Unsere Medien und auch die Politiker, die sich mit dem Fall Nawalny beschäftigen und vor allem mit dem von ihm veröffentlichten Film über Putins angebliche Palast-Korruption, berichten nur sehr lückenhaft oder gar nicht über die Umstände des Entstehens dieses Films. Darauf macht NachDenkSeiten-Leser Joachim Otte aufmerksam. Er hat wegen dieses Vorgangs an den Bundespräsidenten, die Bundeskanzlerin und andere Persönlichkeiten der Politik geschrieben. In diesem Schreiben macht er die typische Konzession an die herrschende Stimmung gegen Putin. Ich habe ihn darauf aufmerksam gemacht. Er hat dies ehrlich zugegeben (Respekt!) und gleichzeitig auf einen historisch höchst interessanten Spiegelbericht aus dem Jahre 1989 hingewiesen. Es geht dabei um die atomare Verteidigung alias Zerstörung unseres Landes. Albrecht Müller.

Leserbrief von Joachim Otte vom 27.01.2021 mit angehängten Schreiben an Bundespräsident, Bundeskanzlerin und andere Personen des politischen Lebens:

ich habe immer wieder versucht, bei verschiedensten Medien Interesse für das Thema Nawalny zu finden. Vergebens. Aber aufgeben werde ich nicht.

Hier nun folgend mein heutiges Schreiben u.a. an den Bundespräsidenten einfach zur Info und evtl. Weiterverwendung.

Mit bestem Gruß
Jochen Otte

Gesendet: Dienstag, 26. Januar 2021 um 11:35 Uhr
Von: “Joachim Otte”
An: [email protected], [email protected], [email protected]
Cc: [email protected], [email protected], [email protected], [email protected]
Betreff: Fall Nawalny BlackForest-studios

Joachim Otte …
per Mail

  • An den Bundespräsidenten
    F.W.Steinmeier
  • An die Bundeskanzlerin
    A.Merkel
  • An Minister und Fraktionsvorsitzende
    von CDU/CSU/SPD/Die Grünen/Die Linken 26-1-2021

Betr. Fall Nawalny 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, geehrte Frau Kanzlerin,

meine Damen und Herren Fraktionsvorsitzende, Minister und Verantwortliche

Ich bin sehr an einem gesunden Verhältnis mit Russland interessiert und bin entsetzt, was aus der Zuversicht von 1989/91 geworden ist.

Es herrscht medial und z.T. auch politisch eine Spirale von Hass und Aufrüstung. Sie Herr Bundespräsident erinnere ich an Ihre damalige Aussage, nicht wie „Die Schlafwandler“ (Ch.Clark) zu handeln. Aber genau da sind wir angekommen.

Zu dem “Fall Nawalny bin ich u.a. durch einen Artikel im “SchwarzwälderBoten” gestossen.  (Auszüge daraus siehe Anhang ganz unten, der Verfasser)

Ich traue Putin alles zu. Auch diesen Protzpalast. Das rechtfertigt aber nicht, dass uns unsere Politik und Medien manipulieren!  

Immer klarer wird (Südkurier Kultur 23.1. SchwarzwälderBote 22.1.), dass Nawalny, statt sich vom Novitschok-Anschlag in Ibach/Schwarzwald zu erholen, munter wochenlang in den „Blackforest Studios“/Kirchzarten, mit US-Unterstützung und Mitarbeiterstab am „Protzpalast-Propaganda“-Video gearbeitet und ganz Deutschland bereist hat! Alles unter Begleitschutz und Augen der Politik und Medien. Sie alle haben im Geheimen geduldet, dass Nawalny in provokanter Weise gegen rechtmäßigen russische Bewährungsauflagen deshalb verstieß, um seine Verhaftung in Moskau heraus zu fordern. Das war genau der von ihm kalkulierte Zeitpunkt um seine „Bombe“, das „Palast-Video“, mit Getöse, Empörung und Beifall von Ihnen und den Medien platzen lassen. Und gleichzeitig konnte er damit hunderttausende Demonstranten aktivieren! 

Unter diesem Aspekt sind die Aufschreie und Verurteilungen, Herr Maas, Russlands Heuchelei. Das gilt auch für die Rufe nach Sanktionen und Verurteilungen gegen das Vorgehen der russischen Polizei bei den verbotenen und wegen Corona auch gefährlichen Demonstrationen (ohne Coronaschutz). Ihnen muss auch bekannt gewesen sein, dass die US-Botschaft „aus Sorge vor Corona“ die Routen den Demonstranten bekannt machte!

Nawalny provozierte die Verhaftung, da er wusste, Sie, die Politik, und Medien stehen zu ihm. Eine Ungeheuerlichkeit in unserer Demokratie!! Wer denkt da nicht an die vielen Regime Wechsel in den letzten Jahrzehnten.

Über Ihr auffallendes Schweigen zu den Aktionen Nawalnys bin ich entsetzt und hätte das nicht in unserer Republik für möglich gehalten.

Sie haben Deutschland und der Demokratie geschadet.

Sie Frau Kanzlerin, erinnere ich ausdrücklich an Ihre Beeinflussung beim buchstäblichen Fall der Ukraine und an die Eisprinzessin Julia Timoschenko.

Mit Gruß
Joachim.Otte

Mail Antwort Albrecht Müller an Joachim Otte:
Gesendet: Mittwoch, 27. Januar 2021 um 10:14 Uhr
Von: “Albrecht Müller – NDS”
An: “Joachim Otte”
Cc: [email protected]

Betreff: Re: Fall Nawalny BlackForest-studios

Guten Morgen, lieber Herr Otte,

Vielen Dank für Ihren Leserbrief. Den würde ich auch gerne veröffentlichen, weil mich die story über die Herstellung des Videos im Schwarzwald und die Umstände auch empört haben. Aber ich habe dennoch eine Frage: auf welcher Information und Einschätzung gründet der Satz: ich traue Putin alles zu. ??

Ist das ihre wirkliche Einschätzung oder nur ein Zugeständnis, um die Aufmerksamkeit von Herrn Steinmeier, Frau Merkel, Herrn Maas und so weiter zu erreichen?

Mit freundlichen Grüßen
Albrecht Müller

Antwort von Joachim Otte vom 27.1.2021:

Guten Morgen Herr Müller, Sie haben recht, den Satz mit Putin habe ich tatsächlich genommen, damit nicht die altbekannte, abwertende Einschätzung als Russen- oder Putinversteher eingesetzt werden kann. Ich halte das Geschehen seit 1989/91 und der Umgang mit Russland als einen geschichtlichen Fehler unserer Politik. Frieden und Verständnis lagen in unseren Händen und sind auf Grund von Abhängigkeit, Arroganz und falschen Einschätzungen verloren gegangen.

Übrigens sehr interessant hierzu ein Spiegelbericht vom 1.5.1989  “Unsere Antwort wird Nein sein” Stichwort Lance Raketen. Sie werden aus sicher noch in eigener Erinnerung haben.

Für Ihr Interesse möchte ich mich sehr bei Ihnen bedanken.

mit freundlichem Gruß
J. Otte

Anhang:

Zur Information der NachDenkSeiten-Leser hier noch einmal der Link zum Bericht des Schwarzwälder Boten und Auszüge daraus.

In diesem Bericht erfährt man so nebenbei, dass Auftraggeber des im Schwarzwald gefertigten Films eine Produktionsgesellschaft aus Kalifornien war. Haben unsere deutschen Hauptmedien davon berichtet, als sie über diesen Film und den Vorwurf an Putin berichteten?

Hier also noch Auszüge aus dem Artikel im Schwarzwälder Boten:

Nawalny vs. Putin
Palast-Video in Blackforest Studios produziert
Von Schwarzwälder Bote 22.01.2021 – 09:40 Uhr

Der russische Oppositionelle hat unter strengen Hygiene- und Sicherheitsbedingungen in Kirchzarten gearbeitet

Kirchzarten – Über 42 Millionen Klicks in kaum zwei Tagen bei Youtube: Das schafft vermutlich kein Popstar. Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny (44) hat dies jedoch leicht erreicht mit seinem knapp zwei Stunden langen Enthüllungsfilm über den angeblichen Palast von Kreml-Chef Wladimir Putin, der seit Dienstag das Internet im Sturm erobert und heftige Dementi aus dem Kreml nach sich gezogen hat.

Die Geschichte, die Nawalny in seinem Film erzählt, ist geradezu abenteuerlich: Putin soll sich demnach für umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro einen bombastischen Palast an der Schwarzmeerküste gebaut haben, finanziert aus öffentlichen Mitteln, die sich der Präsident angeblich für seine private Sucht nach Luxus und Prunk unter den Nagel gerissen haben soll. …

Strenger Schutz

Produziert hat den Film eine Produktionsgesellschaft in Los Angeles/Kalifornien. Nawalnay aber war, wie seit Monaten bekannt, zuletzt nach dem Giftanschlag vom vergangenen Sommer zur Erholung im Schwarzwald. In Ibach im Kreis Waldshut, um genau zu sein. Von dort veröffentlichte er unter anderem Bilder von Winterwanderungen mit seiner Frau. Kurz vor seiner Rückkehr allerdings postete der Russe ein Video, in dem er seine Heimreise ankündigte. Die Aufnahme zeigte das Stadtbild Freiburgs im Hintergrund. …

Nawalny war aber nicht nur in Freiburg: Die finale Produktion und seine Moderation des Films hat der Kremlkritiker in Kirchzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gefertigt. Dort sind seit November 2020 die “Blackforest Studios” im ehemaligen Kurhaus untergebracht. Ein professionelles, internationalen Standards entsprechendes Film- und Fernsehstudio, geleitet von den beiden gebürtigen Freiburgern Nina Gwyn Weiland und Sebastian Weiland, die jahrelang in den USA in der Filmbranche gearbeitet haben und nun mit mehrjährigem Vorlauf im Schwarzwald ihren Studiobetrieb aufgezogen haben. Gerade rechtzeitig für Nawalny, wie Weiland bestätigt: Anfang Dezember habe man eine Anfrage aus den USA erhalten, ob man denn Produktionskapazitäten freihabe. Die habe man gehabt, und so sei eins zum anderen gekommen.

Strikte Geheimhaltung

Die Arbeit mit Nawalny in Kirchzarten habe unter strengen Hygiene- und Sicherheits- bedingungen und strikter Geheimhaltung stattgefunden.



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Von Veritatis