Haben Sie in den vergangenen Wochen vorgekocht? Einen Topf Brühe zubereitet und dann eingefroren? Oder ein paar Kilo Fleisch geschmort? Als Gulasch? Weil Sie wissen, das Gericht wird mit jedem Tag besser, an dem es wieder aufgewärmt wird? Herzlichen Glückwunsch. Aber sagen Sie bloß nicht mehr Vorkochen. Sagen Sie Meal-Prepping!

Ja, so heißt das neuerdings. Und wenn Sie nun vermuten, der Kolumnist wird sich die restliche Spalte über ein neues Modewort lustig machen, darf ich Ihnen versichern: Ja, selbstverständlich, aber vielleicht nur die halbe.

Meal-Prepping ist schon länger ein Thema in den sozialen Medien, in den vergangenen Monaten ist es mir aber aus Kochzeitschriften und Frauenjournalen entgegengesprungen. Es meint im Grundsatz nichts anderes als die Vorbereitung von Gerichten schon Tage im Voraus – also eben das, was ich als Vorkochen kenne. Ich habe lange gegrübelt, warum es dafür ein neues Wort braucht. Heutzutage hat es oft Gründe, warum Begrifflichkeiten wechseln, meist weil die alten Ausdrücke mit einer kolonialen, rassistischen oder sexistischen Tradition in Zusammenhang stehen. Aber ich habe einfach keinen Grund gefunden, warum das schöne Wort „Vorkochen“ – auf Englisch „Precooking“ – mit irgendeiner Schuld beladen sein soll.

Ganz im Gegenteil finde ich Prepping, auch nur wenn es mit meinem Meal in Zusammenhang stehen soll, abstoßend. Ich muss dabei an Prepper denken, diese Szene, die sich Überlebensratgeber aus dubiosen rechtslastigen Verlagen bestellt, dann Konserven, die für Jahre halten, in ihre Keller stapelt und am Ende bei den Reichsbürgern oder den Querdenkern landet, weil sie in Wahrheit nicht genug Vorrat für ihre apokalyptischen Fantasien ansammeln kann. Also: Prepping geht einfach gar nicht, liebe Veganer:innen und Vegetarier:innen.

So, und jetzt komme ich zum interessanteren Teil des Phänomens. Mir sind da zwei Sachen aufgefallen. Meal-Prepping dreht sich erstens wenig bis gar nicht um Fleisch. Sondern um Gemüse und Getreide; Zutaten, an die man beim Vorkochen nicht hauptsächlich denkt, das ist eben das Rindfleisch fürs Gulasch oder das Suppenhuhn für die Brühe. Die beliebtesten Rezepte für Meal-Prepping behandeln Linsen, Kichererbsen oder Süßkartoffeln, in Form von Salaten, Suppen oder Currys. Ja, so etwas hält sich gut einige Tage im Kühlschrank. Und zweitens? Wenn Posts zum Thema etwa auf Twitter mit Fotos versehen sind, dann haben junge Menschen meist offene Boxen für eine ganze Woche nebeneinander aufgereiht. Manchmal sind es japanische Bentoboxen, in denen viel Gemüse liegt, meist aber sind es Plastikschachteln mit durchsichtigen Deckeln, wie man sie aus der Salattheke kennt oder von Fertiggerichten. Das ganze Bild ruft: „Ready for microwave.“

Ich habe den Verdacht, Meal-Prepping ist vor allem ein Trend bei Menschen, die es bisher nicht anders kannten, als sich mit Vorgekochtem aus dem Supermarkt zu ernähren. Was ihnen nun in Zeiten der Pandemie nicht mehr gelingen will, aus Geldsorgen vielleicht oder zu Isolationszwecken.

Könnte es sogar sein, dass diese Leute vielleicht gar nicht mehr wissen, was hinter dem Begriff „Kochen“ oder „Cooking“ steckt, außer, dass in ihrer Jugend ein Erwachsener eine Schürze umgebunden hatte? Und das, was er dabei anrichtete, aber auch gar nichts mit dem Essen zu tun hatte, das heute ihren Alltag bestimmt?

Gut möglich. Zu meinen frühen Kochjahren gehört der erfolglose Versuch, Schlemmerfilet à la Bordelaise aus dem Tiefkühlregal zu kopieren. Einmal hob ich dafür sogar eine dieser Aluschalen auf, um den Fisch darin zu backen. Und irgendwann begann ich dann doch einfach zu kochen.



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Von Veritatis