Eine Betrachtung zum “Tatort” von Katharina Leuoth

Fangen wir mal mit dem Guten an: Die Geschichte, die der am Sonntag ausgestrahlte “Tatort” unter dem Titel “Der Tod der Anderen” erzählt, ist eine gut gewählte. Erstens mit einem Überraschungseffekt: Sie erzählt von der DDR und ihren Menschen – und das erzählt sie mitten in Köln, was ja nicht unbedingt zu erwarten ist. Zweitens rückt sie ein Thema in den Fokus, das eher selten auf den Schirm gebracht wird: Denn sie erzählt auch von der BRD und ihren Menschen – und deren Verstrickungen in der DDR. Wie etwa Einkäufer für den Westen auf der Leipziger Messe an preiswerte Waren gelangten und dabei über Arbeitsbedingungen, Betriebsunfälle und Umweltverschmutzungen im Osten hinweg schauten. Wie sie sich während der Messe auch der Frauen bedienten, die sich ihnen anboten. Und wie moralisch fragwürdige Abzweigungen, die die Protagonisten damals nahmen, 30 Jahre nach der Wende nachwirken können. In dieser Jetzt-Zeit hat sich Bettina Mai (Ulrike Krumbiegel), ehemalige DDR-Bürgerin, als Hotelchefin in Köln einen Namen gemacht. Doch in diesem Hotel findet sich in den ersten Szenen eine Tote. Und damit beginnt das Problem, nicht nur für die Hotelchefin.

Wenn ein Film berühren soll, hilft es, wenn sich der Zuschauer emotional an einen Protagonisten “binden” kann. Einen, der den Zuschauer auf welche Weise auch immer packt. Der möglichst authentisch und nachvollziehbar inszeniert wird. In diesem Film hätte diese Protagonistin die 60-jährige Kathrin Kampe (Eva Weißenborn) sein können. Eine besessene, aber zerbrochene Gerechtigkeitssuchende. Das Problem für den Zuschauer in diesem “Tatort” mit dem Ermittlerteam Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ist aber, dass diese Protagonistin hier so bald erhängt von der Decke baumelt. Ob Mord oder Selbstmord, bleibt lange unklar. Jedenfalls wird die Geschichte dieser Frau nur in Rückschlüssen erzählt und stattdessen Bettina Mai in den Mittelpunkt geschoben. Die hat jetzt das Problem, unter Mordverdacht zu stehen.

Dabei stellt sich heraus, dass sie einst stramm stehende IM der Stasi war, wobei sie heute aber irgendwie daran zu leiden scheint, was ihr wiederum schwer abzunehmen ist. Denn zum einen stellt sie sich ihrer Verantwortung nicht, zum anderen ist sie auch immer noch mit zu vielen Wassern gewaschen. Sie schließt Polizei-Assistent Jütte in einem Verlies ein und entführt Kommissar Schenk. Was eher haarsträubend als authentisch ist. Noch dazu der bemühte Witz, den die Filmemacher in die Gespräche von Mai und Schenk stopfen, indem Mai betont lakonisch von ihrer Stasi-Zeit erzählt und fast noch mit Schenk anbandelt. Zudem die unfreiwillige Komik, wenn Jütte im Verlies selten dämlich die überlebenswichtigen Flaschen Wasser kaputt bekommt (und sich an den Scherben auch noch schneidet). Dazu ist der Krimi mit Namen und angerissenen Handlungssträngen überfrachtet.

Schade, die DDR in Köln – es hatte seinen erzählerischen Charme.

 

30 Tage für 20,99€ 0€ testen

Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)

Jetzt
0€
statt 20,99 €



Source link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar