Es gibt diese Bücher, deren Analyse der aktuellen Lage so offensichtlich und doch so simpel ist, dass man sich wundert, weshalb nicht schon längst jemand das Problem entsprechend erkannt und behoben hat. Ein solches Buch ist Die Zombiewirtschaft von Alexander Horn nicht.

Leider. Denn die Ansätze sind vorhanden, sie werden nur nicht konsequent zu Ende gedacht. Für Horn hat die deutsche Wirtschaft ein grundlegendes Problem: Ihr sind Investition und Innovation abhandengekommen. In einem Markt, dem der Wettbewerb fehlt, weil sich Staat und EZB darum bemühen, Stabilität zu wahren, sei der Druck zu gering, durch Innovation die Arbeitsproduktivität zu steigern. Unternehmen, die ohne staatliche Unterstützung längst Platz für Konkurrenten hätten machen müssen, werden künstlich am Leben gehalten und zu „Zombieunternehmen“.

Horn analysiert dabei nicht bloß die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, sondern erklärt auch, weshalb stagnierende Arbeitsproduktivität Reallöhne drückt, während Unternehmer leichte Profite einfahren. Hinter mangelnder Innovation und politischem Klammern an wirtschaftlicher Stabilität stehe eine grundlegende Sorge vor den Folgen wirtschaftlicher Veränderungen, die sich aus den Erfahrungen jüngster Krisen speise. Die gesellschaftlichen Sorgen spiegelten allerdings nicht die realen Bedingungen wider.

Was die Wirtschaft bräuchte, ist mehr Mut zum Risiko. Veränderungen sind normal und wirtschaftlich notwendig. Dazu muss die Politik die Wirtschaft aus der Wattierung nehmen und sie sich einer Reinigungskrise unterziehen lassen. Horn argumentiert durchgehend aus einer makroökonomischen Perspektive und ignoriert dabei, dass die deutsche Wirtschaft eben nicht frei von Risiken ist. Nur treffen diese statt Unternehmern zunehmend Arbeitnehmer, die sich von einer befristeten Stelle zur nächsten hangeln oder selbstständig arbeiten und dabei staatliche Absicherungen teils oder ganz verlieren. Wer von der Gesellschaft Akzeptanz für Risiken und Veränderungen fordert, muss auch eine klare Strategie haben, ihr anders Stabilität zu bieten, statt ihr diesen Wunsch als wettbewerbsfeindlich vorzuwerfen.

Horns Argumentation zu klimaneutraler Wirtschaft ist ähnlich inkonsequent. Der Autor sieht in ihr nur einen weiteren Versuch, Risiken abzuwenden, statt sich ihnen zu stellen. Der Mensch wäre durchaus in der Lage, sich durch wirtschaftlichen Fortschritt an einen wärmeren Planeten anzupassen. Beispielhaft führt er den Abbau der Ozonschicht durch FCKW an. Eigentlich hätte er daraus schließen müssen, dass es sich als äußert innovativ herausgestellt hat, von staatlicher Seite Umweltverträglichkeit vorzugeben, bevor es zu spät ist.

Obwohl Horn sich für eine Wirtschaft ausspricht, in der der Staat Rahmenbedingungen vorgibt, sollen Themen wie Klimaneutralität und gestärkte Arbeitnehmerrechte davon ausgespart werden. Dabei läge doch darin, etwa in einem „Green New Deal“, erhebliches Innovationspotenzial.

Weshalb das Buch neben Horns Ausführungen noch zwei weiterer Essays bedarf, erschließt sich nicht.

Ganz allgemein kann man sagen: Das Problem mag Horn richtig erkannt haben. Seine Lösung bietet aber hauptsächlich eine Rückkehr zu alten marktliberalen Strategien. Er bleibt blind für die aktuelle Debatte darüber, was wir als Gesellschaft – über wachsenden materiellen Wohlstand – als wichtig und wünschenswert ansehen wollen.

Die Zombiewirtschaft Alexander Horn Mit Beiträgen von Michael von Prollius und Phil Mullan Novo Argumente 2020, 377 S., 15 €



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Von Veritatis

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