Gazprom ist nach Worten von Topmanager Rainer Seele in der Lage, die Gaspipeline Nord Stream 2 auch alleine fertig zu bauen. Er gehe jede Wette ein, dass die Russen ein Rohrlegeschiff finden würden, sagte der Chef des österreichischen Energiekonzerns OMV, der das Projekt mitfinanziert, in einem Interview der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

Für die Verlegung der Rohre in seichtem Gewässer seien keine Supertechnologien erforderlich, allerdings nur ein passendes Rohrlegeschiff, sagte Seele.

Im Dezember 2019 hatte der US-Senat Sanktionen gegen das Gasprojekt Nord Stream 2 in seinen Gesetzentwurf über den Rüstungsetat (NDAA/National Defense Authorization Act) für 2020 einbezogen. Präsident Donald Trump unterschrieb das Dokument am 20. Dezember. Bloomberg zufolge war die Sanktionsnovelle auf der Basis eines von den Senatoren Ted Kruz und Jeanne Shaheen eingebrachten Gesetzentwurfs erarbeitet worden.

US-Sanktionen gegen Pipelineprojekt

Unter Restriktionsmaßnahmen fallen die am Projekt beteiligten Rohrlegeschiffe und leitende Mitarbeiter der mit ihnen verbundenen Unternehmen. Der Senat drohte den betroffenen Personen mit Visaverweigerung und mit der Blockade von Operationen mit ihren Vermögenswerten in den USA.

Die Schweizer Firma Allseas, die mit Spezialschiffen Rohre in der Ostsee verlegt hatte, stellte ihre Arbeiten wegen der US-Sanktionen ein. Russland plant, sein 2015 gekauftes Rohrlegeschiff „Akademik Tscherski“ einzusetzen. Das Schiff wird jetzt grundlegend modernisiert, die Arbeiten dürften noch 2020 zu Ende gehen.

Russland hat eigenes Rohrlegeschiff

Die „Akademik Tscherski“ hatte vor einigen Tagen den Hafen Nachodka an der russischen Pazifikküste verlassen und wird zum 22. Februar in Singapur erwartet.

Ein Sprecher des Betreiberkonsortiums Nord Stream 2 AG hatte im Dezember gesagt, dass die beiden Stränge der Leitung jeweils nur noch um 160 Kilometer verlängert werden müssten.

Putin: “Wir bauen Gasleitung alleine fertig”

Anfang Januar äußerte Russlands Präsident Wladimir Putin die Hoffnung, dass die Gasleitung „bis Ende des laufenden Jahres oder im ersten Quartal 2021“ fertig gebaut werde. „Russland ist in der Lage, Nord Stream 2 mit eigenen Kräften zu bauen. Aber die Termine werden (wegen der US-Sanktionen) um einige Monate verschoben.“ Dabei würden keine ausländischen Partner engagiert, hatte Putin gesagt.

Gaspipeline Nord Stream 2

Die Pipeline Nord Stream 2 hat einen geschätzten Wert von umgerechnet rund 9,5 Milliarden Euro. Erdgas aus Russland soll in die EU durch zwei parallel verlaufende Stränge von mehr als 2400 Kilometer Gesamtlänge fließen – bis zu 55 Milliarden Kubikmeter jährlich. Nach Angaben von Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller wurden bislang 2100 Kilometer Rohre der beiden Stränge verlegt. Die Leitung verläuft durch das Territorialgewässer Russlands, Finnlands, Schwedens, Dänemarks und Deutschlands.

Der Anlandepunkt für Nord Stream 2 liegt am Greifswalder Bodden neben dem der ersten Nord-Stream-Leitung. Er wird mit der Gasaufnahmestation von Gascade – einer Tochter von Wintershall und Gazprom – verbunden. Deren Gesamtfläche beträgt 11,9 Hektar. Auf der Station wird russisches Gas noch einmal gefiltert, der Druck in der Röhre gesenkt, Gas angewärmt und gemessen. Anschließend kommt es über die Anbindungsleitungen NEL und EUGAL ins Gastransportsystem der Europäischen Union.

Gegner und Befürworter des Projekts

Mehrere Länder stemmen sich gegen das Projekt: Die Ukraine befürchtet schwere Einbußen nach einem möglichen Wegfall des russischen Gastransits durch ihr Territorium. Polen, Lettland und Litauen lehnen das Vorhaben als politisch motiviert ab. Und die USA wollen russisches Pipelinegas in Europa durch ihr deutlich teureres verflüssigtes Erdgas (LNG) ersetzen.

Die aktivsten Befürworter der Leitung sind Deutschland und Österreich. Beide Länder sind der Ansicht, dass das Projekt die Energiesicherheit Europas stärken wird, und weisen auf die Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant hin. Präsident Putin zufolge soll der ukrainische Gastransit auch nach dem Fertigbau dieser Pipeline bleiben.

Moskau kritisiert US-Sanktionen

Moskau hatte mehrmals erklärt, dass Nord Stream 2 ein ausschließlich kommerzielles und konkurrenzfähiges Projekt sei. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa kritisierte die gegen die Gesellschafter des wichtigen Energieprojekts verhängten Sanktionen und stufte sie als eine „neue Spirale der Russophobie“ ein.

am/mt/jeg





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Von Veritatis

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