Die Coronazahlen haben einen neuen Höchststand seit Mai erreicht. Jetzt will der Bund Gesundheitsämter mit vier Milliarden Euro stützen. Die Zeit drängt, sagen die Ärzte.

Berlin/Chemnitz.

Neuer Negativrekord seit der ersten Coronawelle. Mit 1045 dem Robert Koch-Institut (RKI) von örtlichen Gesundheitsämtern für einen einzelnen Tag gemeldeten Neuinfektionen hat das Pandemiegeschehen am Donnerstag erstmals die am 7. Mai letztmals gesetzte Marke von 1000 Neuinfektionen in 24 Stunden überschritten. Der Höhepunkt im April hatte bei 6000 täglichen Infektionen gelegen. Seit Mai sanken die Zahlen. Als Ursache für den Wiederanstieg nannte RKI-Präsident Lothar Wieler Nachlässigkeit. Experten warnen vor der zweiten Welle. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte: “Bleiben wir wachsam.” Abstand halten, Maske und Händewaschen seien doch ein “kleiner Preis”.

Den Personalbestand der für Kontaktverfolgung und Quarantäne-Kontrollen zuständigen Gesundheitsämter will die Bundesärztekammer dauerhaft verbessert sehen. Das hält der Berufsverband in einem Positionspapier fest. Die Pandemie habe gezeigt, “wie wichtig ein funktionierender öffentlicher Gesundheitsdienst für den Schutz der Bevölkerung ist”, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt. Er begrüßte, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung über die nächsten fünf Jahre für den öffentlichen Gesundheitssektor eine Förderung in Höhe von vier Milliarden Euro vorsehe. Über Erfolg entscheide “zeitnahe und zugleich dauerhafte Umsetzung”, heißt es im Papier der Ärztekammer.

Ähnlich sieht das der Deutsche Städtetag. Man brauche “zügige Entscheidungen”, wie die Bundesmittel “unmittelbar und unbürokratisch bei den kommunalen Gesundheitsämtern ankommen”, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. Derzeit seien die Gesundheitsämter “stark gefordert”, aber “nicht überfordert”. Sie hätten die Herausforderungen der Pandemie “bisher gut bewältigt”, kommentierte der Städtetagschef eine Umfrage, an der von 356 Gesundheitsämtern in Flächenländern 252 teilnahmen. Angesichts der Pandemie hätten die Ämter rund 5900 Beschäftigte zusätzlich eingesetzt, vor allem zur Kontaktnachverfolgung, für Coronatests und zur Kontrolle von Quarantänemaßnahmen. Die Ämter seien “deutlich besser ausgestattet als in der öffentlichen Debatte zum Teil vermittelt”.

Das gilt indes nur für die pandemiebedingt unkonventionelle Personalaufstockung. “Seit 20 Jahren ist radikal und ohne Rücksicht auf Verluste gespart worden”, kritisierte Ärztekammerpräsident Reinhardt. Von rund 5000 Ärzten im Öffentlichen Dienst hätten die Kommunen ab 1970 bis 2019 etwa die Hälfte abgebaut, erörtert der Ärztekammerpräsident. Der von der Bundesregierung angekündigte Pakt, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken, sei dringend erforderlich.

Auch für Harald Uerlings, Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes der Ärzte und Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, ist Personalnotstand ein Dauerthema. Wenngleich man auf die Pandemie schnell reagierte. “Es gab eine Ausschreibung. Viele Mitarbeiter aus anderen Ämtern meldeten sich freiwillig”, sagt Uerlings, der als Chemnitzer Amtsarzt das örtliche Gesundheitsamt leitet. 60 Zusatzkräfte habe man da gewonnen. Nach Schulungen stellen sie die für Chemnitz geforderten zwölf Kontaktverfolgungsteams. Ende März hatten Bund und Länder beschlossen, dass für 20.000 Einwohner jeweils ein Team aus je fünf Personen zur Verfügung stehen soll. Die Vorgabe wurde bisher nur in wenigen Gesundheitsämtern erreicht, heißt es im Papier der Ärztekammer.



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Von Veritatis

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