Frankfurt/Main (dpa) – Überraschung am Samstagabend: Der Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof wird neuer Vorstandschef der Commerzbank. Das teilte die Commerzbank nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Der 55-Jährige soll zum 1. Januar 2021 die Nachfolge von Martin Zielke bei dem MDax-Konzern antreten – vorausgesetzt, die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) stimmen der Personalie noch zu.

Der Jurist Knof leitet seit dem 1. August 2019 das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Zuvor war er Deutschlandchef beim Versicherungskonzern Allianz. Aber auch bei der Dresdner Bank, die in der Finanzkrise 2008 von der Commerzbank geschluckt wurde, hat Knof Erfahrungen gesammelt: In den Jahren 2003 bis 2005 war er bei dem Institut in verschiedenen Funktionen tätig – zuletzt als Leiter des Dresdner-Bank-Privatkundengeschäfts Deutschland Süd mit Verantwortung für rund 1000 Filialen.

Knof sei «ein erfahrener und umsetzungsstarker Topmanager, der sich in unterschiedlichsten Aufgaben in der Finanzdienstleistungsindustrie bewiesen hat», begründete Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter die Wahl. Der designierte Commerzbank-Chef Knof erklärte, er habe «großen Respekt» vor der neuen Aufgabe: «Die Commerzbank hat mit ihrer Mittelstandsbank eine hohe Relevanz für die deutsche Wirtschaft. Im Privatkundengeschäft hat sie innovative Akzente gesetzt. Und sie hat eine einzigartige Kultur, auf die ich mich besonders freue.»

Mit der Berufung Knofs hat der erst Anfang August als Chefkontrolleur angetretene ehemalige Landesbanker Vetter die Nachfolge von Zielke überraschend schnell geregelt. Und: Statt einer internen Lösung mit Finanzvorständin Bettina Orlopp oder Firmenkundenvorstand Roland Boekhout hat Vetter sogar einen externen Kandidaten für die nicht einfache Aufgabe gewonnen.

Denn dem Institut stehen weitere Einschnitte bevor – gerade auch im Privatkundengeschäft. Seit Monaten wird bei der Commerzbank intern um eine Verschärfung des im Herbst 2019 verkündeten Sparkurses gerungen. Die Zahl der zuletzt knapp 40.000 Vollzeitstellen könnte um bis zu ein Viertel gekappt werden. Von 1000 Filialen könnten gerade einmal 200 übrig bleiben, in denen Kunden sich beraten lassen können. Die Corona-Krise hat der Digitalisierung einen weiteren Schub gegeben.

«Die neue Strategie ist eine radikale Kehrtwende und geht über alles Bisherige weit hinaus», hatte der scheidende Privatkundenchef Michael Mandel erklärt. Mandel – ein Verfechter eines dichten und damit teuren Filialnetzes – hatte mitten in der Diskussion um einen Kahlschlag seinen Rückzug erklärt. Der Manager verlässt die Bank zum 30. September.

Anfang Juli hatte Konzernchef Zielke nach scharfer Kritik von Investoren seinen Rücktritt spätestens zum Jahresende angekündigt – und der damalige Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann warf gleich mit ihm hin. Der US-Fonds Cerberus als zweitgrößter Aktionär des teilverstaatlichten Instituts hatte der Führung der Commerzbank vorgeworfen, «über Jahre eklatant versagt» zu haben.

Zielke räumte ein, dass die im Herbst 2019 beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um das Institut im Zinstief profitabler zu machen. Beschlossen wurde seinerzeit unter anderem die engere Einbindung der Online-Tochter Comdirect in den Mutterkonzern – die Weichen dafür sind inzwischen gestellt. Den geplanten Verkauf der Mehrheit an der polnischen mBank blies der Vorstand dagegen ab.

Der Bund, der seit der Rettung der Commerzbank mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2008/2009 größter Anteilseigner mit heute 15,6 Prozent ist, hatte sich zuletzt zuversichtlich geäußert. «Ich glaube, dass wir ja jetzt doch sehen, dass sich viele bemühen, der Commerzbank eine gute Zukunft zu geben und auch mutige Entscheidungen zu treffen», sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bei einer Bankentagung Anfang September. «Ich finde, das sollte jetzt erstmal begleitet werden.»



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Von Veritatis

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