Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach sich für noch weitreichendere Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus aus. Auch Bundeskanzlerin Merkel und Berlins regierender Bürgermeister Müller halten Lockerungen trotz des Impfstoffs für unwahrscheinlich.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für noch weitreichendere Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus ausgesprochen. “Wir müssen endlich in einen richtigen Lockdown gehen”, sagte dieser im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er ärgere sich, nicht bereit gewesen zu sein, den Dezember mit seinen vielen Feiertagen für eine bundesweite Generalpause genutzt zu haben.

“Alles, was nicht lebensnotwendig ist oder systemisch nicht abgestellt werden kann, hätte vier Wochen lang angehalten werden müssen”, so Ramelow.

Eine permanente Verlängerung von Einzelmaßnahmen, die aber insgesamt nicht zur Eindämmung des Coronavirus führten, sei ein teurer und falscher Weg gewesen. Ramelow kritisierte auch die Ungleichheit der bisherigen Maßnahmen, für die ausschließlich Gastronomen, Hoteliers, Künstler und Soloselbstständige, Schausteller sowie Kinder zur Pandemieabwehr in Verantwortung genommen würden – die gesamte weitere Wirtschaft aber tue so, als wäre nichts.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, dass sie aus ihrer Sicht keine Entwarnung geben könne. “Natürlich haben wir die schwersten Monate – das kann man, glaube ich, erahnen – der Pandemie noch vor uns”, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin bei der Klausurtagung der CSU-Abgeordneten im Bundestag. Dies sei jedoch “gepaart mit einem Stück Hoffnung” durch die inzwischen zur Verfügung stehenden Impfstoffe. Merkel sagte, gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Deutschland würden nach der COVID-19-Pandemie “eine noch größere Herausforderung” werden.

“Es ist für mich auch die Voraussetzung dafür, dass die Fliehkräfte in unserem Lande nicht immer größer werden”, betonte die Bundeskanzlerin.

Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warnte im Hinblick auf die angelaufenen Impfungen gegen das Coronavirus vor zu großen Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. “Es wird Monate dauern, bis wir den Impfstoff verimpfen können”, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Abgeordnetenhaus.

“So gut es ist, dass wir jetzt den Impfstoff haben, so viel Hoffnung wir zu Recht daran knüpfen, so klar muss uns doch noch sein, was vor uns liegt.”

In der aktuellen Phase, in der noch nicht die breite Bevölkerung immunisiert ist, sei es weiter wichtig, sich an die Regeln und Beschränkungen im andauernden Lockdown zu halten.

“Wir müssen weiter daran arbeiten, dass wir besonnen mit der Situation umgehen, und uns und andere weiter mit unseren Maßnahmen und Regeln schützen. In den nächsten Wochen und Monaten wird das leider nach wie vor eine Rolle spielen”, so Müller.

Die Zahl der Sieben-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag am Donnerstagmorgen bei 121,8. Der bisherige Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 registriert worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch weitreichend. Die höchsten Inzidenzen hatten Sachsen mit 269,8 und Thüringen mit 232,4. Den niedrigsten Wert hatte Bremen mit 74,0. 

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(dpa/rt)





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Von Veritatis

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