Die türkische Offensive gegen kurdische Verbände in Syrien hat auf der internationalen Bühne für scharfe Kritik gesorgt. Nach wenigen Tagen werden nun schwere Vorwürfe laut. Pro-türkische Gruppierungen sollen für Hinrichtungen an Kurden verantwortlich sein. Daran könnte auch ein Asylbewerber aus Deutschland beteiligt gewesen sein.

Die türkische Offensive in Syrien, die nun vorläufig nach einem türkisch-amerikanischen Deal pausiert, wird nicht nur von den regulären Streitkräften Ankaras durchgeführt, sondern auch von pro-türkischen Rebellen begleitet.

Einige dieser Rebellen-Gruppierungen sollen für schwere Kriegsverbrechen verantwortlich sein. So kursieren im Netz mittlerweile Fotos und Videos, die unter Anderem brutale Hinrichtungen an Kurden, darunter auch an einer kurdischen Politikerin und Menschenrechtsaktivistin, zeigen.

Eine brisante Recherche des niederländischen Journalisten Harald Doornbos liefert nun Hinweise darauf, dass in einer dieser Gruppierungen auch ein Asylbewerber aus Deutschland aktiv ist und anscheinend an Kriegsverbrechen beteiligt war.

​Konkret geht es um Alhareth R., der als Mitglied der Miliz Ahrar al-Sharqiyeh bei Hinrichtungen von mindestens neun kurdischen Gefangenen dabei gewesen sein soll.

Das Leben als Flüchtling in Deutschland

Doornbos fand in seiner Recherche Hinweise darauf, dass Alhareth R. im Jahr 2015 als Flüchtling über Griechenland und Ungarn in die Bundesrepublik eingereist sei.

Als Asylbewerber soll er dann über die Zentrale Erstaufnahmestelle Halberstadt im Kloster Helfta in Eisleben Sachsen-Anhalt Zuflucht gefunden haben.

Screenshot

Gästehaus beim Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben auf dem Foto aus Instagram von Alhareth R.

Bestätigung für diese Hinweise lieferten unter Anderem Alhareths Accounts in sozialen Netzwerken, wo er zahlreiche Fotos und Videos postete, darunter in Helfta, auf dem Marktplatz und dem Weihnachtsmarkt in Halle und auch in dem besagten Kloster.

Trotz dieser scheinbar gelungenen Integration soll er Mitte 2016 aus Deutschland wieder ausgereist und in die Türkei gegangen sei, von wo er sich schließlich nach Syrien abgesetzt und der Miliz Ahrar al-Sharqiyeh angeschlossen haben soll.

Screenshot

Alhareth R. während seines Aufenthalts in Deutschland (Screenshot aus Instagram)

Die radikal-islamische Gruppe ist Teil der Syrischen Nationalarmee (SNA), einem Bündnis von Rebellengruppen, das als pro-türkisch gilt.

Keine „Zufallsreise“ – bereits bestens vernetzt

Dass sich Alhareth R. so schnell in Syrien einer bewaffneten Gruppierung anschließen konnte, liegt womöglich daran, dass es dort bereits bestens vernetzt war.

Screenshot

Alhareth R. unter Rebellen in Syrien im Januar 2018 (Screenshot aus Instagram)

Er soll nämlich schon vor seiner Einwanderung in Deutschland an der Seite dschihadistischer Gruppen gekämpft haben, darunter im Jahr 2012 in den stark umkämpften syrischen Städten Deir ez-Zor und Aleppo.

Zuständig für „Medienpräsenz“?

Während der jüngsten türkischen Offensive in Nordsyrien tauchte er jedenfalls in den Reihen der Ahrar al-Sharqiyeh auf und postete hierzu auch ein Video, in dem er in voller Kampfausrüstung und schwer bewaffnet vor Militärfahrzeugen steht.

Screenshot

Foto vom 5. Oktober 2019 (unmittelbar vor dem Beginn der jüngsten türkischen Offensive in Nordsyrien) aus dem Instagram von Alhareth R.

Laut Doornbos soll Alhareth R. unter anderem für die mediale Präsenz der radikalen Gruppierung verantwortlich gewesen sein. Dazu soll auch das Filmen der Exekutionen an Kurden gehört haben.

So sei in den verbreiteten Videos zu sehen, wie Kämpfer der Miliz aus kurzer Distanz zwei Männer erschießen, die mit verbundenen Händen auf dem Boden sitzen oder liegen. An einer anderen Stelle sei auch zu sehen, wie zivil gekleidete Menschen erschossen werden, darunter auch die kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin Hevrin Khalaf.

Ankara kommentiert Berichte über Exekutionen

Die Hinweise auf Kriegsverbrechen und Exekutionen seien derweil so eindeutig gewesen, dass auch die höchsten Stellen in der Türkei darauf reagieren mussten.

So erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass in der Tat solche Verbrechen von einigen Kämpfern dieser Gruppierungen offenbar begangen wurden.

„Es gibt jetzt in Syrien welche unter der Syrischen Nationalen Armee, die solche Fehler machen“.

Die türkische Armee werden nun „sich dieser Sache anzunehmen“ und die Verantwortlichen ermitteln, so Erdogan.





Source link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar