Bild: Freepik; Buch: Andreas Vonderachs „Die Dekonstruktion der Rasse. Sozialwissenschaften gegen die Biologie”, erschienen im Ares Verlag

Die Politikwissenschaft in Westdeutschland sei nichts weiter als ein Mündel der Siegermächte, insbesondere der Amerikaner – ohne jeden Praxisbezug und fixiert auf abstrakte Systeme, so urteilte der damalige Heidelberger Ordinarius für Politikwissenschaft, Hans-Joachim Arndt, 1978 in seinem Werk „Die Besiegten von 1945“.

Dieser Beitrag von Nils Wegner ist im Printmagazin Nr. 33 „Nein zur globalen Kulturrevolution“ erschienen, das Sie jetzt kostenlos zu jedem Abo erhalten.

Zur Herstellung eines vorurteilsfreien Zugriffs auf den Betrachtungsgegenstand forderte Arndt die Berücksichtigung der „Grund-Lage“, also eine schonungslose Bestandsaufnahme der Realität anstelle des zwanghaften Klammerns an bloße Thesen, in deren Gehäuse die Wirklichkeit auf Biegen und Brechen hineingezwungen werden muss. Seine Anklage wurde wissenschaftsintern kurz skandalisiert, Arndt als Rechtsabweichler etikettiert und fortan vom Fachdiskurs ausgeschlossen. Dem Verfasser dieser Zeilen wurde noch 2009 in einer politologischen Antrittsvorlesung der Bär aufgebunden, Politikwissenschaft sei „selbstverständlich gleichbedeutend mit Demokratiewissenschaft“.

Feindbild „wissenschaftlicher Rassismus“

Bei der bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa herausragenden Anthropologie – insbesondere in ihrer naturalistischen Form – verhielt es sich genau umgekehrt: Hier wurde die Kulturverzerrung nicht Deutschland von außen her aufgebürdet, sondern nahm vielmehr dort 1886 in Gestalt des Physikers und Geografen Franz Boas ihren Ausgang, um die „westliche Welt“ heimzusuchen. In jenem Jahr wanderte der vormalige Berliner Privatdozent auf Einladung seines Onkels Abraham Jacobi in die USA aus, wo er eine extensive Publikationsarbeit auf dem Gebiet der Anthropologie begann – 1892 wurde er zum Universitätsdozenten, 1899 zum vollwertigen Professor für dieses Fach ernannt.

Boas machte als hochengagierter Wissenschaftler und reger Publizist von sich reden, dem an einer völligen Umkrempelung des anthropologischen Faches gelegen war: Unter dem Banner des Kulturrelativismus – es gebe keinen „evolutionären“ kulturellen Fortschritt, jede Kultur habe ihren eigenen Wert und sei nur aus sich selbst heraus zu verstehen, zwischen wilden Kannibalenstämmen und abendländischer Zivilisation dürfe kein qualitativer Unterschied gemacht werden – zogen er und seine ebenso streitbaren Schüler mit vorbehaltloser Unterstützung der liberalen US-Presse gegen den überall verorteten „wissenschaftlichen Rassismus“ ins Feld.

Dogmatismus statt evolutionärer Erkenntnis

Heute haben sich die damals geradezu kulturrevolutionären anthropologischen Dogmen der Boas-Schule im gesamten Westen durchgesetzt und sind unhinterfragbar geworden: Intelligenz, Verhalten und andere Eigenschaften dürfen nicht auf Vererbung zurückgeführt werden, sondern sollen allein auf Umweltfaktoren zurückgehen – der Mensch komme quasi als „unbeschriebenes Blatt“ auf die Welt und sei in der Lage, sich unbegrenzt anzupassen. Diese Lehre ist darin den wirren Thesen des sowjetischen Lyssenkoismus gar nicht unähnlich, wonach aus ausgesäten Getreidekörnern je nach Umweltbedingungen mal Weizen, mal Roggen wachsen könne.

Vor allem aber waren Boas und seine Anhänger – Esther Goldfrank, Margaret Mead, Ruth Benedict und andere – sehr eifrig dabei, die Anwendung des Rassebegriffes auf Menschen unmöglich zu machen. Dieser sei wissenschaftlich nicht haltbar und verbiete sich allein schon aus moralischen Gründen, wie Boas seit 1894 behauptete. Und siehe da: Just im September des vergangenen Jahres veröffentlichte die Deutsche Zoologische Gesellschaft unter großem Getöse der Mainstreammedien ihre „Jenaer Erklärung“, wonach der wissenschaftliche Begriff der Menschenrassen „Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“ sei, es also keine sachliche Beschäftigung mit diesem Fachthema geben könne und dürfe.

Naturwissenschaft am Pranger

Die Presse feierte dieses „mutige“ Bekenntnis als ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der „Rassismus“ wieder „in die Mitte der Gesellschaft“ rücke – und nicht erst seit den global gewalttätigen „Black-Lives-Matter“-Protesten steht die Forderung nach einer Streichung des Wortes „Rasse“ aus Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes im Raum: „Weil es keine ‚Rassen‘ gibt und allein die Verwendung des Wortes ‚Rasse‘ schon rassistisch ist, soll es aus dem Grundgesetz gestrichen werden. Eine gute Idee, aber mit dem Streichen ist es nicht getan“, wie der „Spiegel“ befindet.

Wie es so weit kommen konnte, welche interessierten Kreise die „engagierte“ Sozialwissenschaft gegen die „diskriminierende“ Naturwissenschaft in Stellung brachten und welch drastische Wege die Rassenleugner zur Durchsetzung ihrer Ziele wählten – über all dies hat der Anthropologe Andreas Vonderach im Grazer Ares Verlag ein ebenso bündiges wie lehrreiches Buch veröffentlicht. Vonderach, bekannt durch sein Grundlagenwerk „Anthropologie Europas“, erläutert die wichtigsten Agitatoren gegen den Rassenbegriff beim Menschen und ihre teils schlicht absurden „Studien“ zum Beleg der Behauptung, dass mit bloßem Auge erkennbare menschliche Unterschiede lediglich böswillige Erfindungen seien. Schlimme Konsequenzen: U. a. dürfen neue Medikamente nicht auf abstammungsbedingte Wirkunterschiede getestet werden – Todesopfer aufgrund dieser Unterlassung sind nicht auszuschließen.

Empfehlenswertes Buch

Bei aller Komplexität des Themas besticht Vonderachs Buch durch Prägnanz und ist sehr eingängig geschrieben. Wohl nicht umsonst hat der Verlag unlängst vermeldet, aufgrund einer infolge der Rassenunruhen „nach George Floyd“ sprunghaft angestiegenen Nachfrage bereits die zweite Auflage des erst im Frühjahr erschienenen Buches zu drucken: „Die Dekonstruktion der Rasse“, ausdrücklich empfohlen auch von Michael Klonovsky auf dessen Website, erklärt kurz und allgemein verständlich, weshalb die Vereinigten Staaten sich seit der Bürgerrechtsbewegung der 1960-er Jahre in Wahrheit in einem „Kalten Rassenkrieg“ befinden. Denn wir sind eben nachweislich nicht alle gleich, und wer messbare Tatsachen leugnet, kann keine realistische Gesellschaftspolitik betreiben. Wissenschaftliche „Antirassisten“ ebenso wie linke Traumschloss-Politiker machen sich so mitschuldig an der Gewalt im Namen der „Gleichheit“. Ein wichtiges Buch über den tiefen Zynismus der angeblich so progressiv-humanistischen Zeitgenossen.

Andreas Vonderachs neustes Buch: „Die Dekonstruktion der Rasse. Sozialwissenschaften gegen die Biologie“, erschienen im Ares Verlag, Graz, 2020, 112 Seiten, € 14,00, ist im Buchhandel und direkt über den Verlag erhältlich: www.ares-verlag.com

 

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Von Veritatis

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