Besonders dramatisch ist die Lage im Gastgewerbe. Dort erwägt in Sachsen mittlerweile jeder fünfte Betrieb ganz aufzugeben.

Chemnitz.

Gastronomen, Kino- und Sportstudiobetreiber: Sachsens Firmen im Lockdown warten noch immer auf die versprochenen Novemberhilfen. Bislang kamen nur Abschlagszahlungen an – wenn überhaupt. Nach einer Umfrage des Dehoga Hotel- und Gaststättenverbandes haben reichlich ein Viertel der befragten Gastronomen und Hoteliers im Freistaat aber noch nicht einmal diese erhalten. Bei den Betrieben herrsche Verzweiflung und “maximaler Frust”, berichtete der Hauptgeschäftsführer von Dehoga Sachsen, Axel Klein.

Während die Abschlagszahlungen vom Bund kommen, erfolgt die Auszahlung der regulären November- und Dezemberhilfe durch die Länder. Diese hatten jedoch bis jetzt keinen Zugriff auf die über ein Portal des Bundeswirtschaftsministeriums gestellten Anträge. Grund waren Softwareprobleme. Wie das Ministerium mitteilte, stehe die Technik nun aber. Damit könnten die Auszahlungen starten. Im Freistaat ist dafür die Sächsische Aufbaubank zuständig. Deren Sprecherin Beate Bartsch konnte am Dienstag allerdings noch nicht sagen, ob das System funktioniert. Man stehe aber bereit und werde “unmittelbar” mit der Bearbeitung beginnen, wenn die vom Bund beauftragte IT-Firma die Voraussetzungen geschaffen habe.

Laut sächsischem Wirtschaftsministerium wurden im Freistaat Novemberhilfen im Umfang von 161,5 Millionen Euro beantragt, knapp ein Drittel davon kam bisher zur Auszahlung. Besser sieht es bei den Soloselbstständigen aus, die bis zu 5000 Euro Hilfe direkt beantragen konnten. Mit sieben Millionen Euro wurden gut drei Viertel der Hilfen überwiesen. Bei den November- und Dezemberhilfen werden im Grundsatz Zuschüsse von bis zu 75 Prozent des Umsatzes bezogen auf den Vorjahresmonat gewährt.

Der Dehoga Sachsen warnte indes erneut vor einer Pleitewelle im Gastgewerbe. Der Umfrage zufolge, an der sich 510 Gastronomen und Hoteliers beteiligten, bangen 71 Prozent der Betriebe um ihre Existenz. Gut jeder fünfte erwäge sogar konkret die Betriebsaufgabe. Die Lage sei dramatischer denn je, so Klein. Neben einer schnellen Auszahlung der Gelder forderte er mehr Klarheit “im kaum noch zu überblickenden Hilfen-Chaos”. Dies verunsichere Unternehmer und Steuerberater gleichermaßen.

“Wir machen auf” und “Wir machen aufmerksam”

Mit zwei verschiedenen Initiativen machen Einzelhändler und Dienstleister derzeit auf ihre existenzgefährdende Lage aufmerksam. “Wir machen auf” heißt eine Aktion, die ein Kosmetikstudiobetreiber in Krefeld initiierte und die für den 18. Januar Händler dazu aufruft, entgegen der aktuellen Corona-Schutzverordnung Geschäfte zu öffnen. Koordiniert wird die Aktion in einer Telegram-Gruppe mit aktuell rund 60.000 Abonnenten.

Gegen Rechtsbrüche spricht sich hingegen die Aktion “Wir machen aufmerksam” aus, die von dem Frankfurter Textillieferanten Uwe Bernecker ins Leben gerufen wurde und an der sich am Montag auch Geschäfte in Sachsen mit Plakataktionen und stillem Protest beteiligt hatten. “Wir setzen auf die Vernunft der Politik”, sagte Bernecker. Mit der Telegram-Gruppe habe man nichts zu tun. Anke Krause, die die Aktion “Wir machen aufmerksam” als Inhaberin eines Schreibwarengeschäfts und Chefin des Freiberger Gewerbevereins unterstützt, sagte, die Not der Händler sei groß. Man kämpfe weiter für die Ladenöffnung. Aber: “Ich rufe nicht zum zivilen Ungehorsam auf.”oha

 

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Von Veritatis