Nach Einschätzung des Politologen Mohammed Kleit wird der Libanon das Hilfsangebot Israels nach der zerstörerischen Explosion am Dienstag in Beirut angesichts der langen Geschichte der feindseligen Beziehungen zwischen den beiden Ländern kaum annehmen.

Nach den verheerenden Zerstörungen durch die gewaltige Explosion am Dienstagabend im Hafen von Beirut boten einige Länder dem Libanon ihre Hilfe an.

Die libanesische Regierung verhängte eine mehrtägige Staatstrauer für die Opfer der Explosion, bei der mehr als 100 Menschen ums Leben kamen und Tausende verletzt wurden.

Israel kommt zur Hilfe

Unter den Ländern, die dem Libanon Unterstützung angeboten haben, war auch Israel, das sich „an die libanesischen Behörden über verschiedene Kanäle wandte“, um medizinische und humanitäre Hilfe zu leisten.

Israels Präsident Reuven Rivlin drückte dem libanesischen Volk sein Beileid aus, israelische Krankenhäuser erklärten sich bereit, Patienten aus Beirut aufzunehmen.

Unerwartete Zusammenarbeit

Allerdings werden die israelischen Hilfsangebote im Libanon wohl auf taube Ohren stoßen. Die libanesischen Behörden haben zwar noch keine Reaktion darauf gezeigt, der Politologe rechnet aber damit, dass sein leidgeprüftes Land trotz der großen Not auf diese Geste nicht eingehen wird.

Laut Gesetz von 1995 ist es libanesischen Staatsbürgern verboten, jegliche geschäftliche bzw. kommerzielle Verbindungen mit Israel zu unterhalten. Zudem heißt es im Artikel 278 des Strafgesetzbuchs, dass jegliche Kontakte mit Israel illegal seien. Demnach ist jedes Zusammenwirken mit Israelis untersagt.

Deswegen würden Hilfen von einem „feindseligen Land“ nicht zur Diskussion stehen, zumal andere Länder, darunter der Iran, die Türkei und mehrere westliche Staaten bereits ihre Absicht bekundeten, dem Libanon zu helfen.

„Es ist unmöglich, etwas zwischen den beiden Ländern zu normalisieren, weil es in der Regierung und im Parlament einflussreiche Parteien gibt, die gegen jede Beziehungen mit Israel sind, selbst bei einer Krise wie jetzt“, so der Experte.

Die Hisbollah gehört dem Experten zufolge zu diesen einflussreichen Akteuren im Libanon – die vom Iran unterstützte schiitische Bewegung, die in der libanesischen Politik bereits seit den 1990er Jahren mitmischt und seit 2005 im Parlament vertreten ist.

Zusammen mit anderen religiösen Parteien bildet sie derzeit den größten Block im libanesischen Parlament und „gibt den Ton“ in äußeren und inneren Angelegenheiten an. Das heißt, dass eine Annäherung an Israel wohl kaum auf die Agenda kommt, vor allem wegen der blutigen Geschichte der Beziehungen zwischen den beiden Staaten. 

Im Jahr 1982, als Israel einen Krieg gegen Libanon führte, um den Einfluss in Syrien minimieren zu wollen und die sich im Libanon befindlichen palästinensischen Extremisten auf Distanz zu halten, zog die Hisbollah in den bewaffneten Kampf und zwang das israelische Militär dazu, das vom Krieg erschütterte Land im Mai 2000 zu verlassen.

Doch damit endeten die Spannungen nicht. Nach dem Rückzug Israels rüstete die Hisbollah ihr Waffenarsenal im großen Stil auf, um den jüdischen Staat herauszufordern.

2006, nachdem zwei Patrouillenfahrzeuge der israelischen Armee in einen Hinterhalt gerieten, töteten Hisbollah-Extremisten drei israelische Soldaten. Zwei israelische Soldaten wurden entführt, was den zweiten Libanon-Krieg provozierte, der tiefe Narben sowohl in der israelischen als auch in der libanesischen Gesellschaft hinterließ.

„Zwischen dem Libanon und Israel gibt es kein Vertrauen angesichts der Tatsache, dass Israel sich nie an Verträge bzw. UN-Resolutionen zur Regelung der Spannungen und Gewalthandlungen in der Region gehalten hat. Nicht nur der Libanon hat kein Vertrauen zu Israel, sondern auch andere benachbarte Akteure wie Syrien und Gaza“, sagte Kleit.

Die israelische Hilfe würde nicht dabei helfen, die jahrelangen Feindseligkeiten außen vor zu lassen.





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Von Veritatis

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