Peter Altmaier sagt aus „vollem Herzen“ in Interviews gerne mal: „Ich bin Feminist.“ In der Politik sollten auf Worte auch Taten folgen, sonst leidet die Glaubwürdigkeit. So weit aus dem Fenster gelehnt wie ihr Parteifreund hat sich Angela Merkel nie. Das war klug, denn in Sachen Feminismus glänzte die CDU auch unter ihrer Regentschaft nicht durch Tatendrang. Mütterrente und Elterngeld, sehr viel mehr fällt einem da nicht ein.

Wo schon keine Frau antritt, wäre vielleicht Altmaier der „Kandidat der Herzen“ bei der Frauen Union gewesen, aber er bewirbt sich nicht als Parteichef. Dass Friedrich Merz auf wenig Gegenliebe stößt, ist keine Überraschung. Frauenrechte bringt er höchstens zuverlässig ins Spiel, wenn es um die Forderung nach einem Burkaverbot geht. Armin Laschet war in jungen Jahren zwar Redenschreiber für Rita Süssmuth, dass er bei seiner Team-Kandidatur mit Jens Spahn eine frauenpolitische Agenda vorgelegt hat, kann man nicht behaupten. Stattdessen betont er stets, wie gut er in NRW mit der FDP harmoniert. Norbert Röttgen betet zurzeit fleißig sein Mantra von einer CDU, die „jünger, weiblicher und digitaler“ werden muss; bevor er seine Ambitionen auf den Parteivorsitz entdeckte, fiel er aber kaum durch genderpolitisches Engagement auf. Für den Fall seiner Wahl will er Ellen Demuth zur „Chefstrategin“ küren, ein amtlicher Machtposten ist das nicht. Keine Kanzlerin, Partei- oder Fraktionschefin, keine Generalsekretärin, das ist die nahe Zukunft der CDU. Geht es um Gleichstellung, betätigen sich regierende Christdemokrat*innen als Bremse. Wogegen die CDU ihren Widerstand nun aufgegeben hat, ist eine verbindliche Frauenquote für Unternehmensvorstände. Und damit ist sie schon weiter gekommen als mit den Regeln, die im eigenen Laden gelten.

Vor einem Vierteljahrhundert beschloss die CDU ein Frauenquorum. Ein Drittel der Parteiämter und Mandate sollte mit Frauen besetzt sein. Freiwillig. Wie schlecht das klappt, kann man im Bundestag betrachten. Nur ein Fünftel der Fraktion sind Frauen. Annegret Kramp-Karrenbauer macht ihrem Nachfolger ein vergiftetes Geschenk. Ab 2025 soll eine Frauenquote von 50 Prozent für CDU-Vorstandsposten gelten. Für die Satzungsänderung wird der neue Chef sorgen müssen. Einer wie Merz dürfte dafür kaum in die Bresche springen. Die Frauen Union empfiehlt den gut 300 weiblichen Parteitagsdelegierten Laschet und Röttgen. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es die Wählerinnen, die Merkel wieder ins Kanzleramt hievten. Egal, wer CDU-Chef wird, als Mann wird er für den Machterhalt mehr feministischen Tatendrang als Merkel zeigen müssen.



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Von Veritatis