Sputnik erweitert Horizonte – im dritten Teil des Projekts „Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationen – ein gemeinsames Ziel“ wird die Reihe der Unternehmen durch österreichische und schweizerische Firmen erweitert, die in Russland tätig sind. Heute ist das internationale, integrierte Öl- und Gasunternehmen OMV im Fokus.

Mit dem Senior-Vizepräsidenten von OMV Russland, Thomas Morris, haben wir über seinen ersten Tag in Sankt Petersburg und Russland der 90er Jahre, Entwicklungsaussichten der Öl- und Gasindustrie, die Kooperation von Gazprom und OMV sowie kulturelle Unterschiede zwischen Russland und Österreich gesprochen.


©
Sputnik .

Sputnik-Interview mit dem Senior-Vizepräsidenten von OMV Russland Thomas Morris

– Herr Morris, OMV ist ein internationales, integriertes Öl- und Gasunternehmen mit Sitz in Wien. Im Upstream ist Russland eine Ihrer Kernregionen. Wie können Russland und Österreich Ihrer Meinung nach von der Kooperation im Bereich der Öl- oder Gasförderung gemeinsam profitieren?

– Einer der größten beiderseitigen Vorteile ist die russische Gasversorgung in Europa, die seit vielen, vielen Jahrzehnten stabil, sicher und kostengünstig ist. Es gibt eine starke Verbindung zwischen Wirtschaft und Menschen in Russland und Österreich. Außerdem fungiert Österreich als Transitland, sodass das durch Österreich kommende Gas Regionen auch über Österreichs Grenzen hinaus versorgt. Im Upstream-Bereich bietet uns Russland mit Gazprom die Möglichkeit, in sehr große, strategisch sehr wichtige Felder zu investieren, die kostengünstig sind. Es ist also eine sehr gute strategische Beziehung, sowohl was die europäischen Gaslieferungen, als auch die Zusammenarbeit innerhalb Russlands betrifft.

– Die Geschichte von OMV in Russland begann bereits 1968. Was sind rückblickend die wichtigsten Ergebnisse, die OMV in Russland in dieser Zeit erzielt hat?

– An erster Stelle steht die zuverlässige Gasversorgung. Dank unserer Partnerschaft mit Gazprom sind 200 Mrd. Kubikmeter Gas zuverlässig von Russland nach Europa geströmt. Es besteht also eine gute geschäftliche Zusammenarbeit. Im Jahr 2017 haben wir gemeinsam mit Gazprom ins Feld Juschno Russkoje in Westsibirien investiert. Es ist eines der größten Felder in Russland, ein Vielfaches der Größe von Wien. Was die kulturelle Zusammenarbeit angeht, so war eine von vielen Aktivitäten ein kaiserliches Hauptstadtprojekt zwischen Wien und St. Petersburg, bei dem kaiserliche Gemälde ausgetauscht wurden. Das war eine sehr interessante und gut besuchte Ausstellung. Mit Blick auf das Kulturprojekt im Jahr 2020 werden Gazprom und OMV gemeinsam das 100. Jubiläum der Salzburger Musikfestspiele unterstützen, bei denen eine russische Oper zur Aufführung kommen wird. Wir planen auch die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit zwischen Gazprom und OMV zu verstärken.

– Welche Themen finden Sie am wichtigsten im heutigen Wirtschaftsdialog zwischen Russland und Österreich? Worin besteht der Beitrag von OMV zur Entwicklung dieses Dialogs?

– Ich denke, zwischen Russland und Österreich sind es die gleichen Themen, die wir heute weltweit haben: Das wären die Digitalisierung sowie Innovation und Erfindung, und auch die Entwicklung des Humankapitals. Das hat global sowie für Russland und Österreich, für Gazprom und OMV eine entscheidende Bedeutung. So sieht die vielfältige Zusammenarbeit aus, auf die ich mich beziehe, in akademischer, wissenschaftlicher und technischer Hinsicht. Zusammen mit Gazprom arbeiten wir an diesen Themen, derzeit geht es um effizientere Bohrtechniken und bessere Leistungen für die Umwelt, sicherere Systeme, Forschung und Entwicklung neuer Technologien usw.

– Russen und Österreicher – fallen Ihnen irgendwelche Unterschiede in der Mentalität auf? Kommen sie auch im Geschäftsfeld zum Ausdruck?

– Zwei Dinge sind hierbei wichtig. Das eine ist: Ich denke, es gibt eine Gemeinsamkeit von Russland und Österreich, was den Reichtum der Kultur und den Stolz auf die Geschichte dieser Kultur in beiden Ländern betrifft, und das ist sehr offensichtlich. In vielerlei Hinsicht kennen die Russen die Geschichte Österreichs mitunter besser als ich und haben eine enorme Neugier und ein großes Interesse. Die andere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Ländern und den beiden Völkern ist meiner Meinung nach, dass beide im geographischen Sinne von vielen, vielen Nachbarn umgeben sind. Das bedeutet, dass sie nach außen schauen. Also, sowohl Russland als auch Österreich sind sehr gute Handelsnationen, die in ihren Regionen sehr aktiv mit anderen zusammenarbeiten. Ein Unterschied wäre vielleicht die Lebendigkeit in Russland. Österreich hat eine wunderbare Ruhe und Gelassenheit, was sehr schön ist, aber Russland hat auch eine Lebendigkeit, die ich ebenfalls sehr reizvoll finde.

– Spüren Sie kulturelle Barrieren bei der Business-Kommunikation mit Ihren russischen Kollegen und Partnern?

– Ich denke, dass die Menschen, die in der Öl- und Gasbranche arbeiten, die sowohl für Gazprom als auch für OMV sehr international ist, sich in den beiden Unternehmen mit unterschiedlichen Kulturen und Geschäftsarten sehr wohl fühlen – das ist es, was man international tun muss, um erfolgreich zu sein. Also nein, ich sehe keine besonderen Barrieren. Was man braucht, ist, dass man einen sehr starken Fokus auf den Aufbau einer Vertrauensbeziehung legt, Respekt vor seinen Geschäftspartnern hat und sich hoffentlich mit der Zeit ihren Respekt verdient. Und dann hat man die Verantwortung, beim gemeinsamen Geschäftemachen seine Versprechen einzuhalten und unter allen Umständen im Rahmen des Vertrages zu arbeiten. Ich denke, darin besteht seit mehr als 50 Jahren der Erfolg der Kooperation von Gazprom und OMV: Vertrauen und Respekt haben sich aufgebaut, die Partnerschaft wird immer stärker und wir haben eine sehr zuverlässige Geschäftsbeziehung zwischen Österreich und Russland und zwischen den beiden Unternehmen.

– Hatten Sie irgendwelche Vorstellungen über das Land, bevor Sie nach Russland kamen? Haben sie sich als realitätsnah erwiesen?

– Ich habe die letzten drei Jahre in St. Petersburg gelebt. Das war ein großes Privileg. Ich kam Anfang der 1990er Jahre nach Russland, nach St. Petersburg, in den 2000er Jahren lebte ich auch in Moskau, und jetzt bin ich wieder hier. Ich kam an einem kalten, dunklen, nassen Herbsttag in St. Petersburg an und es war hart. Es war hart als Tourist, aber es war unglaublich hart für die Menschen, die damals dort lebten, während sie einen sehr schnellen wirtschaftlichen Wandel durchmachten. Es ist also unglaublich aufregend, jetzt zurückzukommen und zu sehen, wie dynamisch vieles in Russland ist, besonders in St. Petersburg und Moskau. Bezüglich der Stereotype über das Land würde ich mich daran erinnern, dass es sehr leicht ist, als Ausländer zu denken, dass die Standards in Russland nicht so hoch sind, wie in anderen Ländern – was völlig falsch ist. In vielen Bereichen, vor allem bei Öl und Gas, sind die Standards in Russland höher als international gefordert. Vor allem in Bezug auf die Projektdurchführung, also die Fähigkeit, die gesamte Ausrüstung, die man für ein Öl- und Gasprojekt benötigt, sicher und schnell zu installieren, ist Russland sehr stark.

– Russland als Geschäftspartner: Könnten Sie es mit drei Wörtern beschreiben?

– Zuverlässig, ergebnisorientiert und kooperativ.

Kamera: Sergei Elow





Source link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar