Washington (dpa) – Der persönliche Anwalt des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, Rudy Giuliani, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte Trump auf Twitter mit.

Der 76-jährige ehemalige Bürgermeister von New York City leitet die rechtlichen Anstrengungen, das Wahlergebnis in den USA zu Gunsten Trumps zu kippen – bislang ohne nennenswerten Erfolg. Es ist der jüngste einer Vielzahl von Corona-Fällen im direkten Umfeld Trumps. Warum es Trump war, der die Öffentlichkeit über die Infektion informierte, blieb zunächst unklar.

Wie es Giuliani ging und ob er Symptome einer Erkrankung zeigte, wurde zunächst nicht bekannt. Die «New York Times» und der Sender Abc News berichteten jedoch am frühen Abend (Ortszeit), Giuliani sei in der Hauptstadt Washington in einem Krankenhaus.

Trump bezeichnete Giuliani in seiner Twitter-Nachricht als «großartigsten Bürgermeister in der Geschichte» von New York City. Dieser habe «unermüdlich» gearbeitet, die «korrupteste Wahl (bei weitem!)» in der Geschichte der USA aufzudecken. Der Republikaner sendete seinem Anwalt auf Twitter Genesungswünsche. «Wir werden weitermachen!!!», fügte er hinzu.

Trump hatte Giuliani Mitte November damit beauftragt, die rechtlichen Anstrengungen gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl und den Sieg des Demokraten Joe Biden anzuführen. Trump hatte sich an seinen Vertrauten gewendet, nachdem der eigentlich damit beauftragte Wahlkampfberater David Bossie wegen einer Coronavirus-Infektion handlungsunfähig war.

Giuliani behauptet, beweisen zu können, dass Trump aufgrund eines von der Demokratischen Partei organisierten Stimmenraubs um den Sieg über Joe Biden gebracht wurde. Mehrere Klagen der Trump-Anwälte in verschiedenen Bundesstaaten sind vor Gericht unter anderem wegen fehlender Beweise gescheitert.

Giuliani war am Sonntagmorgen noch in einem Fernsehinterview bei Fox News zu sehen gewesen, in dem er erneut behauptete, es habe zentral organisierten Wahlbetrug gegeben, der «sehr gut geplant, sehr gut ausgeführt» gewesen sei. US-Behörden hatten die Wahlen am 3. November als sicherste in der Geschichte des Landes bezeichnet. Am Mittwoch hatte Giuliani mit Anwältin Jenna Ellis vor einem Parlamentsausschuss im Bundesstaat Michigan über den angeblichen Wahlbetrug gesprochen.

Giuliani ist ein treuer Weggefährte von Trump, brachte ihn aber bereits mehrfach in Schwierigkeiten. Er war eine zentrale Figur in der Ukraine-Affäre, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Rollen brachte. Giuliani hatte sich auch aktiv darum bemüht, die Ukraine zu Ermittlungen gegen Trumps letztlich siegreichen Herausforderer Biden zu bewegen.

Am 19. November hatte eine Pressekonferenz für Aufsehen gesorgt, bei der sich Trumps Anwälte in Verschwörungstheorien verstrickten. Giuliani redete sich in einem rund 40-minütigen Monolog in Rage und schwitzte im Licht der Scheinwerfer. Im Anschluss daran wurde gerätselt, warum ihm dunkle Farbe über die Wangen lief – vermutlich hatte es sich dabei um Spuren eines Färbemittels oder Wimperntusche gehandelt. Nach der Pressekonferenz war Giulianis Sohn Andrew positiv auf das Virus getestet worden.

Trump war Anfang Oktober selbst an Covid-19 erkrankt und deswegen auch im Krankenhaus behandelt worden. Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus rief er die Amerikaner dazu auf, «keine Angst» vor dem Virus zu haben. Zahlreiche Menschen in seinem Umfeld wurden bereits positiv auf das Virus getestet, neben Trumps Frau Melania und seinen Söhnen Barron und Donald auch enge Mitarbeiter im Weißen Haus wie Stabschef Mark Meadows.

Trump hat entgegen Empfehlungen von Gesundheitsexperten Massenkundgebungen mit Tausenden Anhängern abgehalten – zuletzt am Samstagabend in Georgia. Die meisten Unterstützer folgten dem Beispiel des Präsidenten und trugen keine Masken.

Seit Beginn der Pandemie sind in den USA im Zusammenhang mit einer Infektion bereits rund 282.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen erreicht immer neue Spitzenwerte. In den vergangenen Tagen lag sie binnen 24 Stunden bei mehr als 200.000. Fünf Tage in Folge starben pro Tag mehr als 2200 Menschen nach einer Corona-Infektion.



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Von Veritatis

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