Nashville (dpa) – Zwölf Tage vor der Wahl sind US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden zu ihrem zweiten und letzten TV-Duell zusammengekommen.

Bei der eineinhalbstündigen Debatte gelten neue Regeln, nachdem das erste TV-Duell vor allem wegen Trumps Unterbrechungen ins Chaos abgeglitten war. Während des zweiminütigen Eingangsstatements eines Kandidaten zu Beginn eines Themenkomplexes bleibt das Mikrofon des Gegenkandidaten abgeschaltet.

Trump warf der unabhängigen Kommission, die die Debatten organisiert, vor dem TV-Duell vor, auf Bidens Seite zu stehen. Kommissionsmitglied Frank Fahrenkopf wies das im Sender Fox News zurück. Fahrenkopf sagte, die Moderatorin werde keine Kontrolle über die Mikrofone haben. Sie würden hinter der Bühne an- oder abgeschaltet. Er betonte zugleich, die Themen würden nicht von der Kommission, sondern von der Moderatorin ausgewählt – bei der letzten Debatte ist das die NBC-Journalistin Kristen Welker (44), die als Korrespondentin im Weißen Haus in Washington arbeitet. Trump nannte Welker vor der Debatte «total parteiisch» und eine «radikale linke Demokratin».

Unter den sechs von Welker ausgewählten Themen sind unter anderem der Kampf gegen das Coronavirus, Rassismus, Klimawandel und nationale Sicherheit.

Trump hat kritisiert, dass der Schwerpunkt der Debatte in Nashville nicht auf der Außenpolitik liege. Sein Wahlkampfteam warf der Kommission vor, damit einem Wunsch Bidens zu folgen. Ex-Vizepräsident Biden wolle bei der Debatte nicht mit seiner früheren Unterstützung «endloser Kriege» oder mit fragwürdigen Auslandsgeschäften seines Sohnes Hunter Biden konfrontiert werden, sagte Trump-Wahlkampfberater Jason Miller.

Unmittelbar vor dem TV-Duell versuchte das Trump-Lager, den Druck auf Biden zu erhöhen. Trumps Wahlkampfteam präsentierte in Nashville einen früheren Geschäftspartner Hunter Bidens namens Tony Bobulinski, der schwere Vorwürfe gegen die Bidens erhob. Bobulinski sagte unter anderem, Ex-Vizepräsident Joe Biden habe entgegen seiner Aussage von den Auslandsgeschäften seines Sohnes Hunter gewusst. Bidens Wahlkampfteam teilte mit: «Joe Biden hat nie auch nur in Betracht gezogen, in Geschäfte seiner Familie involviert zu sein, noch in Auslandsgeschäfte welcher Art auch immer.»

Bobulinski war nach eigenen Angaben Geschäftsführer von Sinohawk, einer Investitionsfirma mit Beteiligung von Hunter Biden und einem chinesischen Unternehmen. Bobulinski sagte: «Ich habe Joe Biden sagen hören, dass er mit Hunter nie Geschäfte diskutiert habe. Das ist falsch. Ich weiß das aus erster Hand, weil ich direkt mit der Familie Biden, einschließlich Joe Biden, zu tun hatte.» Er selber habe mit Joe Biden im Mai 2017 über «die Geschäftspläne der Biden-Familie mit den Chinesen» gesprochen. Dieser habe von den Plänen gewusst.

Trump wirft der Biden-Familie wegen Hunter Bidens Auslandsgeschäften unter anderem in China und der Ukraine Korruption vor. Beweise dafür hat er nicht vorgelegt. Joe Biden weist die Vorwürfe pauschal zurück und spricht von einer «Verleumdungskampagne». Er hat zu den Geschäften seines Sohnes im Detail aber nicht Stellung bezogen. Trump hat Justizminister Bill Barr zu Ermittlungen aufgerufen.

Die erste Debatte hatte Ende September stattgefunden. Ursprünglich waren drei Fernsehduelle geplant. Das zweite, bei dem der Republikaner Trump (74) und der Demokrat Biden (77) am 15. Oktober aufeinander treffen sollten, wurde jedoch abgesagt: Die Kommission hatte wegen Trumps Covid-19-Erkrankung das Format geändert und wollte die Kandidaten anstelle einer persönlichen Begegnung online zusammenschalten. Trump lehnte das ab.

Trump liegt in landesweiten Umfragen hinter Biden. Wegen des komplizierten Wahlsystems in den USA haben diese Befragungen aber begrenzte Aussagekraft. Die Wahl findet am 3. November statt. Nach bisherigem Stand haben rund 44 Millionen Wahlberechtigte vor der TV-Debatte bereits abgestimmt, das entspricht knapp 32 Prozent der Wahlbeteiligung von 2016.



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Von Veritatis

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