Marbach (dpa) – Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie kann sich so ein Jubiläumsjahr auch mal hinziehen, im Fall des Dichters Friedrich Hölderlin sogar recht deutlich. Denn nach den zahlreichen Absagen im eigentlichen Hölderlinjahr 2020 haben das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) und andere Veranstalter ihre Ausstellungen, Lesungen und Bühnenstücke auf die kommenden Monate verschoben.

«Jubiläen sind ja nur die Anlässe, Autoren zu feiern, die man eh feiern würde», sagte der stellvertretende Archivleiter Jan Bürger am Mittwoch in Marbach. Die Veranstalter versuchten «jetzt noch zu retten, was zu retten ist» aus dem üppigen Programm.

Eigentlich hatte Deutschland im Laufe des vergangenen Jahres mit Lesungen und Ausstellungen, Vorträgen und Konzerten den 250. Geburtstag des schwäbischen Dichters Friedrich Hölderlin feiern wollen. Fast 700 Veranstaltungen in Theatern, Konzert- und Kinosälen, Literaturhäusern, Universitäten und Schulen waren geplant, darunter auch ein Musical und eine Oper. Der Schwerpunkt sollte in Hölderlins Heimat, dem heutigen Baden-Württemberg, liegen.

Bereits im Herbst hatten sich Veranstalter, Hölderlinorte und das DLA, das das Jubiläum koordiniert, auf eine Verlängerung bis Mitte 2021 verständigt. Nun sind die abschließenden Höhepunkte des Hölderlinjahres für die Monate Mai und Juni geplant, wie die DLA-Direktorin Sandra Richter ankündigte. Geplant seien in Lauffen am Neckar unter anderem die Ausstellung «Hölderlins Orte. Fotografien von Barbara Klemm» sowie ein langes Hölderlin-Wochenende mit dem Schriftsteller Rüdiger Safranski und ein Hölderlin-Musical.

In Tübingen soll der Garten am Hölderlinturm eröffnet werden und in Nürtingen steht ein Hölderlin-Filmfestival ebenso auf dem Programm wie die bereits weitgehend abgeschlossene Neugestaltung des Hölderlinhauses. Stuttgarts Württembergische Landesbibliothek zeigt die verlängerte Ausstellung «Aufbrüche – Abbrüche. 250 Jahre Friedrich Hölderlin» und in Marbach wird es Veranstaltungen rund um die Ausstellung «Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie» geben.

Den Abschluss des Hölderlinjahres soll eine «Lange Hölderlinnacht» im Stuttgarter Schauspielhaus bilden – «immer mit Pandemie-Vorbehalt», wie das DLA einschränkt. Die für Oktober 2020 geplante Uraufführung der Oper «Im Thurm» in Tübingen war bereits zuvor auf das Frühjahr 2022 verschoben worden.

Der Poet aus Lauffen am Neckar (1770-1843) hatte seine Kindheit und Jugend in Nürtingen verbracht, seine zweite Lebenshälfte in Tübingen im legendären Turmzimmer. Er gilt als ein Begründer der modernen Lyrik.

Das Deutsche Literaturarchiv verwahrt nach dem Hölderlin-Archiv in der Württembergischen Landesbibliothek die bedeutendste Sammlung zum Dichter. Zum Bestand gehören das «Maulbronner Quartheft» mit Jugendgedichten sowie eine Reihe von Gedichtautographen und Einzelblätter aus dem «Hyperion»- Manuskript.



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Von Veritatis