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29. Mai 2020

So stürzt man eine Rentenreform



In Deutschlands Medien ist es aktuell sehr ruhig geworden in Bezug auf die Proteste in Frankreich. Dabei haben die Franzosen erst jüngst gegen die Rentenreform protestiert – und einen immensen Erfolg errungen. Am 11. Januar hat der Premierminister unseres Nachbarlandes, Édouard Philippe in der Öffentlichkeit bekanntgegeben, er werde die Regelung um das Renteneintrittsalter aus dem Reformpaket streichen lassen (vorerst). Allerdings bleiben die Wunden tief. Schließlich hatten die Streikenden den Verkehr in Paris quasi lahmgelegt. Chaotische Zustände in den Straßen von Paris und bestreikte Bahnstrecken waren der offensichtliche Teil des Protests, der bei uns undenkbar scheint.

Wir arbeiten länger und verdienen am Ende weniger

Dabei hätte auch Deutschland – aus Sicht der Betroffenen -mutmaßlich allen Grund zum Streik. Die Hürden zum Renteneintritt sind höher und die ausgezahlte Rente am Ende ist im Durchschnitt noch niedriger als in Frankreich. Das wiederum dürfte sich sogar noch verschärfen. Denn Jahr für Jahr erhöht sich der Anteil der Rentner, die einen Anteil an ihren Renteneinkünften versteuern müssen.

Wie es ginge, zeigte sich indes in Frankreich:

„Die Franzosen streiken und streiken weiterhin. Die deutschen Medien berichten kaum. Wichtiger sind offenbar Nachrichten über Vorgänge bei uns im Land, die keine Relevanz haben. In Frankreich aber sind „tausende auf den Straßen“, räumte nun tatsächlich sogar die „Tagesschau“ ein. Die Streiks bezogen sich unter anderem auf Züge und also Zugverbindungen. Die Stadt Paris jammert schon, insofern Reisende die französische Hauptstadt umgehen.

Rentenreform Auslöser

Auslöser der jüngsten Streikwelle ist weiterhin die Rentenreform von Macron. Die Reform steht im Verdacht, die Reicheren zu begünstigen, während die ohnehin schon Ärmeren weiter leiden würden. Der Streik dauert nun bereits gut 20 Tage an und hat bereits nachhaltige „Schäden“ erzeugt, wie wir bereits berichtet haben.

„(…)Bereits an Heiligabend waren Zehntausende, die ihre Familien an Weihnachten besuchen wollten, in Paris gestrandet. Am ersten Weihnachtsfeiertag gingen in der Hauptstadt viele Einheimische und Touristen bei sonnigem Wetter zu Fuß oder versuchten, einen Bus zu ergattern. Mietwagenanbieter und Taxis waren mit der großen Nachfrage vollkommen überfordert.

Die Streiks, die nun schon seit dem 7. Dezember das Land lahmlegen, richten sich gegen die Rentenreformpläne Macrons. Besonders umstritten ist die Anhebung des Renteneintrittsalters von 62 auf 64 sowie die Rentenkürzungen. Mit den Maßnahmen, die zu Lasten der Rentner gehen, will Macron das Milliardendefizit in den Rentenkassen abbauen. Die Regierung bot Übergangsfristen an, für die Gewerkschaften kommt das „Angebot“ jedoch nicht in Frage. Aus Protest gegen die Reformpläne waren vor der Pariser Oper 40 Tänzer aufgetreten und hatten vor Passanten Ballettszenen aus „Schwanensee“ aufgeführt. Dazu hielten die Tänzer Banner mit der Aufschrift „Kultur in Gefahr“ hoch.

Die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Regierung waren vergangene Woche gescheitert. Sie sollen am 7. Januar fortgesetzt werden. Die Gewerkschaften haben angekündigt, so lange zu streiken, bis eine Einigung erzielt worden ist. Auch wenn der Streik zu riesigen Umsatzeinbußen, etwa bei der französischen Bahn SNCF geführt hat, ist man entschlossen, für das Ziel weiter zu streiken. Die SNCF soll bislang eine Umsatzeinbuße von 400 Millionen Euro haben. Am Vorweihnachtswochenende hat die Bahn sonst bis zu 800.000 Fahrgäste befördert – nicht so dieses Jahr. Auch bei Tourismus und Einzelhandel machen sich die Streiks bemerkbar und den Streikenden selbst geht langsam das Geld aus. Doch sie wollen weitermachen, denn sie „seien nun zu weit gekommen, um jetzt aufzuhören.“ Hier erfahren Sie die gesamten Hintergründe dieses großen Streiks – und wie es mit der EU dann weitergeht…

 

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