München (dpa) – Der Versicherer Allianz hat seinen Gewinn im Sommer trotz der Corona-Krise gesteigert. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Überschuss von fast 2,1 Milliarden Euro und damit rund sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der Dax-Konzern in München mitteilte.

Dennoch rang sich das Management um Allianz-Chef Oliver Bäte nicht zu einer neuen Gewinnprognose für das laufende Jahr durch. Der Vorstand entschied sogar, den bereits ausgesetzten Aktienrückkauf einzustellen – wegen der anhaltenden Unsicherheiten durch die Pandemie.

Im dritten Quartal schnitt die Allianz in allen Geschäftsbereichen besser ab als von Analysten erwartet. Der operative Gewinn ging nur um knapp drei Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurück. Das lag auch daran, dass Corona-Krise das Ergebnis nur mit rund 100 Millionen Euro belastete. In den ersten neun Monaten schlugen die Folgen der Pandemie bei der Allianz allerdings mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro zu Buche.

Trotz des überraschend guten Abschneidens gab die Allianz-Führung keine neue Gewinnprognose ab. Vorstandschef Bäte hatte seinen ursprünglichen Plan, in diesem Jahr einen operativen Gewinn von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro zu erzielen, Ende April zurückgezogen. Analysten rechneten zuletzt mit gut 10 Milliarden Euro. Dazu passt, dass die Allianz in den ersten neun Monaten ein operatives Ergebnis von knapp 7,8 Milliarden Euro erzielt hat – knapp 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Im dritten Quartal musste die Allianz einen Umsatzrückgang um sechs Prozent hinnehmen. So konnte der Konzern wegen der Beschränkungen infolge der Krise vor allem in Deutschland und den USA weniger Rentenprodukte verkaufen. Dennoch war der Bereich Lebens- und Krankenversicherung der einzige, der seinen operativen Gewinn im Jahresvergleich steigern konnte – nämlich um rund drei Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro.

In der größten Sparte, dem Schaden- und Unfallgeschäft, sank der operative Gewinn um gut zwei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Allerdings hatte die Allianz hier im ersten Halbjahr noch einen deutlich stärkeren Rückgang verbucht. Zwar schlugen Versicherungsschäden infolge der Pandemie in der Sparte auch im Sommer negativ zu Buche. Gesunkene Schäden aus Naturkatastrophen hätten diese Auswirkungen jedoch abgefedert, hieß es.

Die Investmentfonds der US-Tochter Pimco sammelten im dritten Quartal gut 27 Milliarden Euro frisches Geld von Investoren ein. Bei der zweiten Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) zogen Anleger hingegen netto 1,5 Milliarden Euro ab. Trotz des insgesamt hohen Mittelzuflusses sank der operative Gewinn des gesamten Allianz-Fondsgeschäfts um knapp vier Prozent auf 677 Millionen Euro. Die Allianz erklärte dies unter anderem mit geringeren erfolgsabhängigen Provisionen.

Bäte zeigte sich angesichts der jüngsten Ergebnisse «zuversichtlich, die Covid-19-Krise gut zu bewältigen» und die Allianz noch stärker zu machen. Wegen der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten rund um die Pandemie will der Vorstand jedoch das Geld des Konzerns zusammenhalten und stellt den bereits ausgesetzten Rückkauf eigener Aktien ein. Eigentlich hatte die Allianz auf diese Weise noch 750 Millionen Euro an die Anteilseigner zurückgeben wollen.



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Von Veritatis

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