„So gehen Intrigen heute!“, ätzte Jan Fleischhauer seinerzeit im Spiegel über den Umgang mit Hubertus Knabe. Der vor allem in der Linken verhasste Stasi-Aufklärer habe seinen Posten als Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen räumen müssen, nur weil seinem Vizedirektor Helmuth Frauendorfer sexuelle Belästigung vorgeworfen worden war. Frauendorfer war erst Opfer des Stalinismus geworden, dann des Feminismus. Böse Sache.

Wie bei der Faktenlage nicht anders zu erwarten war, haben sich die Vorwürfe gegen Berlins Kultursenator Klaus Lederer mittlerweile nahezu in Luft aufgelöst. Deutlich wurde dies im von CDU und FDP beantragten Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am breiten Spektrum der Zeugen, die übereinstimmend klarstellten, Knabe sei im Amt nicht zu halten gewesen. Erwähnt seien Dieter Dombrowski, Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Birgit Neumann-Becker, die Magdeburger Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Und nicht zu vergessen: Monika Grütters, Kulturstaatsministerin und Mitglied der CDU. Diese Leute, Mitglieder des Stiftungsrates, als Lederers Komplizen zu betrachten, wie es Fleischhauer propagiert, erfordert viel Fantasie. Der strukturelle Sexismus, der über viele Jahre hinweg in der Gedenkstätte Hohenschönhausen ein Klima der Angst und der Übergriffigkeit hervorgerufen hatte, geht auf das Konto des damaligen Direktors. Dessen einstiger Vize Frauendorfer sah sich im Berufungsprozess vor dem Landesarbeitsgericht vor die Frage gestellt, ob es denn normal sei, in einer Kneipe in Berlin-Kreuzberg zu später Stunde, nach etlichen Gläsern Wein, ein Vorstellungsgespräch zu führen – und das auch noch mit einer weit jüngeren Bewerberin! Worauf Frauendorfer meinte, so sei nun mal die Kultur an der Gedenkstätte gewesen. Die Kündigungen sind mittlerweile rechtsgültig. Helmuth Frauendorfers Belästigungen und Hubertus Knabes Leitungsdefizite erscheinen im Rückblick überdeutlich.

Was nun Klaus Lederer betrifft: Der Linken-Politiker hätte schon viel eher handeln können. Ende 2016 hatte Knabe einen Internetlink zur Stasi-Akte des Stadtsoziologen Andrej Holm verbreitet. Ein Vorgang, den der damalige Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Martin Gutzeit, als „nicht gesetzeskonform“ bezeichnete. Knabe wiederum verteidigte sich mit dem Verweis, er habe als Privatmann gehandelt. Eigens dafür ließ er ein juristisches Gutachten erstellen, dessen vierstellige Kosten Hubertus Knabe der Gedenkstätte in Rechnung stellte.



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Von Veritatis

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