Fotos: Info-DIREKT

Als ich mit ein paar Minuten Verspätung am Parkplatz der Talstation der Wurzeralmbahn in Spital am Pyhrn (Oberösterreich) eintreffe, warten die beiden Wegemacher Hubert und Herbert schon auf mich. Deshalb heißt es gleich „aufsitzen“, und schon fahren wir mit einem geländegängigen Bus des Linzer Alpenvereins über eine Forststraße hoch zur Wurzeralm.

Diese Reportage von Michael Scharfmüller ist im Printmagazin Nr. 33 „Nein zur globalen Kulturrevolution“ erschienen, das Sie jetzt kostenlos zu jedem Abo erhalten.

Bei der Fahrt haben wir Gelegenheit uns gegenseitig vorzustellen. Hubert hat bei der Telekom gearbeitet und durfte relativ bald in Pension gehen, seither verbringt er noch mehr Zeit in den Bergen als zuvor. Herbert ist ebenfalls ein echter Naturliebhaber. Als ich ihn frage, ob er auch schon in Pension ist, lacht er nur. Erst einige Zeit später wird er mir verraten, wie alt er ist.

Auf der in 1.400 Meter Seehöhe gelegenen Wurzeralm angekommen, steigen wir vom Kleinbus auf einen Sessellift um, um noch ein paar Höhenmeter bequem zu überwinden. Mit etwas Werkzeug, einem neuen Wegweiser-Schild, Pinseln sowie rotem und weißem Lack wandern wir über den Süd-Ost-Grat Richtung Warscheneck. Auf diesem Pfad ist nämlich ein leicht verwittertes Schild gegen das neue in Huberts Rucksack auszutauschen. Bald haben wir den Wegweiser erreicht. Eine Hand greift in die andere. Rasch ist das alte Schild abgenommen. Mit einem Akku-Schlagschrauber werden Löcher ins Gestein gebohrt und die neue Tafel montiert.

Mit der Montage des Schildes ist die Arbeit auf diesem Wanderweg erledigt. Wir gehen deshalb wieder zurück Richtung Sessellift-Bergstation. Ich komme mit Hubert ins Gespräch. Ob das Auswechseln des Schildes wirklich notwendig war, bezweifelt der kritisch denkende Bergsteiger. Auch weil auf der neuen Tafel nicht mehr wie gewohnt und in vielen Wanderkarten eingetragen „Warscheneck Süd-Ost-Grat“ steht, sondern „Warscheneck via Peter Reinberg Steig“. Peter Reinberg sei nach zehn Jahren als Präsident des Linzer Alpenvereins, der für das Wegenetz dieser Gegend zuständig ist, zurückgetreten. „Mit dem Wegweiser wollte man ihm wohl eine kleine Freude bereiten“, mutmaßt Hubert kopfschüttelnd.

Eine schöne Aufgabe für Patrioten

Wieder bei der Bergstation des Sesselliftes beginnt unsere eigentliche Tagesarbeit. Jetzt werden Farbe und Pinsel ausgepackt, um die Wegmarkierung hinunter auf die Wurzeralm aufzufrischen. Auch bei dieser Tätigkeit merkt man, dass die zwei Bergkameraden ein eingespielter Trupp sind. Der eine geht mit der weißen Farbe voran und der andere geht mit der roten Farbe hinterher, um die rot-weiß-roten Wegmarken zu vervollständigen. „Das wäre ja eine schöne Aufgabe für Patrioten“, sage ich zu Hubert. Worauf mir dieser erwidert: „Nicht nur für Patrioten! Den ‚Fridays for Future‘-Schülern und deren Lehrern würde es auch nicht schaden, etwas mehr Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten in der Natur zu verbringen!“ Sinnvoll Zeit in der Natur zu verbringen ist auch der Hauptgrund dafür, weshalb Hubert und Herbert ehrenamtlich im Alpenverein tätig sind.

Wobei nicht alle die Arbeit der Wegemacher schätzen. Speziell einige Grundbesitzer ärgern sich darüber, dass fremde Menschen über ihren Boden laufen. Dabei sind sich die beiden Alpenvereinsmitglieder einig, dass die Alm und Forstbauern von ihrer Arbeit profitieren. Mit den Markierungen, die sie anbringen, geben sie den Wanderern nämlich einen Weg vor. Dadurch werden Schäden durch „Abschneider“ und wild umherirrende Sportler um ein Vielfaches verringert. Wobei die Wegemacher mit ihren Pinselstrichen und Schildern nur einen Weg vorgeben können. Der richtige Weg entsteht erst durch die Benutzung durch Wanderer.

Was passiert, wenn Wanderwege wenig benutzt werden, sieht man auf einem Wegabschnitt durch einen Wald. Hier ist der schmale Pfad schon relativ stark verwachsen, und man muss sich konzentrieren, um die Orientierung nicht zu verlieren. Hubert und Herbert sind hier fleißig am Pinseln, mit einer Handsäge werden zudem Äste, die das Fortkommen erschweren, abgeschnitten. Ich spaziere hinter den beiden her und freue mich über das Bild, das sie abgeben: Sie wirken wie zwei Heinzelmännchen, die den Wald mit rot-weiß-roten Fahnen verschönern.

Gesunder Geist in einem gesunden Körper

Auf einer breiten Forststraße angekommen, komme ich endlich auch mit Herbert ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er vor zwei Tagen in diesem Gebiet auf Gamsjagd war und mit seinem Jagdkameraden in einer kleinen Höhle übernachtet hat, was allerdings nicht so gemütlich gewesen sei, wie er es sich vorgestellt hatte. Jetzt verrät er mir endlich sein Alter. Ich kann es nicht glauben, aber auch Hubert bestätigt es mir später: Er ist 79 Jahre alt. Auf die Frage, wie es ihm gelungen sei, so fit zu bleiben, erzählt er mir von seinem schweren Leben. Von seinen Eltern, die viel zu bald gestorben sind, vom dem Hunger nach dem Krieg, von der vielen Arbeit, mit der er sich hochgearbeitet hat und von seiner Frau und den Kindern und Enkelkindern, die er mit helfender Hand unterstützt, wenn es darum geht, Maurerarbeit durchzuführen. Bei dieser Geschichte denke ich an die Menschen der heutigen Zeit, die sich wegen jeder Kleinigkeit diskriminiert und benachteiligt fühlen und die Verantwortung für ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen wollen. Dabei nehme ich mich auch selbst an der Nase, das allzu bequeme Leben hat auch mich in einigen Bereichen schon ziemlich verweichlicht.

Und so bin ich froh, als wir wieder beim Auto sind und nach kurzer Fahrt bei einem der Hüttenwirte auf der Wurzeralm einkehren. Das Wirtspaar erzählt uns von den schönen Seiten eines Lebens hier auf der Alm, aber auch von den damit verbundenen Herausforderungen. Eine davon stellen jene Menschen dar, die sich in den Städten für mehr „Klimaschutz“ starkmachen, aber dann auch auf 1.400 Seehöhe nicht bereit sind auf etwas Luxus zu verzichten. Heute wollen wir uns darüber aber nicht mehr ärgern, wir nehmen unser Bier und stellen uns auf die Terrasse um die Abendstimmung in den Bergen zu genießen. 

 

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Von Veritatis

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