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13. Juli 2020

Diese Russen schon wieder? – Gesamtbetriebsrat hält Kauf der „Real“-Supermärkte für „Drama“




Seit geraumer Zeit will der Metro-Konzern seine „Real“-Supermärkte verkaufen. Nun scheint endlich ein Käufer gefunden, das Konsortium X-Bricks. Dessen maßgeblicher Eigentümer ist der russische Oligarch Wladimir Jewtuschenkow. Real-Gesamtbetriebsrat und Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprechen von einem Drama.

Eigentlich ist es eine „ganz normale“ Fusion. Eigentlich. Aber wenn es um eine Fusion im Einzelhandel geht, dann ist in Deutschland nichts normal. Denn der Einzelhandel ist hierzulande, aufgrund der erdrückenden Marktmacht einer Handvoll von Konzernen, sofort ein Thema für das Bundeskartellamt. Überdies ist Deutschland mit Supermärkten und Einkaufszentren überversorgt. Gesättigter Markt nennt sich das. Deshalb war den etwa 34.000 Beschäftigten der Supermarktkette „Real“ sofort klar, dass ihre Jobs auf dem Spiel stehen, als Eigentümer „Metro“ im September 2018 verkündete, sich von seiner Tochtergesellschaft trennen zu wollen. Denn umgehend wurde in verschiedenen Medien gemutmaßt, dass ein Käufer der „Real“-Kette wahrscheinlich nur an den Immobilien interessiert sein könnte, aber nicht daran, die mehr als 270 „Real“-Märkte weiter zu betreiben, egal, ob unter dem alten oder einem neuen Namen. Außerdem sind nur rund 60 Märkte überhaupt Eigentum der Kette, der Rest sind Mietobjekte.

Zwei Bieter, ein Übernahmeversuch

Im Verlauf der Suche nach Käufern wurden zwei Namen bekannt. Zum einen ein Konsortium unter Führung der in Hamburg beheimateten REDOS-Gruppe, die sich selbst als „einer der führenden, unabhängigen Einzelhandelsimmobilienspezialisten in Deutschland“ bezeichnet, aber einer breiteren Öffentlichkeit relativ unbekannt sein dürfte. Zu diesem Konsortium gehörte auch die Gesellschaft „ECE Projektmanagement“, die sich im Besitz der Familie Otto befindet und bekannt ist für die Errichtung bzw. das Management von großen Einkaufszentren.

Der zweite Name lautet X-Bricks und trat in Verbindung mit einer Gesellschaft namens SCP auf. Diese SCP befindet sich im Eigentum des russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow und seiner Familie, die die SCP über den „Sistema“-Konzern steuern. X-Bricks kam aber lange nicht zum Zug. Zum einen, weil die Metro AG einen Geschäftsabschluss mit der REDOS-Gruppe bevorzugte. Vor allem aber, weil X-Bricks/SCP sich mit der Kaufland-Gruppe abgesprochen hatte, was als starkes Indiz dafür gewertet und später auch bestätigt wurde, dass Kaufland einen Teil der „Real“-Märkte unter eigenem Namen weiterführen wollte.

Mittendrin gab es auch noch den Versuch einer tschechischen Holdinggesellschaft, durch Übernahme der Metro das Tochterunternehmen Real zu schlucken. Die EPGC Holding gehört den beiden Großanlegern Daniel Křetínský (53%) und Patrik Tkáč (47%). EPGC steht für EP Global Commerce, und das Kürzel EP ist eine Reminiszenz an eine der ersten Unternehmensgründungen, an denen Daniel Křetínský beteiligt war, der „Energetický a průmyslový holding a.s. (EPH)“, was schlicht für Energie und Industrie steht. Die EPH ist Eigentümerin der beiden großen ostdeutschen Energieunternehmen MIBRAG und LEAG. Letztere ist Deutschlands zweitgrößte Stromerzeugerin und gehörte früher dem schwedischen Staatskonzern Vattenfall. Die EPGC unternahm wie erwähnt 2019 den Versuch einer Komplettübernahme der Metro AG, scheiterte aber an Alteigentümerfamilien, die nicht bereit waren, ihre Anteile an die EPGC zu veräußern.

Kehrtwende und neues Tempo der Metro AG bestürzt Gesamtbetriebsrat

Als die Metro AG dann im Dezember 2019 bekanntgab, dass die Verhandlungen mit der REDOS-Gruppe ergebnislos beendet wurden, rückte X-Bricks/SCP plötzlich wieder in den Vordergrund. Und damit natürlich auch umgehend die Verbindung zu Wladimir Jewtuschenkow. Bislang hat es noch niemand so direkt geschrieben, aber unterschwellig war immer eine besondere und eine besonders schnell wachsende Sorge zu spüren, als die Metro AG keinen Zweifel mehr daran ließ, dass sie Ende Januar die „Real“-Märkte an das X-Bricks-Konsortium verkaufen möchte, ganz so, als wäre das X-Bricks/SCP-Konsortium kein gleichwertiger Bieter wie etwa die REDOS-Gruppe.

Nun sind die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Gesamtbetriebsrat der „Real“-Märkte noch einmal in eine Medienoffensive gegangen. In einem dramatisch klingenden Interview mit der „Süddeutschen Zeitung (SZ)“ malt „Real“-Gesamtbetriebsrat Werner Klockhaus die bevorstehende Übernahme in den denkbar dunkelsten Farben und Worten: „Es wird ein Drama.“ Denn Klockhaus sieht beinahe jede dritte Stelle gefährdet, „der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10 000 Arbeitslosen“. Das ergebe sich zum einen aus der Schließung bisheriger Filialen beziehungsweise aus der Schließung von Abteilungen in jenen Filialen, die an andere Supermarkt-Ketten wie Kaufland oder andere weiterveräußert würden. Oben drauf kommt noch eine Entlassungswelle bei den Mitarbeitern der „Real“-Zentralverwaltung in Düsseldorf.

Gesamtbetriebsrat Werner Klockhaus, der als Arbeitnehmervertreter auch im Aufsichtsrat der Noch-Real-Mutter „Metro AG“ sitzt, erhebt in der SZ schwere Vorwürfe an die Adresse der Bundesregierung, was wohl den eigentlichen Plan hinter dem Interview offenbaren dürfte. Klockhaus will politischen Druck aufbauen:

„Ich glaube, dass die Politik die Situation des Verkaufs von ‚Real‘ komplett unterschätzt. Es gab viele Gespräche mit Politikern aus allen Ebenen, unter anderem auch mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, die uns leider bis jetzt nicht weitergeholfen haben.“

Gleiches gelte für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, von dem Klockhaus gar nichts gehört habe. Und das, obwohl nach Ansicht des Gesamtbetriebsrates das bevorstehende Geschäft „erhebliche Auswirkungen“ auf die ohnehin schon bedenkliche Konzentration im Einzelhandel nach sich ziehen werde.

Und Klockhaus bitteres Fazit lautet: „Letztendlich sind wir, die Beschäftigten von ‚Real‘, von der Politik enttäuscht.” Denn Klockhaus wirft der Bundesregierung de facto vor, die Beschäftigten von „Real“ zu opfern, weil nicht erneut ein Übernahmemarathon wie seinerzeit beim Verkauf von „Kaiser’s Tengelmann“ provoziert werden solle. Doch die nackten Geschäftszahlen der „Real“-Kette sind kein überzeugendes Argument für etwaige Feuerwehraktionen der Bundesregierung, wie auch immer die überhaupt aussehen sollten. „Real“ erwirtschaftet aus Sicht des Mutterkonzerns Metro einfach nicht genug Gewinn. Bei zuletzt rund 9 Milliarden Euro Umsatz bilanzierte Metro nur 57 Millionen Euro Nettogewinn. Wie eine Bundesregierung an diesen Basisdaten etwas ändern soll, erscheint rätselhaft.





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