Weltweit mehr als 55 Millionen Beiträge in knapp 300 Sprachen, verfasst von unzähligen Freiwilligen – Wikipedia ist 20 Jahre alt.

Chemnitz.

Abraham Taherivand ist Geschäftsführender Wikimedia-Vorstand in Deutschland und bedankte sich gerade artig bei den Geldgebern und Unterstützern der von Wikimedia betriebenen Wikipedia-Plattform, die nun 20 Jahre alt geworden ist.

Mit der im November gestarteten Spendenkampagne 2020 wurde bis zum Jahresende wieder ohne Probleme das Spendenziel von 8,7 Millionen Euro erreicht. Gerade in Pandemiezeiten steige der Bedarf an Erklärung, Orientierung und Klarheit. In dieser Zeit komme Wikipedia eine kaum zu unterschätzende Bedeutung zu. “Das sehen wir anhand unserer Daten. Weltweit wurde Wikipedia seit dem Beginn der Pandemie im März 30 Prozent häufiger besucht. Mehr als 382 Millionen Mal wurden alleine Artikel zu Covid-19 aufgerufen”. Über 5200 Artikel in 175 Sprachen seien erstellt worden. Dank der unermüdlichen Arbeit von weltweit über 58.000 ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren sei in kürzester Zeit eine umfassende Wissenssammlung mit fundierten Fakten zu Corona und Covid-19 entstanden. “Jede Stunde beobachten wir mehr als 170 Bearbeitungen”, so Taherivand.

Spenden und die freiwillige sowie ehrenamtliche Mitarbeit machen das werbefreie Modell Wikipedia erst möglich. Denn das Betreiben des Portals kostet Geld. Die Wikipedia-Server beispielsweise stehen in den USA und den Niederlanden und werden von der Wikimedia Foundation betrieben. Sie bekommt einen Großteil der Spenden, auch für die Unterstützung der vielen weiteren Länderorganisationen und Freiwilligengruppen weltweit. Bei Wikimedia Deutschland kümmern sich rund 140 hauptamtliche Mitarbeitende um viele Projekte für freies Wissen, fördern die Freiwilligen in ihrem digitalen Ehrenamt, entwickeln und verbessern die Software, mit der die Wiki-Seiten betrieben werden und sind auf politischer, kultureller und wissenschaftlicher Ebene für freies Wissen aktiv. Der Förderverein Wikimedia Deutschland verfügt mit über 80.000 Mitgliedern über einen Jahresetat von rund 18 Millionen Euro.

Der wichtigste nicht-kommerzielle Dienst der Internet-Geschichte begann am 15. Januar 2001 wie so viele Online-Projekte mit dem Gruß der Programmierer: “Hello World”. Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales tippte die beiden Worte in eine neue Software ein, die einen schnellen Aufbau eines Online-Lexikons ermöglichen sollte. Zunächst war nur Expertenwissen gefragt, ein Modell, das aber nicht aufgehen sollte. Schließlich wurde auf das heutige nicht kommerzielle Modell der freiwilligen Mitarbeit umgestellt. 20 Jahre nach der Gründung gibt es mehr als 55 Millionen Beiträge in knapp 300 Sprachen.

Unumstritten ist die Online-Enzyklopädie aber schon lange nicht mehr. Und das liegt nicht nur an bösen Fehlern wie der Behauptung, im Konzentrationslager in Warschau seien während der Zeit der deutschen Besatzung 20.000 Menschen vergast worden. Doch das KZ war eben kein Vernichtungslager wie etwa Auschwitz. “In der deutschsprachigen Wikipedia jedenfalls haben sich Sachfehler und Desinformation sowie Mobbing und Vandalismus ausgebreitet, Personen, Parteien und Unternehmen werden gezielt diffamiert”, heißt es im “Schwarzbuch Wikipedia”, das letztes Jahr Andreas Mäckler herausgegeben hat. Er selber war einem veritablen Shitstorm ausgesetzt, nur weil er um Löschung eines fehlerhaften Links in einem Wikipedia-Artikel bat. mit dpa

 

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Von Veritatis