Die Krimisaison im Fernsehen ist wieder in vollem Gange und die Soko Leipzig (ZDF) mischt immer am Freitag mit der mittlerweile 20. Staffel mit. Geleitet wird die Soko von Ina Zimmermann, die seit nunmehr 20 Jahren von Melanie Marschke dargestellt wird. Mit dem beliebten Fernsehstar sprach Maurice Querner.

Freie Presse: 400 Folgen, 20. Staffel, 20 Jahre Soko Leipzig und Sie sind von Anfang an dabei. Wird man da nicht selbst mindestens zur Hobbykriminalistin?

Melanie Marschke: Meine Sinne für dieses Thema sind vielleicht ein bisschen geschärft. Ich habe in der Verwandtschaft sogar einen Oberkommissar. Da reden wir auch schon mal über Ermittlungsmethoden und Kriminalität. Aber natürlich bin ich kein Profi und das Thema prägt mich auch nicht im normalen Alltag.

Wie hat sich ihre Ina Zimmermann in den vielen Jahren entwickelt?

In den ersten Jahren war dies ja eine recht klassisch angelegte Rolle. Da war sie die einzige Frau unter lauter Männern, oft mehr hübsches Beiwerk, ohne besonders stark ausgeprägte Charaktereigenschaften. Seit damals hat sich allerdings viel getan und mittlerweile hat sie sich zur Chefin hochgearbeitet. Auch in ihrem privaten Leben ist viel passiert. Sie hatte Männer, Trennungen und vor allem ist sie Mutter geworden. Der Rolle wurde die Möglichkeit gegeben, sich facettenreich zu entwickeln und an den Aufgaben zu wachsen. Sie ist selbstbewusster, stärker und strahlt mehr Coolness aus.

Ihr Filmsohn macht Ihnen in der aktuellen Staffel Sorgen …

Ja, Ina als alleinerziehende Mutter war ja auch in den zurückliegenden Staffeln immer mal wieder Thema. Nun ist Paul im Teenageralter. Da gibt es schon mal das ein oder andere Problem. Die neue Soko-Staffel legt jetzt aber nicht den Fokus auf die Mutter-Sohn-Beziehung.

Haben Sie Mitspracherechte bei der Entwicklung Ihrer Rolle?

Wir sind permanent im Gespräch mit den Autoren und Produzenten, die Serie soll ja spannend und interessant bleiben.

Hat sich für Sie das Bild der Frau in den deutschen Fernsehkrimis gewandelt?

Ja, aber das ist eigentlich schon seit längerem der Fall. Das Frauenbild hat sich doch stark gewandelt und mir fallen auf die Schnelle fast mehr Frauen als Männer in entsprechenden Rollen ein, und das ist ja eine sehr gute Entwicklung. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der Krimi hierzulande ein wahnsinnig beliebtes Format ist.

Sind Sie auch Krimi-Fan?

Ich schaue gern auch mal in andere Krimis rein. Doch das eher aus einem beruflichen Interesse heraus. Ich bin beispielsweise kein regelmäßiger “Tatort”-Zuschauer, da wähle ich gezielt aus. Im Corona-Lockdown allerdings habe ich, wie die meisten, deutlich öfter ferngesehen und auch Netflix-Serien geschaut.

Spielen die neuen Streamingdienste eine Rolle in den Diskussionen am Set und für die Weiterentwicklung von Soko Leipzig?

Dadurch, dass wir ja die einzige Soko-Serie sind, die im Hauptabendprogramm des ZDF läuft, können wir auch Stoffe erzählen, die härterer und düsterer sind, als dies das in den Vorabendserien möglich ist. Auch versuchen wir, Themen aufzugreifen, die aktuell gesellschaftlich oder politisch relevant sind. Aber es ist schon so, dass die Streamingdienste neue Trends setzen, was zum Beispiel die Art des Erzählens und auch den Look eines Formates angeht.

Wenn man so lange in dieser Rolle der Ina Zimmermann steckt wie Sie, ist man da nicht sehr festgelegt? Bleibt da Zeit für etwas anderes?

Es ist schon so, dass ich leider oft Anfragen ablehnen muss, weil wir doch sehr viel für Soko drehen. 25 Folgen im Hauptcast sind sehr zeit- und arbeitsintensiv. In der Soko-freien Zeit versuche ich, andere Projekte unterzubringen, so Theater-Engagements, Lesungen oder Moderationen. Festgelegt sehe ich mich keineswegs. Ich bin Schauspielerin, ich liebe diesen Beruf und ich weiß, was ich kann.

Dann haben Sie es auch nie bereut über eine solche lange Zeit “Soko Leipzig” zu machen.

Überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich sehe die Serie als Geschenk. Das Arbeitsumfeld ist bei uns richtig familiär. Wir sind sehr eng miteinander, pflegen einen liebevollen Umgang und das Drehen macht viel Spaß.

Da wird es sicher nicht einfach sein, wenn ein “Familienmitglied” die Serie verlässt.

Sie sprechen sicher auf Steffen Schröder an, der den Kommissar Tom Kowalski neun Jahre lang gespielt hat, und nun die Soko verlassen hat. Ja, das war und ist für mich, genauso wie für meine Kollegen Marco und Amy, sehr traurig und ein herber Verlust. Er hinterlässt da eine große Lücke. Auch privat. Wenn man so lange zusammenarbeitet und die Chemie stimmt, nimmt man natürlich auch Anteil am Privatleben seiner Kollegen. Aber man muss natürlich akzeptieren, dass Mitstreiter sich auch verändern wollen.

Sie drehen momentan bereits für die nächste Staffel. Spielt da “Corona” eine Rolle?

Inhaltlich nicht, wir hoffen ja alle, dass das Thema im nächsten Jahr vielleicht keine so große Rolle mehr spielen wird. Allerdings drehen wir aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln jetzt natürlich anders als vor der Pandemie. Und das kann der Zuschauer auch sicher sehen, wenn die neuen Serien 2021 gezeigt werden.

Sie sind in Lübeck geboren, leben nun aber schon 18 Jahre in Leipzig? Sind Sie inzwischen Sächsin?

Nein, ich bin Norddeutsche und werde das auch immer bleiben. Das ist meine Heimat, bin da verwurzelt. Aber ich fühle mich hier in Leipzig sehr zu Hause und habe einen großen Freundeskreis.

… und viel Wasser gibt es hier ja auch …

Hmm, das sind ja nur Seen (lacht).



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Von Veritatis

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