Kometenksschen

Nicht das Ende der Welt (Ultima Thule), aber schon richtig weit weg: das transneptunische Objekt (486958)-Arrokoth ist 43,4 AE von der Sonne entfernt und hilft Astronomen, die Entstehung von Planeten besser zu verstehen (NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute/National Optical Astronomy Observatory).

Daten aus dem Vorbeiflug der NASA-Sonde ‘New Horizons’ am transneptunischen Objekt Arrokoth weisen auf eine langsame Annhrung der beiden Teile hin, die im Laufe der Zeit zu einem Einzelobjekt zusammenfanden.

Es ist aber auch nicht leicht: Astronomen knnen sich einfach nicht zwischen einer znftigen Massenschlgerei oder einem romantischen (Valentinstags-)Dinner entscheiden. Zumindest was die Planetenentstehung angeht… In einem Szenario kollabieren Teile einer ausgedehnten Gaswolke unter ihrer Eigengravitation – was klein beginnt, zieht so immer mehr Materie an und ein neues kleines Objekt wchst zu einem immer greren heran – bis ein massereiches Objekt wie ein Planet entstehen kann. Im anderen Fall treffen zwei kleine Teilchen aus Gas und Staub aufeinander; mal bleiben sie danach zusammen, mal prallen sie voneinander ab. Im Laufe der Zeit finden sich aber immer mehr Brckchen zusammen und aus vielen kleinen Mitgliedern kann im Laufe der Zeit eine groe Wohngemeinschaft in Form eines Planeten werden. Ob diese Verabredungen eher strmisch oder eher langweilig verlaufen – dazu knnen neue Daten nun Aufschluss geben.

Anfang 2006 startete die NASA-Sonde ‘New Horizons’ in Richtung Rand unseres Sonnensystems und erreichte im Juli 2015 als erste
irdische Raumsonde den Zwergplaneten Pluto. Im Vorbeiflug mit 14,5 km/s nahm die Sonde globale Karten von Pluto und Charon auf, und
verma die Temperaturverteilung, Atmosphre und Oberflchenstruktur von Pluto – und lie dabei sicher einige Herzen hher schlagen, zeigte sich doch eine helle, herzfrmige Struktur auf Plutos Oberflche. Pnktlich zum Neujahrstag, am 1.1.2019, lie ‘New Horizons’ erneut die Korken knallen und sendete Aufnahmen und Daten des Kuipergrtelobjekts ‘Ultima Thule’, das mittlerweile offiziell
von der IAU (International Astronomical Union) in 486958-Arrokoth (‘Himmel’ in der Sprache des nordamerikanisches Stammes der Powhatan) umbenannt wurde. Erste Aufnahmen schienen einen kosmischen ‘Schneemann’ zu zeigen: eine grere und eine kleine Gesteinskugel, hbsch aufeinandergestapelt und leicht rtlich schimmernd. Mit zunehmender Datenflle zeigten sich zwar Abweichungen des wohlproportionierten Schneemannes, der mittlerweile mehr als ‘schrumpelige Orange an Pfannkuchen’ beschrieben wird. Aber auf uerlichkeiten kommt es ja sowieso nicht an – und so zeigen die Daten sehr deutlich, dass sich die beiden Arrokoth-Partner sehr langsam und freundlich angenhert haben mssen: Bei Aufprall-Szenarien wrde man nmlich viel aufgewirbeltes Material erwarten – doch um das Objekt finden sich keine Staubringe, andere kleine Krper oder gar Monde. Die beiden Teile scheinen stattdessen lange und langsam umeinandergekreist zu sein, bis sie sich zu dem jetzt bekannten Doppel vereinigt haben.

Dazu passt auch dass die Oberflche von Arrokoth recht glatt ist und wenige Anzeichen auf ein permanentes Einprasseln von anderen Objekten zeigt (auch Pluto weist auffallend wenige Einschlagskrater auf). Ein Grund knnte sein, dass die Randbezirke unseres Sonnensystems weniger dicht gepackt mit Asteroiden und kleinen (Gesteins-)Brckchen sind – die Einschlagswahrscheinlichkeit ist damit erheblich geringer und zwei Teilchen, die ersteinmal zusammengefunden haben, werden nicht sofort wieder von dritten ‘gesprengt’. Eine deutlich geringere Sonnenbestrahlung sorgt weiterhin dafr, dass die Oberflche weniger ‘aktiv’ ist als man es von Objekten kennt, die nher an der Sonne liegen – Arrokoth gibt daher mit seiner Ursprnglichkeit wertvolle Hinweise darauf, wie es in unserem Sonnensystem vor rund 4,5 Milliarden Jahren zuging.
Hinzu kommt, dass die vorhandenen Objekte langsamer um die Sonne kreisen (Keplersche Gesetze). Damit scheint es sehr wahrscheinlich, dass Arrokoth kein Spezial- oder gar Einzelfall ist, sondern dass ein langsam vorbereiteter ‘Kometenkuss’ ein gngiges Entstehungsszenario fr Planeten und Kleinkrper in bestimmten Gebieten unseres Sonnensystem ist. Nach Berechnungen der Flugbahn von ‘New Horizons’ sollte die Sonde den Kuipergrtel Ende 2020 verlassen; wenn alle Komponenten weiterhin einwandfrei funktionieren, knnte aber bis weit ins Jahr 2030 mit neuen und einmaligen Daten gerechnet werden.
17.02.2020



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Von Veritatis

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