Ist Ihnen aufgefallen, dass in der Folge “Es lebe der König!” Corona mitgespielt hat?

Ist Ihnen im “Tatort” aus Münster etwas aufgefallen? Ich meine damit nicht, dass Sie hellseherisch auf das unvorhersehbare Ende gekommen sein könnten. Ich meine auch nicht den neuen Kollegen von Boerne und Thiel, Mirko, der 1-A-Kaffee kocht. Aber ist Ihnen aufgefallen, dass im am Sonntag ausgestrahlten “Tatort” mit dem Titel “Es lebe der König!” Corona mitgespielt hat? Nach Angaben des WDR war die TV-Produktion eine der ersten, die nach dem Lockdown Anfang des Jahres im Juni wieder an den Start ging – und wegen der Corona-Auflagen umgearbeitet werden musste. Wer das nicht weiß, dürfte es kaum gemerkt haben: Es ist ein unterhaltsamer Film geworden, der sogar Hand und Fuß hatte. Das ist bei Münster nicht selbstverständlich – bei allem erwartbaren Einspruch, da er bezüglich der Einschaltquoten ja wie geschnitten Brot läuft.

Aber der “Tatort” aus Münster hat ein Luxusproblem. Mit Axel Prahl als hemdsärmeliger Kommissar Thiel und Jan Josef Liefers als übergeschnappter Rechtsmediziner Boerne füllen zwei sehr fähige Schauspieler zwei clever angelegte Figuren perfekt aus – die “Tatort”-Macher laufen da Gefahr, sich auf die Zugkraft dieses Teams zu verlassen und die Nachvollziehbarkeit und Sinnhaftigkeit der eigentlichen Krimihandlungen zu vernachlässigen. Diesmal aber hat alles ganz gut gepasst: ein Toter, drei Hauptverdächtige, am Schluss einige Wendungen und eine durchaus plausibel erzählte Auflösung.

Die Corona-Auflagen hatten sich vor allem auf den Schluss bezogen: Boerne und Thiel sollten ursprünglich in einer Massenszene ermitteln. Da Masse nicht mehr erlaubt war, befanden sich im Finale nur noch fünf Leute im Fokus: Boerne und Thiel mit Mirko, Boernes Mitarbeiterin Haller und Staatsanwältin Klemm, die sich gemeinsam als verdecktes Ermittlerteam verselbstständigen, um einer großen Sache auf die Spur zu kommen. Die Menschenmasse wurde nur als Theaterpublikum hinter dicken Burgmauern angedeutet, deren Applaus der Fernsehzuschauer hört, die er selbst aber nie sieht – und auch nicht vermisst. Dazu ist das verdeckte Ermittlerteam mit Mirko als Schaltzentrale, Haller und Klemm im Auto mit verdunkelten Scheiben und Thiel und Boerne versteckt hinter Bäumen zu lustig: Klemm bekommt ihr lautes Organ nicht in den Griff, das moderne Kommunikationssystem des Teams aus Mini-Mikros und Ohrstöpseln droht zu kollabieren, dazu Mückenplage, Kabelprobleme und Klemms Zigarettenrauchwolken, die sie aus dem Fenster des damit nun nicht mehr unauffälligen Autos bläst. Die Szenen erinnern ein bisschen an den Kinohit “Kundschafter des Friedens”, wo sich ein verdecktes Team ebenso auf hohem albernen Niveau in etlichen Unwägbarkeiten verheddert. Fazit: Die Komik im “Tatort” aus Münster hat diesmal geholfen, Corona auszutricksen. Gut gemacht!

 



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Von Veritatis

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