„Sechs Millionen Quadratmeter Bürofläche in Berlin bald überflüssig“, meldeten vergangene Woche die Kollegen von der Berliner Zeitung und berichteten über das in Berlin-Kreuzberg ansässige französische Start-up Payfit, das die einst repräsentablen Büro-Räumlichkeiten von 750 Quadratmetern um etwas mehr als die Hälfte reduziert. Damit dürfte es Vorreiter, aber nicht allein sein. Warum horrende Mieten für leere Räume zahlen, wird sich nicht nur Payfit, Anbieter einer App für digitale Abrechnungslösungen für Unternehmen, denken.

Das Homeoffice sowie das Arbeiten von überall, aber nicht zwangsläufig im Büro mit allen Kollegen, werden die Pandemie überleben, da sind sich mittlerweile viele einig, und die Zeiten, in denen die meisten von uns wirklich jeden Tag mehrere Stunden in Bahn, Bus, Auto oder Flugzeug verplempern, sind zumindest für die Büroarbeiter unter uns wahrscheinlich vorbei. Homeoffice war dort, wo ich arbeite, vor Corona quasi unvorstellbar, jetzt ist es Alltag. So geht es vielen, nicht nur meinen Kollegen und mir. Das ist gut fürs Klima, gut für unsere überstrapazierten Nerven – aber eigentlich müsste das doch auch gut für unsere Mieten und unser Zusammenleben in den Städten sein, oder?

Vor Corona drängten Start-ups und Tech-Unternehmen in die sowieso schon überfüllten Metropolen, in denen Freiräume knapp werden und die Mieten immer mehr steigen – und wirkten dort, wo sie sich ansiedelten, als Gentrifizierungsbeschleuniger. Wo Brachen waren, die von Nachbar*innen zwischengenutzt wurden, stehen heute fast überall gigantische und abscheuliche Bürokomplexe. Das wird jetzt alles in diesem Ausmaß gar nicht mehr gebraucht werden. Warum also nicht wenigstens den neu geplanten Bürobauten absagen?

Ganz oben auf meiner Liste für so eine Absage steht noch aus Vor-Corona-Zeiten der sogenannte Edge Tower. Das ist ein riesiges Bürohochhaus, das im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg geplant ist: 140 Meter hoch, 36 Stockwerke, eine Bürofläche von rund 65.000 Quadratmetern. Hauptmieter, neben anderen, soll Amazon werden, dessen Programmierer hier arbeiten sollen. Die Nachbarn befürchten eine Beschleunigung der in der Gegend sowieso schon extremen Verdrängungsprozesse.

Egal ob das Hochhaus am Ende leersteht oder Amazon und andere Unternehmen Tech-Arbeiter*innen einfliegen, einfach weil die Pandemie vorbei ist und es wieder geht – konsequenter wäre es, das Haus einfach nicht zu bauen. Wir Menschen in den Städten brauchen es nicht.



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Von Veritatis

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