie es beim Föderalen Dienst für militärtechnische Kooperation heißt, rechnet Russland mit einer Vorauszahlung für die S-400-Systeme von Indien bis zum Jahresende. Die Lieferungen könnten 2020 aufgenommen und zum Jahr 2025 abgeschlossen werden.

„Das heißt, dass die ganze geopolitische Karte umgestaltet wird“, so Sudakow. „Es ändert sich grundlegend die Strategie der Kriegsführung selbst, es wird das Konzept der so genannten Ausschließlichkeit der USA revidiert. Die Türkei trat als Katalysator dieses Prozesses auf.“

Einer der auffallendsten Beweise für den starken Abschreckungsfaktor und effektiven Einsatz der russischen Flugabwehrsysteme im Ausland ist die Stationierung der Flugabwehrsysteme in Syrien. Die syrische Armee bekam nach dem Vorfall mit dem Aufklärungsflugzeug Il-20 im September des vergangenen Jahres gleich mehrere Systeme der vorherigen Generation. Die Intensität der Flüge der Koalitionskräfte mit den USA an der Spitze über Syrien ist anschließend stark gesunken. Das betrifft auch israelische Flugzeuge, die zuvor ungestraft über Syrien flogen.

Ein weiterer potentieller Käufer der russischen Flugabwehrsysteme ist der Iran. Bislang wurde kein Antrag eingereicht, allerdings hob der russische Föderale Dienst für militärtechnische Kooperation hervor, dass Moskau zu Verhandlungen über die Triumph-Systeme bereit sei. Der erste ausländische Käufer der S-400-Systeme war China, das bereits seit mehreren Jahren die russischen Flugabwehrsysteme erfolgreich nutzt.





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