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9. Juli 2020

Wie ich lernte, Talkshows zu hassen“



In diesem Beitrag thematisiert Jens Berger die zahlreichen Medienauftritte von Karl Lauterbach, der für die SPD-Fraktion Mitglied des Deutschen Bundestages ist. Auffällig ist, dass er in dieser merk-würdigen Corona-Zeit sehr oft für harte, Freiheiten einschränkende Maßnahmen plädiert. Auf Anerkennung stoßen die Mahnungen und Warnungen dieses MdB vermutlich, weil Herr Lauterbach gelernter Epidemiologe ist und sogar auf einen Professorentitel verweisen kann. Jens Berger macht auf Merkwürdigkeiten hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Qualifikation, seinen Einsatz für Privatisierungen im Gesundheitswesen und zugunsten der Pharmaindustrie aufmerksam.
Viele Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten machen sich ebenfalls Gedanken und haben diese in Leserbriefen zum Ausdruck gebracht. Dafür bedanken wir uns sehr. Es folgt eine Auswahl der eingereichten Antworten. Zusammengestellt von Christian Reimann.

1. Leserbrief

Herzlichen Glückwunsch, Herr Berger! Seit Wochen zögere ich, die monothematische Überpräsenz des virtuellen Virologen Karl Lauterbach in den Talkmedien anzusprechen. Zeitweilig vermutete ich, das dieser selbsternannte gesundheitspolitische Sprecher der SPD auch schon in der Maske neben dem Lanz-Studio in Hamburg nächtigt. Die Frage dürfte allerdings erlaubt sein, ob es keine anderen Experten oder Gesundheitspolitiker gibt, die die in den vergangenen Monaten besonders öde kleine und selbstreferentielle deutsche TV-Talkshow-Welt hätten bereichern können? Die jeweiligen Redaktionen gehören sicherlich zu den falschen Ansprechpartnern; denn sie greifen immer wieder auf dieselben und einen großen intellektuellen Abwechslungsreichtum garantierenden Personen zurück. Eigentlich unerträglich für einen pluralen Bildungsauftrag. Für die Moderatorinnen und Gesprächsleiter allerdings eine stets kalkulierbare Größe. Fast wie beim Dauergast Guido Westerwelle bei Christiansen. Mit dem anderen jolly good fellow der deutschen TV-Politikunterhaltung für alle Lebenslagen, Wolfgang Kubicki, erleben wir ja zur Zeit eine kleine Wiederauferstehung der sozialliberalen Koalition längst vergessener vor89er Jahre im Öffentlich-Rechtlichen. Wolfgang Borsbach fungiert mittlerweile eher noch als unterhaltsamer Lückenfüller. Medial gesehen, könnte Lauterbach nach den vergangenen vier Monaten tatsächlich per Einschaltquote noch für ein Regierungsamt gut sein. Er schlägt dabei allerdings einen komplett anderen Weg als sein ehemaliger Kollege Wolfgang Wodarg ein, der in der Fraktion schon lange abgemeldet seiner virologischen Ausbildung aber treu bleibend, sich gesundheitspolitisch weiter einmischt.

Hartmut Roder

2. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Dieser Herr Lauterbach ist doch sein Geld wert. In seiner Darstellungskunst ist er unübertroffen. Sehenswert, wie er sich selbst schauspielert! Darauf kommt es ja im Fernsehen an, oder? Der Herr hat aber noch eine ganz andere Seite, auf die es sich lohnt, einen Blick zu werfen. Ich rede von der Verachtung, die er dem Wahlvolk entgegen bringt. Wahrscheinlich ist diese Arroganz heute die Voraussetzung für den politischen Erfolg.

In der „Welt“ vom 14.05.2020 wurde ein Streitgespräch zwischen dem Fliegenträger und der Grünen-Politikerin Franziska Schubert abgedruckt, in dem sich Herr Lauterbach zu einigen bemerkenswerten Äußerungen hinreißen ließ. Frau Schubert hatte sich in meiner Heimatstadt Zittau anlässlich einer Protestveranstaltung für die Bürgerrechte unter die Demonstranten begeben, um hier das Gespräch zu suchen. Um das Für und Wider eines solchen Engagements ging es unter anderem in dem Interview in der „Welt“. Auf die Frage: „Teilen Sie nicht das Argument, dass man sich so eine Demonstration zumindest ansehen sollte, Herr Lauterbach?“ antwortete derselbige:

„Dafür kann ich mir auch journalistische Beiträge darüber ansehen. Ich würde eine teilweise von Rechten und Verschwörungstheoretikern unterwanderte Demonstration nicht auch noch aufwerten, indem ich mich dort als Gesprächspartner andiene. Das gibt nicht das richtige Signal. Wir müssen denjenigen den Rücken stärken, die zu Recht an unsere Politik glauben und die nicht auf die Idee kämen, in Zeiten einer Pandemie auf eine solche Demo zu gehen.“

Nun war ich selbst auf der Demonstration und weiß, dass die Organisation in der Hand von Menschen gelegen hat, die sich bereits 1989 für die demokratischen Veränderungen eingesetzt haben. Diese Persönlichkeiten in einem Zuge mit Rechten und Verschwörungstheoretikern zu nennen, ist bereits eine derartige Unverschämtheit, dass man über Herrn Lauterbach eine Maulsperre verhängen sollte und akribisch darauf achten sollte, dass dieser niemals in weitere politische Ämter gelangt. Nebenbei gesagt ist es eben auch ein Malheur, wenn man sich seine Meinung ausschließlich auf der Grundlage journalistischer Beiträge bildet, die, wie wir wissen, sich selbst nur an der gleich geschalteten Einheitsmeinung orientieren.

Wie Herr Lauterbach auch noch auf die abwegige Idee kommt, eine Demonstration durch sein Erscheinen aufzuwerten, ist noch eine ganz andere Frage, der wir an dieser Stelle nicht weiter nachgehen wollen.

Mit freundlichen Grüßen
Björn Ehrlich

3. Leserbrief

sehr interessanter Beitrag zu Lauterbach. aber in Dtschld. gilt: jede Dissertation muß veröffentlicht werden. 
Bitte noch mal überprüfen.

BG RL

Anmerkung Jens Berger: Das ist richtig. Die ganze Causa wird hier sehr gut beschrieben…

Beste Grüße
Jens Berger

4. Leserbrief

Danke für Ihre Recherchen!

Schon länger habe ich ernste Zweifel an Herrn Lauterbachs Behauptungen.
Solche Politiker sorgen für weitere Verluste der SPD, oder sehen viele das nicht?

Immer öfter frage ich mich ob es überhaupt noch integere Politer gibt.

MfG
Jan van Leeuwen

5. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

vielen Dank für Ihren aufklärerischen Artikel.
Ich teile Ihr Einschätzung voll inhaltlich!
 
Für mich ist unerklärlich warum die veröffentlichte Presse die Zusammenhänge mit der Bertelsmann-Stiftung bisher nicht aufgegriffen. Schließlich hatte die „Anstalt“ diese Zusammenhänge in einem Sketch sehr anschaulich dargestellt.
Wenn die damalige Absicht von Lauterbach mit Frau Mohn schon umgesetzt worden wäre, hätte bei der augenblicklichen Corona Virus ein großer Mangel an Intensivbetten gefehlt.

Außerdem ist es unfassbar, dass ein Sozialdemokrat derart für die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens eintritt.
Es handelt sich doch hier um Daseinsfürsorge, die auf keinen Fall dem Markt zu Fraß überlassen werden darf.
 
Bitte bleiben Sie am Ball!

Mit freundlichen Grüßen
Friedhelm Lavreau

6. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

Ihr heutiger Artikel über Herrn Lauterbach ist hervorragend weil er den Nagel auf den Kopf trifft 
und man trotz der Tragik eines solchen „Volksvertreters“ auch wieder lachen muß.

Wie verblödet müssen die Fernsehmitarbeiter sein, diese Labertasche einzuladen. Oder für wie
blöd halten die die Zuschauer. 
Ich gehe eher davon aus, das Letztere.

LG
Agnes Fink

7. Leserbrief

Hallo Herr Berger,
 
vielen Dank  für diesen Artikel.
 
Ein kleiner Nachtrag zu „Karl Überall“
 
Ich (Jahrgang 1952) habe es mir vor vielen Jahren zur Gewohnheit gemacht in die erwähnten Talkshows mal rein zu klicken um zu sehen wer da mal wieder rum sitzt. Meist ist es dann auch schon genug, mehr Lebenszeit bin ich nicht bereit zu opfern. In Ausnahmefällen sehe und höre ich ein paar Minuten länger zu. So am 10.06.2020. Grund war Sebastian Fiedler, ich kenne ihn als ein Mann der klaren Worte. Es ging um Kindesmissbrauch (Münster usw.). Herr Fiedler berichtete über Missstände bei der Verfolgung der Straftaten. Darauf antwortete Lauterbach „ja ich stimme ihnen zu, da haben wir noch Gesetzeslücken“.
 
Danach war die Talkshow für mich vorbei (Fernsteuerung) aber mit Worten die ich hier nicht wiedergeben kann.
 
Wie ich in ihrem Artikel gelesen habe ist dieser Typ auch noch Mitglied im Ausschuss für Recht.
 
Es geht hier um Kindesmissbrauch (Bilder, Filme) in der Größenordnung von Terabyte.
Da sitzt ein Schwätzer vor dem Herrn und  erklärt „da haben wir noch Gesetzeslücken“.
Für was zahlen wir diese Leute.
 
Danke nochmal, für diesen Artikel.
 
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Melchior

8. Leserbrief

Danke,
das tut meiner geschundenen Seele gut.
Wie Sie das alles immer nur recheriert kriegen.
 
Ich hatte ja zuvor nix gegen Kalle, aber sein Kassandra-Tonfall und seine Unkenrufe auf der Ebene von “könnte ja sein”, haben mich immer mehr genervt. Endgültig ist die Klappe bei mir gefallen, als er gegen den Bundesliga-Restart wetterte.
Mir ist die Bundesliga egal, aber deren Konzept war ja mehr als okay – geradezu ein Kniefall in aller Demut und mit tausend Opfergaben an die Götter.
Und dann mit der Vorbildunktion zu wuchteln… und darüber den Leuten die Ausübung ihrer Berufs zu untersagen.
(Das fand ich übrigens u. a. unsachlich bei Reuse/Mettin, als sie meinten, schreiben zu müssen, dass die Bundesliga wieder “spielen” darf und die Kinder nicht.)
 
Und es geht gar nicht, mit ihm über Triage zu diskutieren und ihn in dem Zuge nicht einmal zur Rede gestellt zu haben, wie er jetzt zu seinem Appell steht,
etliche Kliniken zu schließen.
 
Viele Grüße
Stefan Eichardt

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