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30. März 2020

Der positive Nebeneffekt von Covid-19



Während Medien, Politiker und manche TV-Ärzte angesichts der Corona-Krise Panik verbreiten, hat der weltweit den Menschen auferlegte Rückzug in die Wohnungen und Häuser auch einen positiven Nebeneffekt. In die bisher vom Massentourismus geplagte Stadt Venedig kehren mit der Ruhe und dem eingestellten Schiffsverkehr auch wieder Wildtiere in die Stadt und in die Kanäle zurück.

Seitdem keine Kreuzfahrtschiffe mehr die Stadt überschwemmen und die jahrhundertealten Häuser und Kanäle zerstören, haben sich auch die Wasserwege und Kanäle in der alten Lagunenstadt verändert. Die Stadt atmet regelrecht auf. Wenn man heute in die Gewässer der Kanäle blickt, bietet sich ein überraschender, ungewohnter Anblick, den die Venezianer Jahrzehnte lang nicht mehr gesehen haben dürften. Das Wasser ist wieder so klar, dass man das Sandbett sehen kann. Die Kanäle sind voller Fische, krabbelnder Krebse und immer mehr Wasservögel kommen zurück.

„Das Wasser ist blau und klar“, sagte die Besitzerin des berühmten Hotels Metropole, das nur wenige Schritte vom Markusplatz entfernt liegt und einen direkten Blick auf die Lagune von Venedig bietet. „Es ist ruhig wie ein Teich, denn es gibt keine Wellen mehr, die von motorisierten Booten verursacht werden, die Tagesausflügler transportieren. Und natürlich sind auch die riesigen Kreuzfahrtschiffe verschwunden.“

Unter den strengen Regeln der Selbstbeschränkung zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus hat sich die antike Stadt fast über Nacht verwandelt. Die Klarheit des Wassers hat sich dramatisch verbessert, Kormorane sind zurückgekehrt, um nach Fischen zu tauchen, die sie jetzt sehen können. Am Piazzale Roma Vaporetto haben sogar Enten ein Nest gebaut. „Jemand hat sogar ein Schild aufgestellt, auf dem steht: ‚Tritt nicht auf die Enteneier‘. Vor einer Weile war das noch völlig unvorstellbar“, erzählt die Hotelbesitzerin.

Auf den Märkten in Venedig, die für die Venezianer noch geöffnet sind, erinnert sich der Architekt Franco Fabris: „Als ich als Kind aufwuchs, gab es viel weniger Boote in den Kanälen und viele Kinder sprangen hinein und gingen schwimmen. Im Moment gehe ich nicht fischen, da alle von mir belieferten Restaurants sowieso geschlossen sind. Aber wenn das alles vorbei ist, werden vielleicht noch mehr Fische zurückkehren, denn im Moment ist das Vergnügungsfischen verboten – es wird eine Menge Meerestiere in der Lagune geben.“

„Ich bin ehrlich gesagt der Meinung, dass wir die Gelegenheit dieser Abriegelung nutzen sollten, um nachzudenken und zu sehen, wie wir in Zukunft besser organisiert werden können, um ein Gleichgewicht zwischen der Stadt und dem Tourismus zu finden“, so Fabris.

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