007 – Bitte übernehmen! Eine Betrachtung zum “Tatort” | Freie Presse

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James Bond, Jack Reacher oder Ethan Hunt – bitte übernehmen Sie! Denn der hessische Tatort um das Ermittlerteam Janneke und Brix verzettelte sich diesmal hoffnungslos in der Welt der (Doppel-)Spionage.

Der Krimifreund hoffte womöglich auf einen spannenden Fernsehabend, auch wenn er mit “Funkstille” sicher nicht ernsthaft echte Konkurrenz für “James Bond” oder “Mission Impossible” erwartet hätte. Doch Frankfurt/Main bietet ja immerhin eine tolle Wolkenkratzerkulisse und im nahen Taunus wäre mal eine rasante Autoverfolgungsjagd drin gewesen. Denn dass “Tatort” durchaus auch “Action” kann, haben einige Hamburger Krimis mit Til Schweiger als Kommissar “Nick Tschiller” ja bewiesen. Die “Wunsch-Tatort”-Reihe im Ersten mit einem Tschiller-Krimi hat gezeigt, dass Action und Sonntagabend durchaus ein Publikum findet. Stattdessen verlegten sich Buch (Stefan Brüggenthies und Andrea Heller) und Regie (Stanislaw Mucha) auf die Beschreibung einer dysfunktionalen Familie, in der Misstrauen und die Lüge regieren. Auch dieser Ansatz hätte durchaus funktionieren können.

Nachdem in einem verlassenen Fabrikgebäude ein toter junger Mann gefunden wurde, wissen Zuschauer und Kommissare recht schnell, dass mit der amerikanischen Familie Fisher etwas nicht stimmen kann, was schon einmal der Spannung nicht gerade förderlich ist. Besonders Gretchen Fisher verhält sich von Anfang an sehr verdächtig. Tessa Mittelstaedt überzieht ihre Rolle da ganz schön heftig, das sorgt immer wieder für unfreiwillig komische Momente. Möglicherweise kann man da der Schauspielerin gar keinen Vorwurf machen, sind es doch Buch und Regie, die nicht wissen, ob aus dem Krimi ein Familiendrama, Thriller oder eine Komödie werden sollte. Grotesk mutet beispielsweise an, wie sich Konsulatsmitarbeiterin Gretchen ganz auffällig unauffällig mit ihrer russischen Kontaktperson vor der Frankfurter Oper trifft – inklusive blindem Saxofonspieler. Der Giftmord an dem Versicherungsbeschäftigten (!) und Verräter in spe, Raymond Fisher (Kai Scheve), wirkt angesichts des Mordanschlags auf Kreml-Kritiker Nawalny zudem irgendwie deplatziert. Nun, davon konnten die Macher des Films beim Dreh noch nichts wissen. Sie sind aber dafür verantwortlich, dass Margarita Broich und Wolfram Koch als Ermittler Janneke und Brix diesmal reichlich blass blieben und dass der anschließende Polit-Talk mit Anne Will in jedem fall spannender werden musste, selbst wenn die Runde über das Sammeln von Briefmarken diskutiert hätte.

Derweil blieb für Menschen, die die Absicht hegen, für fremde Mächte zu spitzeln, zumindest jene Erkenntnisse im Kopf, wonach es besser ist, den Stecker vom Fernsehgerät zu ziehen, um nicht abgehört zu werden, und dass die gute alte Kurzwelle wenigstens noch zur Kontaktaufnahme mit der “Zentrale” taugt. Nun ja.



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