Zahlreiche Firmen setzen im Zuge der Coronakrise weiterhin auf Kurzarbeit, um Nachfrageausfälle abzufedern. Doch in einigen Bundesländern wird dieses Instrument besonders häufig genutzt.

München/Chemnitz.

Nach einer Schätzung des Münchner Ifo-Instituts dürfte sich die Anzahl der Beschäftigten in Kurzarbeit im September deutlich auf 3,7 Millionen Personen reduziert haben. Im August waren schätzungsweise noch 4,7 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Seit dem Höchststand im Mai dürfte sich nach Einschätzung der Ifo-Experten der Anteil der Kurzarbeiter an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in etwa halbiert haben.

Allerdings gibt es bei der Nutzung der Kurzarbeit erhebliche regionale Unterschiede. Nach exklusiven Umfragezahlen des Ifo-Instituts ist Bayern das Bundesland mit dem größten Anteil an Kurzarbeitern. Im September befanden sich dort etwa 14 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit, im August waren es sogar 18Prozent. Ihre Anzahl sank von rund einer Million im August auf etwas mehr als 825.000 im September.

Auch die Unternehmen in Baden-Württemberg nutzen die Kurzarbeit im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich. In dem südwestdeutschen Bundesland waren im September knapp 610.000 Menschen in Kurzarbeit. Das waren 13Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Im August lag der Wert noch bei 16 Prozent. In Sachsen wie auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern werden dagegen deutlich weniger Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. So ging nach den Schätzungen des Ifo-Instituts in Sachsen die Anzahl der Kurzarbeiter von 195.918 im August (12 Prozent) auf 137.440 im September zurück. Das waren nur acht Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Eine ähnliche Entwicklung gab es in den übrigen ostdeutschen Bundesländern.

Der Hauptgrund dafür, dass in Sachsen ein geringerer Anteil der Beschäftigten in Kurzarbeit sein dürfte als in Bayern oder Baden-Württemberg, liegt vor allem in der Beschäftigungsstruktur im Freistaat, erklärte Sebastian Link, Mitautor der Studie des Ifo-Instituts: “Zwar spielen in Sachsen die Metallverarbeitung, Maschinenbau, Autoindustrie und Zuliefererindustrie ebenfalls eine wichtige Rolle, jedoch ist der Industrieanteil in Sachsen insgesamt wesentlich geringer als in Bayern und Baden-Württemberg – und in der Industrie ist aktuell der Kurzarbeiteranteil generell wesentlich höher als in den übrigen Wirtschaftsbereichen.” So waren beispielsweise im vergangenen Jahr 29,3 Prozent der Beschäftigten in Baden-Württemberg im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigt.

In Sachsen waren es dagegen lediglich 19,8 Prozent. Das ist zwar im Vergleich mit anderen ostdeutschen Ländern relativ viel, liegt aber doch unter dem Bundesdurchschnitt von 21 Prozent.

Von der Bundesagentur für Arbeit liegt erst für den Monat Juni eine aktuelle Hochrechnung für die tatsächlich realisierte Kurzarbeit in Sachsen vor. Demnach haben bislang für den Juni 20.700 Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld für insgesamt 190.000 beschäftigte Frauen und Männer beantragt. Damit ist die Kurzarbeiterzahl seit April 2020 (34.000 Betriebe mit 288.000 Beschäftigten) rückläufig. Im September haben weitere 375 sächsische Betriebe Kurzarbeit neu angezeigt. Hinter diesen Anzeigen stehen 5100 Beschäftigte.

 



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Von Veritatis

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