Berlin/Chemnitz.

Als erster Automobilhersteller hat sich der Volkswagen-Konzern bereits 2018 zu den Pariser Klimazielen bekannt. Im Umweltleitbild des weltweit größten Autobauers ist das Ziel verankert, möglichst umweltschonend zu wirtschaften und das Unternehmen bis 2050 klimaneutral zu machen. Im VW-Fahrzeugwerk Zwickau wird deshalb schon heute auf eine bilanziell klimaneutrale Fertigung gesetzt.

Die Fabrik bezieht von außen zu 100 Prozent Ökostrom. Zudem gibt es ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung, das auf lange Sicht mit CO2-neutralem Gas betrieben werden soll. Auch die Lieferanten von VW werden verpflichtet, Grünstrom einzusetzen. “Durch den Einsatz erneuerbarer Energien in der Fertigung von Fahrzeug und Batterie sowie weiteren Maßnahmen ist der CO2-Fußabdruck des ID.3 bilanziell klimaneutral”, erklärte VW-Sachsen-Chef Thomas Ulbrich.

Natürlich lässt sich heute noch nicht die gesamte CO2-Belastung vermeiden. Den Rest gleicht Volkswagen mit Klimaschutzzertifikaten aus. Erst kürzlich hat der VW-Konzern mit dem Projektentwickler Permian Global eine Übereinkunft zur gemeinsamen Entwicklung von Klimaschutzprojekten unterzeichnet. Damit beginnt Volkswagen mit Unterstützung von Permian Global in in diesem Herbst mit der Entwicklung von Klimaschutzprojekten zum Schutz tropischer Wälder. Der Schutz vor drohender Abholzung sowie die Wiederherstellung von gefährdeten Wäldern und die damit verbundene CO2-Speicherung werden nach erfolgreicher Zertifizierung CO2-Gutschriften (carbon credits) liefern.

Aber nicht nur Großkonzerne wie VW setzen auf eine klimaneutrale Produktion. Für Max Jankowsky, Geschäftsführer der GL Gießerei Lößnitz im Erzgebirge, ist der Klimawandel die größte Herausforderung für die Menschheit seit dem Ende der Eiszeit. Das Unternehmen mit 84 Mitarbeitern, das auch für die Automobilindustrie zuliefert, hat 2017 eine Abluftreinigungsanlage in Betrieb genommen, in die rund fünf Millionen Euro investiert wurde. “Seitdem filtern wir eine Tonne Staub am Tag aus der Abluft”, sagte der Gießereichef.

Doch bei den Investitionen wollte das Unternehmen nicht stehen bleiben. Durch den Erwerb von insgesamt 2000 Klimaschutzzertifikaten wurden die durch den Betrieb verursachten Treibhausgasemissionen für 2020 ausgeglichen. “In diesem Jahr haben wir die Klimaneutralität erreicht”, erklärte Jankowsky, der künftig auch noch den Koksverbrauch der Gießerei kompensieren will. Seine Kundschaft sieht das positiv. “Die Autokonzerne haben ihre Nachhaltigkeitsstrategie. Die sind froh, wenn der Zulieferer mit einem eigenen Konzept zu ihnen kommt”, sagte der Gießerei-Geschäftsführer.

Aber auch in anderen Branchen hat der Klimaschutz inzwischen eine hohe Priorität. “Die Klimaneutralität ist das oberste Ziel unserer langjährigen Nachhaltigkeitsstrategie”, erklärte Paul K. Korn, Geschäftsführer der Lichtenauer Mineralquellen GmbH in Niederlichtenau bei Chemnitz. Seit Oktober dieses Jahres produzieren die drei ostdeutschen Standorte der Hassia-Gruppe aus dem hessischen Bad Vilbel klimaneutral. Dazu gehören die Lichtenauer Mineralquellen, Thüringer Waldquell und der Glashäger Brunnen in Mecklenburg-Vorpommern.

Bei Lichtenauer wurde beispielsweise die Gabelstapler-Flotte auf Elektrobetrieb umgestellt und der komplette Betrieb auf LED-Technik und Stromsparlampen umgerüstet. Der benötigte Strom kommt zu 100 Prozent aus Wasserkraftwerken. Die unvermeidbaren Emissionen werden über ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt kompensiert. “Da sich nicht alle CO2-Emissionen an einem Wirtschaftsstandort vermeiden lassen, gleichen wir die verbleibenden Emissionen durch ein Waldschutzprojekt mit nachhaltigem Paranussanbau in Peru aus, denn der Erhalt jedes Baumes auf unserem Planeten hat eine positive Wirkung auf das Weltklima”, sagte Korn.

In 30 Jahren soll Deutschlands Treibhausgas-Ausstoß netto bei null liegen – einer neuen Studie zufolge braucht es dafür deutlich mehr Ökostrom als bisher geplant und einen Komplett-Stopp für Investitionen in fossile Technologien ab 2030. “Die Bundesregierung hat Klimaneutralität 2050 beschlossen, aber sie hat keinen Plan dafür”, kritisierte der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen, am Donnerstag in Berlin.

Wie Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und die Stiftung Klimaneutralität errechnet haben, müsste der Zubau an Wind- und Solaranlagen schon in den nächsten zehn Jahren verdreifacht werden und das deutsche Klimaziel für 2030 auf 65 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 angehoben werden. Das Ökostrom-Ziel für 2030 müsste von 65 auf 70 Prozent angehoben werden. Statt wie bisher angepeilt 10 Millionen Elektroautos müssten bis dahin 14 Millionen auf der Straße sein, sagte Christian Hochfeld von Agora Verkehrswende. mit dpa



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Von Veritatis

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