Geraubte Ikonen, zerstörte Kirchen: Krieg gegen die UdSSR und „Weiße Flecken“ deutscher Erinnerung

Geraubte Ikonen, zerstörte Kirchen: Krieg gegen die UdSSR und „Weiße Flecken“ deutscher Erinnerung



Kultur

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Der Krieg gegen die Sowjetunion wurde von deutscher Seite als Ausbeutungs- und Vernichtungskrieg geplant und geführt. Viele Einzelaspekte liegen noch immer im Dunkeln. Das ungeheure Ausmaß von Zerstörung und Verlust von Kulturgütern in der UdSSR zeigt eine Veranstaltung in Berlin: Sie thematisiert einen „Weißen Fleck“ in der deutschen Erinnerung.

Hochkarätige Spezialisten aus Russland und Deutschland diskutieren am Dienstag über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Kriegsgeschichte in beiden Ländern und die Folgen für das gegenseitige Verständnis.

Kulturgutverluste

Kaum ein Architekturdenkmal in der Sowjetunion überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden. Schlösser, Paläste, Kirchen – ausgelöscht. Die Verluste an beweglichen Kulturgütern bezifferte die sowjetische Regierung nach dem Krieg auf über eine Million Gegenstände. Manches kehrte zurück, vieles blieb verschollen. Kommt die Sprache auf Kunstverluste, wird jedoch in Deutschland reflexartig auf die eigenen Kriegsverluste verwiesen.

Politik und Propaganda

Erwartet wird der Kunstwissenschaftler und Politiker Michail Schwydkoj, der 2000-2004 Kulturminister Russlands war und seit 2008 Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit ist. Mit von der Partie ist der Historiker Wolfgang Eichwede, Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. 

Er hat zusammen mit Corinna Kuhr-Korolev vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam das Buch „Raub und Rettung. Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ herausgegeben.

Die promovierte Historikerin und Slawistin Kuhr-Korolev steht auf dem Standpunkt, dass das Thema Kunst im Krieg nicht für politische oder propagandistische Zwecke missbraucht werden dürfe:

„Es kommt regelmäßig eine Welle, wo man sich gegenseitig des Kunstraubes beschuldigt, das bringt aber niemanden weiter“, so Kuhr-Korolev.

In den Reigen der Experten reiht sich auch der russische Kunsthistoriker und ehemalige stellvertretende Kulturminister der Russischen Föderation Pawel Choroschilow ein.

Die Diskussionsveranstaltung findet um 19:00 Uhr in der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Berliner Breitscheidplatz statt.

ba/gs





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