Ende August traf sich Michael Scharfmüller am Rande einer Podiumsdiskussion in Amstetten (Niederösterreich) mit HC Strache, um mit ihm über die Zeit nach Ibiza und die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, zu sprechen. Weitere Themen waren einige Entscheidungen in seiner Zeit als Vizekanzler (Sichtwort: Distanzierungen) und ob die Einführung einer direkten Demokratie aufgrund der demografischen Entwicklung wirklich ratsam ist.

Das vollständige Interview mit HC Strache finden Sie in der 34. Info-DIREKT-Printausgabe 

Info-DIREKT: Herr Strache, Sie waren Vizekanzler und haben den damaligen Wiener Bürgermeister dreimal zum Bürgermeister-Duell herausgefordert. Jetzt mussten Sie Unterschriften sammeln, um überhaupt zur Wien-Wahl antreten zu können. Wie verkraften Sie diesen Abstieg?

Heinz-Christian Strache: Das Leben hat bekannterweise Höhen und Tiefen. Wenn man hinfällt – das kann passieren -, ist es wichtig, dass man wieder aufsteht. Und ja, das war natürlich eine entsprechende Zäsur, eine unglaubliche Lebenserfahrung, ja eine Lebensprüfung. Das muss man alles erst einmal verarbeiten, das braucht auch seine Zeit.

Info-DIREKT: Wann haben Sie die Aufarbeitung abgeschlossen?

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Info-DIREKT: Wäre das Aufkommen des Ibiza-Videos nicht ein guter Zeitpunkt gewesen, um sich zurückzuziehen und zu warten, bis sich die Vorwürfe aufgeklärt haben, um dann rehabilitiert zurückzukommen?

Strache: Nein, das hätte umgekehrt laufen müssen, das ist mir aus der Distanz bewusst geworden. Als dieses manipulativ zusammengeschnittene, illegal erstellte Video in einer vermeintlich privaten Urlaubsatmosphäre veröffentlicht wurde, war ich fassungslos. Ich habe mir ja nichts vorzuwerfen gehabt. Trotzdem ist das, wie wenn ein Torpedo in dein Herz hineinfährt und es dir die Schuhe auszieht. Du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst. Auf einmal sind all das, was du 15 Jahre lang aufgebaut hast, und die staatspolitische Verantwortung, die du übernommen hast, gefährdet. Zu diesem Zeitpunkt haben meine Gegner innerhalb und außerhalb der Partei ihre Chance genutzt. Sie haben damals auf mich eingewirkt, dass ich nicht nur als Vizekanzler, sondern auch als Landes- und Bundesparteichef zurücktrete, damit es eine Fortsetzung der Regierung geben kann. Ich habe die Verantwortung übernommen.

HC Strache im Gespräch mit Info-DIREKT-Redakteur Michael Scharfmüller

Info-DIREKT: War die Forderung nach Ihrem Rücktritt nicht ein weiteres Staberl, das die ÖVP der FPÖ vor die Füße gehalten hat, um zu schauen, ob sie nochmals drüberspringen?

Strache: Da muss man aufpassen. Ich glaube, dass meine ehemaligen Mitstreiter dieses Staberl gerne aufgegriffen haben. Das hat man ja in der Vergangenheit unter Jörg Haider schon gut verstanden, nach dem Motto „Teile und herrsche“. Bei mir ist das ähnlich gelaufen. Ich war immer einer, der für eine soziale Heimatpartei eingetreten ist und nicht für ein zweites CDU-Model; dazu haben wir eh die Türkisen. Ich glaube, dass manche die Staberl aufgehoben haben in der Hoffnung, mich zu beerben.

Info-DIREKT: Sie haben ja selbst immer wieder die Staberl aufgegriffen. Beispielsweise bei den Identitären.

Strache: Ja, das kann man so sehen. Ich habe kein Problem mit Menschen, die den identitären Gedanken leben, das ist ja auch mein Gedanke. Ich habe ja auch viele Begrifflichkeiten und Inhalte thematisiert und sichtbar gemacht, bevor es die Identitären überhaupt gab. Was mir immer wichtig war, ist, dass die Identitären kein Bestandteil unserer Partei gewesen sind. Die Identitären sind eine eigenständige Bewegung, die ihre politischen Ziele verfolgt. Das ist absolut legitim. Das hat auch die politische Linke immer gemacht. Aktionismus war nur als politischer Verantwortungsträger nie mein politischer Anspruch. Jeder, der sich im rechtsstaatlichen Bogen bewegt, hat den Anspruch, seine Meinung im Sinne der Meinungsfreiheit kundzutun. Was ich nicht zulassen wollte, ist, dass der politische Gegner uns etwas unterstellen oder unterschieben kann, was nicht der Fall ist.

Info-DIREKT: Glauben Sie nicht, dass Sie mit Ihrem Verhalten zur Kriminalisierung der IB beigetragen haben?

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Info-DIREKT: Hat die ÖVP da Druck ausgeübt?

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Info-DIREKT: Themenwechsel: Verstehen Sie, dass kleine Funktionäre angefressen sind, dass sich „der Strache die Taschen vollgesteckt hat“, während sie ehrenamtlich für die Partei gelaufen sind?

Strache: Das ist ja völlig falsch. Ich habe die Partei 2004 in Wien als Landesobmann und 2005 als Bundesobmann übernommen. Ich habe damals die Partei vor dem Konkurs gerettet.

Info-DIREKT: Dass Sie Erfolge gefeiert haben, ist ja unbestritten.

Strache: Nein – das muss man kurz erklären. Ich habe 5,5 Millionen Euro an Schuldenverbindlichkeiten übernommen, habe der Partei bis zu meinem Rücktritt durch die Wahlerfolge neben den Mandaten und Strukturen insgesamt 220 Millionen Euro an Förderungen ermöglicht. Jörg Haider hatte jedes Jahr umgerechnet 700.000 Euro für seinen Mitarbeiter- und Spesenbereich. Ich hatte das nicht, ich hatte wesentlich weniger, aber mindestens den gleichen Erfolg wie er. Er hatte das genehmigt. Ich hatte das genehmigt. Bei ihm wurde das nicht kriminalisiert. Bei mir wird es kriminalisiert. Es werden mir zahlreiche Dinge unterstellt, die nicht stimmen. Ich habe jahrelang als Klubobmann um die 5.000 Euro netto verdient. Bis man darauf gekommen ist, dass das eigenartig ist, dass andere in der Partei mehr verdienen als der Chef, der Tag und Nacht für die Partei rennt. Das geht in keiner Firma. Als Klubobmann hatte ich ein Berufsverbot – ich durfte zusätzlich nichts verdienen. Also hat man gesagt, da machen wir einen Mietzuschuss – der ist nicht nur für die Gewährleistung meiner Sicherheit notwendig, sondern auch zu Repräsentationszwecken gerechtfertigt.

Info-DIREKT: Kann man also sagen, dass auch das Gehalt Ihrer Frau Teil Ihres Einkommens war?

Strache: Nein, überhaupt nicht! Meine Frau kam aus dem journalistischen Bereich. Sie hat, als sie zur FPÖ gekommen ist, 2.500 Euro netto verdient – also genauso viel wie vorher. Sie hat dann von 2016 weg meine Facebook-Seite zur erfolgreichsten Seite des Landes gemacht. Dazu war sie Tag und Nacht mit mir unterwegs, um die moderne Kommunikation zu betreiben. Ein dreiviertel Jahr vor meinem Rücktritt hat dann die Partei gesagt, dass jemand, der eine Seite betreut, wo du normalerweise eine Agentur mit drei, vier Leuten dazu brauchst, mehr verdienen sollte. Daraufhin ist sie auf knapp 9.000 Euro brutto eingestuft worden – völlig legitim. Die Betreuung der Facebook-Seite von Sebastian Kurz kostet 30.000 Euro brutto im Monat. Wenn dann gesagt wird, dass Handtaschen gekauft wurden, ist das eine Lüge. Wer auch immer in meinem Mitarbeiterstab da etwas gekauft hat – ich und meine Frau waren es nicht. Da müssen Sie schon die Verantwortlichen fragen, beispielsweise den damaligen Finanzreferenten. Ich habe nie eine Abrechnung gesehen und hatte nie Zugriff auf die Handkasse, dafür hatte ich eine Büroverantwortliche.

Info-DIREKT: Die wird wohl das gemacht haben, was sie von ihrem Chef angeschafft bekommen hat.

Strache: Das ist genau der Punkt. Ich habe ihr nichts angeschafft, außer dass sie die Handkasse ordentlich betreut; aber die hat gewusst, dass sie machen kann, was sie will, weil ich sie nicht geprüft habe.

Info-DIREKT: War das dann zumindest ein Versäumnis von Ihnen?

Strache: Nein, weil ich bin nicht verantwortlich gewesen für die Handkassa; das sind die eingeteilte Referentin und der Finanzreferent gewesen, nicht ich. Da hat sich jemand bedient – und jetzt schiebt man alles auf den Strache.

Info-DIREKT: Sie haben vorhin gesagt, dass Sie so viele Erfolge gefeiert haben. Jetzt gibt es zahlreiche Funktionäre, die sagen: „Strache hat wohl vergessen, dass wir überall ehrenamtlich für die Partei gelaufen sind!“

Strache: Dafür bin ich jedem Einzelnen ja zutiefst dankbar! Was ich kritisiert habe, sind die Funktionäre der Führungsspitze, die nur in meinem Windschatten mitgelaufen sind. Die Ehrenamtlichen hat man ja jetzt auch im Stich gelassen. Ich habe freiheitliche Werte noch familiär gelebt – auch wenn jemand einmal einen Unsinn gemacht hat.

Info-DIREKT: Naja, da muss man schon sagen, dass das gerade am Ende der blauen Regierungszeit bspw. mit dem Verfasser des Rattengedichts nicht so war.

Strache: Da müssen Sie mit dem Herrn Haimbuchner [Anm.: FPÖ-Parteichef in Oberösterreich] reden, das war sein Verantwortungsbereich.

Info-DIREKT: War es ein Fehler, sich auf die ÖVP einzulasssen?

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Info-DIREKT: Glauben Sie, dass man eine Regierung führen kann, wenn man sämtliche etablierten Medien gegen sich hat?

Strache: Schwierig – keine Frage, aber das ist ja auch der Punkt. Deshalb muss man im Sinne einer pluralistischen Medienlandschaft auch Medienprojekte fördern und unterstützen.

Info-DIREKT: Kommen wir zur Wien-Wahl: Es ist unwahrscheinlich, dass das „Team HC Strache“ in Regierungsverantwortung kommt. Wie wollen Sie in der Opposition etwas bewegen?

Strache: Wenn wir heute als Startup-Bürgerbewegung in eine prozentuale Zweistelligkeit kommen, dann ist das ein Erdbeben in ganz Österreich. Die Ausrollung der Bürgerbewegung wird dann auf ganz Österreich stattfinden. So gesehen finde ich es bedenklich, dass Norbert Hofer davon sprach, dass HC-Strache-Wähler der Narrensaum seien – das haben sie nicht verdient.

Info-DIREKT: Aber wie wollen Sie als Oppositionspartei nachhaltig etwas ändern?

Strache: Ich glaube, dass eine ehrliche Bewegung mit ca. 15 Prozent in der Opposition nachhaltig der Stachel im Fleisch sein kann und gar nicht in die Regierung muss. Ähnlich wie Jörg Haider haben wir aus der Opposition heraus die Regierung vor uns hergetrieben und dazu gezwungen, Themen aufzugreifen. Zum Beispiel gibt es ja viele Demografie-Leugner; wenn wir da keine Korrektur schaffen, haben wir bei den bis zu 16-Jährigen bald eine muslimische Mehrheit. Da läuft uns die Zeit davon. Da bin ich dann genau bei dem Begriff, den ich immer verwendet habe und den ich mir nicht verbieten lasse: Das ist ein Bevölkerungsaustausch, anders kann man es nicht bezeichnen! Das ist in Wahrheit die große Frage – neben den aktuellen Einschränkungen der Demokratie.

Info-DIREKT: Angenommen, es geschieht ein Wunder und Sie sind nach der Wahl Wiener Bürgermeister. Was würden Sie als Erstes ändern.

Strache: Einführung der direkten Demokratie.

Info-DIREKT: Ist das nicht besonders gefährlich, wenn man sich die Bevölkerungsentwicklung ansieht?

Strache: Gerade jetzt wäre das noch wichtig.

Info-DIREKT: Glauben Sie nicht, dass das beispielsweise in Wien-Favoriten gefährlich wäre?

Strache: Nein, ich habe wahnsinnig viele Mitstreiter, die österreichische Staatsbürger sind, aber einen Migrationshintergrund haben, klar und deutlich den radikalen Islamismus ablehnen und für unsere Heimat eintreten. Diese Menschen sind heute Teil unserer Heimat. Wie Viktor Frankl sagte, gibt es zwei „Rassen“ von Menschen: die Anständigen und Unanständigen, und zwar in jedem Volk und in jeder Kultur.

Das vollständige Interview, sowie ein Interview mit dem Spitzenkandidaten der FPÖ-Wien, Dominik Nepp, lesen Sie im aktuellen Info-DIREKT-Printmagazin (Ausgabe 34). „Info-DIREKT – Das Magazin für Patrioten“ ist österreichweit über den Zeitschriftenhandel oder weltweit im Abo ab nur 38,50 Euro erhältlich.

Der Beitrag HC Strache: „Das ist ein Bevölkerungsaustausch“ erschien zuerst auf Info-DIREKT.



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Von Veritatis

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