Laut dem Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Oliver Hermes, ist der Brexit eine Chance für östliche EU-Länder, die mit Deutschland bereits enorme Geschäfte machen.

Es ist so weit. Nachdem das Europaparlament am Mittwoch den Brexit-Vertrag ratifiziert hatte, tritt Grossbritannien am heutigen Freitag formell aus der EU aus. Dies bedauert der Chef des Ost-Ausschusses – eines Osteuropavereins  der deutschen Wirtschaft – in einer Pressemitteilung, die Sputnik vorliegt. Zugleich sieht er darin eine Chance für „unsere östlichen Partnerländer“.

„Klar ist: Ohne die Briten verschieben sich die Gewichte innerhalb der EU weiter nach Osten und Südosten. Europa wird eine neue Balance benötigen. Dies kann eine Chance für unsere östlichen Partnerländer sein, mehr Verantwortung für dieses gemeinsame Europa zu übernehmen. Und es wird auch den deutschen Wirtschaftsbeziehungen mit dieser Region eine noch größere Bedeutung geben“, so Hermes.

Es ist aus seiner Sicht auch symbolisch, dass „Polen im vergangenen Jahr Großbritannien überholt hat und bereits auf Platz sechs unserer weltweiten Handelspartner vorgerückt ist.“

Allein mit den vier Visegrad-Staaten Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei generiere Deutschland inzwischen einen Außenhandel in Höhe von rund 300 Milliarden Euro, so Hermes weiter. „Da können weder die USA noch China mithalten.“

Jedoch war China alleine 2018 mit einer Außenhandelsbilanz in Höhe von rund 200 Milliarden Euro zum dritten Mal Deutschlands wichtigster Handelspartner.

Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft fördert die deutsche Wirtschaft in 29 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas, des Südkaukasus und Zentralasiens sowie koordiniert die Arbeit der rund 350 Mitgliedsunternehmen und -verbänden. Mit rund einem Fünftel des gesamten deutschen Außenhandels ist der deutsche Osthandel insgesamt bedeutender, als der Handel mit den USA und China zusammen. Der Verein plädiert dabei immer wieder für einen Neustart der Beziehungen zu Russland sowie für den Abbau der Russland-Sanktionen. Im Vorfeld des Normandie-Treffens im Dezember hatte Hermes den Staats- und Regierungschefs einen europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt für die Ostukraine vorgeschlagen.

Deutscher Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich verliert an Bedeutung

Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag das Vereinigte Königreich im Zeitraum Januar bis Juli 2019 mit einem Außenhandelsumsatz (Exporte und Importe) von 68,5 Milliarden Euro auf Rang sieben der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Im Jahr 2015 – dem Jahr vor dem Brexit-Referendum – erreichte das Vereinigte Königreich noch Rang fünf. Damit setzt sich der Trend eines rückläufigen deutschen Warenhandels mit dem Vereinigten Königreich seit dem Brexit-Referendum fort.

lk/gs

 





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Von Veritatis

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