Rechenzentren sind die fensterlosen Kellerräume, in denen sich unser digitales Leben materialisiert. Jede E-Mail, jede Videokonferenz und jede Online-Zahlung muss durch diese Nicht-Orte durch. Weil wir immer mehr ins Digitale verlagern, brauchen wir auch immer mehr solcher Rechenzentren. Und wer hätte das gedacht, aber Deutschland ist europaweit der größte Standort dafür und der drittgrößte der Welt. Vor allem in Frankfurt am Main wohnt also gewissermaßen ein beträchtlicher Teil des Internets. Das verursacht nicht nur Stolz bei den deutschen Wächtern über die Glasfaserkabel, sondern auch jede Menge Treibhausgasemissionen. Laut einer vom schwedischen Telekommunikationsausrüster Ericsson in Auftrag gegebenen Studie ist die Informations- und Kommunikationstechnologie für 1,4 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Aber Deutschland wäre nicht das selbsternannte „Land der Ideen“, wenn es nicht auch für dieses Problem schon eine Lösung gefunden hätte. „Wir haben in Deutschland den Blauen Engel für Rechenzentren auf den Weg gebracht“, rühmte sich Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) kürzlich auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung. Vergeben wird der schon seit 2016 bei reduziertem Energieverbrauch, dem Verzicht auf klimaschädliche Kühlung und gut ausgelasteter Technik. Klingt machbar. Klingt nach etwas, wo das Umweltministerium mit seinen eigenen Rechenzentrum mit gutem Beispiel vorangehen könnte.

Das dachte sich auch Anke Domscheit-Berg, die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion, und fragte nach. Die Antwort: Keines der neun Rechenzentren des Umweltministeriums trägt den Blauen Engel. Überhaupt nur eines aller 177 Rechenzentren der gesamten Bundesverwaltung tut das, und zwar das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Das ist nun doch eine bestürzende Bilanz, zumal die Bundesregierung seit vier Jahren mit einem Budget von mehr als drei Milliarden Euro vergeblich versucht, ihre IT zu modernisieren – so ein Blauer Engel müsste sich da doch im Vorbeigehen mitnehmen lassen. „Dieses Milliardengrab funktioniert einfach nicht“, urteilt Anke Domscheit-Berg.

Die Politikerin und ihr Mann Daniel, ehemaliger Wikileaks-Sprecher, haben übrigens ihre ganz eigene Lösung gefunden: Sie haben sich in den Keller ihres Hauses in Brandenburg selbst ein Rechenzentrum gebaut. Na, wäre das nicht was für die nächsten Wochen daheim – Modelleisenbahn raus und Rechenzentrum rein? Auch das ließe sich ja – umweltfreundlich – mit kleinen Filzbäumchen dekorieren.



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Von Veritatis