Moskau (dpa) – Im Konflikt um die Region Berg-Karabach wächst der internationale Druck auf die beiden verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan.

Die Präsidenten der USA, Russlands und Frankreichs verurteilten am Donnerstag in einer ungewöhnlichen gemeinsamen Erklärung die militärische Gewalt im Süden des Kaukasus. Alle drei forderten die sofortige Einstellung der Kämpfe und die Respektierung einer Waffenruhe. Russland und Frankreich warnten vor Terrorgruppen und Söldner aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Staatsoberhaupt Emmanuel Macron und Kremlchef Wladimir Putin. Die drei Staatschefs forderten die beiden verfeindeten Nachbarn auf, diplomatische Verhandlungen unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufzunehmen. Für eine Waffenruhe dürfe es keine Vorbedingungen geben.

Russland, Frankreich und die USA stehen der sogenannten OSZE-Minsk-Gruppe vor, die im Konflikt zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken vermittelt. Der Organisation gehören auch Armenien und Aserbaidschan an. Bei den seit Sonntag andauernden Gefechten wurden bisher mehr als 120 Menschen auf armenischer Seite getötet – in der Mehrzahl Soldaten. Nach Angaben aus Aserbaidschan starben 16 Zivilisten, 55 wurden verletzt. Angaben zu getöteten Soldaten gab es nicht.

Kritik an der Erklärung kam aus der Türkei, die Aserbaidschan als Verbündete unterstützt. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Bemühungen der USA, Russlands und Frankreichs als «nicht akzeptabel». Armenien sei ein «Banditenstaat», der sich aus Berg-Karabach zurückziehen müsse. Das sei Voraussetzung für einen bleibenden Frieden. Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev hatte zuvor bereits erklärt, die Militäraktion bis zu einem Rückzug Armeniens fortzusetzen. Erst dann werde es eine Waffenruhe geben. Aufrufe zum Dialog seien sinnlos.

Der Konflikt zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken gibt es bereits seit Jahrzehnten. Berg-Karabach, wo rund 145 000 Menschen leben, wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Die Türkei steht in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans, während Armenien Russland als Schutzmacht sieht.

Unterdessen alarmierte Kremlchef Putin seinen Sicherheitsrat angesichts der Gefahr ausländischer Söldner in Berg-Karabach. Zuvor hatte das russische Außenministerium auf bewaffnete Kämpfer aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen hingewiesen und deren sofortigen Abzug gefordert. Nach französischen Informationen sind Dschihadisten aus Syrien über die Türkei nach Berg-Karabach gelangt. Das sei «eine sehr ernste Sache», sagte Staatschef Macron.

Armenien warnte vor einem Flächenbrand und sprach von 4000 militanten Islamisten, die die Türkei aus dem Norden Syriens in den Südkaukasus gebracht habe. Aserbaidschan wiederum behauptete, es seien ethnische Armenier aus Syrien und anderen Staaten des Nahen Ostens im Einsatz bei den Kämpfen. Beweise für die gegenseitigen Vorwürfe gab es zunächst nicht.

Eriwan und Baku warfen sich gegenseitig neuen schweren Artilleriebeschuss vor. Armeniens Militär behauptete, mehrere Flugzeuge, Hubschrauber und Kampfdrohnen zerstört zu haben. Aserbaidschan wies Angaben aus Armenien zurück, wonach ein Militärhubschrauber abgeschossen und im Iran abgestürzt sei.

Zudem wurden in der Stadt Martuni in Karabach zwei französische Journalisten der Zeitung «Le Monde» bei Beschuss verletzt. Frankreich will die beiden nun mit einem Flugzeug mit medizinischer Ausstattung nach Hause holen.



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Von Veritatis

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